Falls ihr „The Last House“ noch nicht gesehen habt und nun erst einmal neugierig auf den Film seid, möchten wir euch hiermit vorwarnen. Der folgende Text enthält deutliche Spoiler und sollte daher erst nach der Sichtung der Netflix-Eigenproduktion gelesen werden.
Darum geht es in "The Last House"
Es ist kurz vor Weihnachten und am vergangenen Abend hat ein leichter Dauerregen eingesetzt. Kein Grund jedoch für Familie Delgado, zuhause zu bleiben, im Gegenteil: Vater Jason (Wagner Moura), Mutter Ann (Greta Lee) und ihre beiden Kinder Ruth (jung: Riley Chung, später: Emma Ho) und Graham (jung: Noah Alexander Sosnowski, später: Gabriel Barbosa) wollen einen Weihnachtsbaum kaufen. Allerdings sind sämtliche Türen und Fenster ihres Hauses verriegelt, als würde eine rätselhafte Barriere sie am Verlassen hindern. Auch ihre Nachbarn sind in ihren Häusern gefangen…
Nach einigen Wochen entdeckt Ruth eine seltsame, aber friedlich anmutende Kreatur vor dem Haus im Nieselregen. Sie berichtet Graham – der übrigens vier Kois in einem Aquarium, heißt: einem spiegelnden Gefängnis im Kinderzimmer hält – von ihrer Entdeckung, doch der tut sie als Hirngespinst ab. Damit irrt er sich, als eines Tages eine Nachbarin von einer aggressiven fremdartigen Kreatur bis vor ihre Haustür verfolgt und getötet wird.
Zentral: Das Motiv Wasser
In der Mythologie gilt Wasser als natürlicher Spiegel des Himmels und als Symbol für kosmische Ordnung und das Gleichgewicht: Zugleich Ursprung für das Leben, kann es mit seinen Fluten auch das Leben zerstören. Dass unsere Welt zwischen überfischten und mit Plastik verschmutzten Meeren aus der Balance geraten ist, macht direkt ein Zitat des berühmten Science-Fiction-Autors Arthur Arthur C. Clarke (er lieferte etwa die gleichnamige Romanvorlage zu Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“) klar, das „The Last House“ vorangestellt ist: „How inappropriate to call this planet Earth when it is clearly Ocean“ (auf Deutsch: „Wie unangebracht, diesen Planeten Erde zu nennen, wenn er doch ein Ozean ist“). In einer der ersten Szenen sehen wir Familienvater Jason beim Angeln an einem Pier: Während ein Gewitter heranzieht, hat er wieder einmal einen kleinen Fisch am Haken, zieht ihn zunächst aus dem Wasser, schenkt ihm aber dann seine Freiheit.
Netflix
Nach etwas mehr als einer Stunde Filmlaufzeit stattet den Delgados ein geheimnisvolles, fischartiges Meereswesen mit riesigen Tentakeln und Fangarmen (optisch an H.P. Lovecrafts Beschreibungen des kosmischen Monsters in „The Call Of Cthulhu“ angelehnt) den Delgados einen Hausbesuch ab – und verseucht deren Trinkwasservorräte mit Salzwasser. Spiegelbildlich zum Angel-Auftakt verhält sich dann das Finale von „The Last House“, als es zum großen Showdown eines bösartigen Exemplars mit der wehrhaften Familie kommt. Es macht in einem zunehmend überfluteten Haus Jagd auf die Eingesperrten, bis es schließlich gefesselt ist. Doch in einer aussichtslosen Situation für beide Parteien zeigt es ebenfalls einen Akt der Gnade und öffnet den Delgados in ihrem zusammenstürzenden Haus die Tür in die Freiheit – genauso wie Jason den kleinen Fisch ins offene Meer entlässt. Hier besteht – auch in der mythologischen Bedeutung von Wasser – eine Spiegelung und damit auch eine Rahmung zum Anfang.
Das erfahren wir über die Meereswesen
Wo die fischartigen Meereswesen genau herkommen und was sie vorhaben, bleibt vage. Allerdings werden Ruths Interpretationen in einem Flashback am Ende kurz zusammengefasst: Von „netten“ Kreaturen ist da die Rede, welche versuchen, mit den Menschen zu kommunizieren und die Erde als „ihr Zuhause“ betrachten. Selbiges sucht Familie Delgado ganz am Ende des Films, als sie auf dem gestohlenen Segelboot ihres Nachbarn einer ungewissen Zukunft entgegen schippert.
Der Sci-Fi-Thriller „The Last House“ ist ab sofort im Abonnement von Netflix zu sehen. Auf dem Regiestuhl saß übrigens Louis Leterrier, der nach „Fast & Furious 10“ demnächst den lang erwarteten abschließenden Teil der Reihe inszenieren soll. Wann der nach aktuellem Stand erscheinen soll, lest ihr hier:
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