Ab heute neu auf Disney+: Diese deutsche Kultserie ist ein Muss für Comedy-Fans!

„Türkisch für Anfänger“ erzählt von dem chaotischen Zusammenleben einer deutsch-türkischen Patchworkfamilie. FILMSTARTS-Autorin Amelie Kraft liebt den direkten und trockenen Humor – sieht einige Dinge aus heutiger Sicht aber auch kritisch.

Ab dem 12. August 2026 heißt es auf Disney+: Willkommen bei der Familie Schneider/Öztürk! Die Geschichte um die deutsch-türkische Patchworkfamilie wurde Mitte/Ende der 2000er Jahre in der ARD ausgestrahlt und konnte bereits damals eine treue Fangemeinde gewinnen. Die zwischen 2006 und 2008 produzierten drei Staffeln von „Türkisch für Anfänger" räumten Preise ab, unter anderem den Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehpreis. Das Kultformat verhalf den damals noch unbekannten Schauspielern Josefine Preuß und Elyas M'Barek zum Durchbruch. Heute sind beide feste Größen in der deutschen Kino- und Fernsehlandschaft. Nun sind alle Staffeln von „Türkisch für Anfänger“ auf Disney+ verfügbar:

Darum geht’s: Die 16-jährige Lena Schneider (Josefine Preuß) steckt mitten in der Pubertät. Da helfen auch die Ratschläge ihrer Mutter Doris (Anna Stieblich), die Psychotherapeutin ist, nicht weiter. Ihr Leben wird jäh auf den Kopf gestellt, als diese mit ihrem neuen Partner, dem türkischen Kriminalpolizisten Metin Öztürk (Adnan Maral), und dessen zwei Kindern zusammenzieht. Mit ihren neuen Stiefgeschwistern, dem Macho Cem (Elyas M'Barek) und der strengreligiösen Yagmur (Pegah Ferydoni), kann die vorlaute Lena gar nichts anfangen. Wie sollen sie jemals eine richtige Familie werden?

Die Idee zu dieser Serie hatte der Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin („Fack ju Göhte”). Der Sohn eines Türken und einer Deutschen hat viele eigene Erfahrungen in die Serie eingebracht. 2012 erzählte Dagtekin die Geschichte mit dem Kinofilm „Türkisch für Anfänger“ noch einmal neu.

Mit Klischees wird hier bewusst gespielt

„Türkisch für Anfänger“ war eine der ersten Serien, die ich als Teenagerin verschlungen habe. Heute kann ich die Dialoge mitsprechen und schaue mir einzelne Folgen an, wenn ich mal wieder etwas zum Lachen brauche.

Was macht die Serie so lustig? Es ist eine Mischung aus trockenem Humor, Situationskomik und überzeichneten Charakteren. Da gibt es die vorlaute Lena, deren großes Vorbild Alice Schwarzer ist. Ihre Mutter Doris ist Psychotherapeutin und Vollzeit-Feministin. Mit ihren Psycho-Übungen nervt sie alle und ihre schlechten Kochkünste sind regelmäßig Zielscheibe von Gags. Ihr neuer Partner Metin ist sehr regelkonform und kann in puncto Spießigkeit mit vielen Deutschen mithalten. Dann ist da noch Cem, der den Macho raushängen lässt, und die verklemmte Yagmur. Dazu kommen zahlreiche ikonische Nebenfiguren wie Opa Hermi, der Vater von Doris. Er ist, wie er selbst sagt, kein Nazi, hätte den Krieg aber gerne gewonnen.

In „Türkisch für Anfänger“ wird kein Blatt vor den Mund genommen. Klischees werden bewusst überzeichnet und alle Figuren bekommen ihr Fett weg – nicht nur die türkischen Familienmitglieder. Inzwischen hat auch die Gen Z die Kultserie für sich entdeckt und versorgt die Sozialen Netzwerke mit Edits. Besonders Doris steht mit ihren legendären Sprüchen oft im Mittelpunkt.

„Wir haben 2006. Ich habe einen Führerschein, einen Doktortitel und ich rasiere mir im Winter nicht die Beine. Und das mache ich mir nicht kaputt, indem ich wie ein Hausmütterchen auf blutigen Knien winzige Textilpflegehinweise durchlese.“ (Doris)

Selbstbewusste Frauen und ein Macho

Da die Serie aus den frühen 2000ern stammt, fallen den Zuschauern aus heutiger Sicht natürlich auch einige Dinge negativ auf. Gerade die Beziehung zwischen Cem und Lena sehe ich heute viel kritischer. Seine Eifersucht und sein kontrollierendes Verhalten werden zwar häufig aufs Korn genommen, aber auch romantisiert. Auf der anderen Seite gibt es mit Lena und Doris zwei starke, unabhängige Frauenfiguren.

Lena zu Cem: „Du hast ‘ne Freundin? Wie viel bezahlst du ihr?“

Letztendlich ist die Serie auch ein Appell für das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen. Lena und ihre neue Stiefschwester Yagmur können sich anfangs überhaupt nicht ausstehen. Die selbstbestimmte Lena kann nicht verstehen, warum Yagmur Trost im Islam findet. Aber Lena versucht es und begleitet Yagmur zu ihrer Gebetsschule. Obwohl Lena überzeugte Atheistin ist, entsteht trotz ihrer Differenzen eine enge Freundschaft zwischen den beiden. Als Yagmur sich zum ersten Mal verliebt, ist sie hin- und hergerissen zwischen ihren Gefühlen und der Frage, wie weit sie als Muslimin gehen kann. Sie beginnt, alte Traditionen zu hinterfragen – auch wegen ihrer Freundschaft zu Lena.

„Du, Yagmur? Wofür betest du'n eigentlich?“ - „Das alles so wird wie früher und ihr auszieht.“ - „Schick 'n Gruß mit rauf, ich nehm‘ das Gleiche.“ (Lena zu Yagmur)

Ich kann „Türkisch für Anfänger” immer noch genießen – trotz seiner Makel. Die Serie zeigt ein für ihre Zeit modernes Frauenbild und stellt die Freundschaft zwischen verschiedenen Kulturen in den Mittelpunkt. Dabei feuert sie im Minutentakt lustige Gags ab und nimmt dabei jede der schrägen Figuren aufs Korn.

Als nächstes bringt das „Türkisch für Anfänger“- und „Fack ju Göhte“-Dreamteam Bora Dagtekin und Elyas M'Barek übrigens die „Das perfekte Geheimnis“-Fortsetzung „Der perfekte Urlaub“ ins Kino. Den Trailer könnt ihr euch hier anschauen:

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Amelie Kraft
Amelie Kraft
-Freie Autorin
Amelie wartet immer noch auf ihren Brief aus Hogwarts. Neben Fantasy-Geschichten beeindrucken sie die starken Frauen aus den Ghibli-Filmen.
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