24 (!) Jahre nach Kinostart endlich im Heimkino: In diesem Film nimmt sich ein kontroverser Star-Regisseur selbst aufs Korn

Obwohl hinter der Filmbusiness-Komödie „Hollywood Ending“ ein großer Name steckt, hat sie es fast ein Vierteljahrhundert gebraucht, um in Deutschland eine Heimkino-Veröffentlichung zu erlangen. Diese Woche war es so weit!

Von 1966 an inszenierte Woody Allen über vier Dutzend Kinofilme, mit denen er vier Oscars gewann und für 20 weitere Academy Awards nominiert wurde. Und jahrzehntelang war er ein Liebling des Feuilletons – im großen Stil auch hier in Deutschland, wo er ebenso für seine neurotisch-blödeligen Komödien wie für seine intellektuell-verschrobenen Dramen gefeiert wurde. Und dennoch gibt es klaffende Woody-Allen-Lücken.

So lief seine selbstironische KomödieHollywood Ending über einen Regisseur im Karriereknick, die er in einem eigenen Karriereknick inszenierte und verfasste, Ende 2002 mit kleiner Kopienzahl in den deutschen Kinos. Doch wer sie sich der eigenen Filmsammlung einverleiben wollte, musste bislang auf Import-Discs zurückgreifen. Denn erst diese Woche hat „Hollywood Ending“ seine deutsche Heimkino-Premiere gefeiert – nach bald 24 Jahren Warten!

Darum geht es in "Hollywood Ending"

Einst war Val Waxman (Woody Allen) ein gefeierter Spitzenregisseur, nun ist er nur noch ein wenig beachteter Schatten seiner selbst, der lediglich Aufträge für Fernsehwerbespots an Land zieht. Als er bei seinem jüngsten Job mit seinen Forderungen den Bogen überspannt, verliert er auch diesen Gig.

Glück im Unglück: Aus heiterem Himmel erhält Waxman dafür den Auftrag, eine exorbitante Popcornproduktion mit waschechtem Blockbuster-Potential zu drehen. Doch wie sich zeigt, hat dieses Angebot einen Haken: Es ist ein Sympathieknochen, den ihm seine Exfrau Ellie (Téa Leoni) hinwirft, die ihn für einen Studioboss verlassen hat.

Daher benötigt es das engagierte Zureden von seinem Manager Al Hack (Mark Rydell), um Vaxman davon zu überzeugen, das Projekt zu übernehmen. Unglück im Glück: Der Regisseur sagt wirklich zu, vor lauter Stress erleidet er aber eine temporäre, psychosomatische Blindheit. Wie zum Henker soll er nun diesen potentiell seine Karriere rettenden Film inszenieren?

Allen blickt auf Allen

Neben Allen, „Deep Impact“-Mimin Leoni und dem primär als Regisseur bekannten Rydell („Am goldenen See“) spielen in „Hollywood Ending“ unter anderem auch Treat Williams („Es war einmal in Amerika“), „Will & Grace“-Star Debra Messing und Tiffani Thiessen („Beverly Hills, 90210“) sowie Comedian Fred Melamed („A Serious Man“) mit. Der Dreh- und Angelpunkt des nie deutsch synchronisierten Films ist aber unbestritten Woody Allen selbst.

Der zog in Interviews oft über einige seiner beliebtesten Filme her und gab sich unterdessen als großer Befürworter von „Hollywood Ending“ zu verstehen: Dass die 16-Millionen-Dollar-Produktion nicht einmal ihre Kosten wieder eingespielt hat, kann Allen nach eigener Aussage überhaupt nicht verstehen, denn sie gehöre für ihn zu seinen lustigsten Arbeiten.

Das könnte aber auch daran liegen, dass Allen viele Späße in die Komödie eingebaut hat, die sich eng an seiner Vita orientieren, wie etwa die von Missverständnissen geprägte Zusammenarbeit zwischen Waxman und seinem aus China stammenden Kameramann. Diese Passagen stellen eine Überspitzung der Dynamik zwischen Allen und Zhao Fei dar, der unter anderem bei Allens Klassiker „Im Bann des Jade Skorpions“ die Kamera führte.

Dass es in „Hollywood Ending“ aber auch darum geht, wie Waxman sein Privatleben wieder in Griff kriegt, hat angesichts Allens Biografie mehr als bloß einen Beigeschmack von beschönigender Wunscherfüllung: Gegen Allen stehen seit Jahrzehnten Missbrauchsvorwürfe im Raum, die seit #MeToo wieder an medialer Prominenz gewonnen haben und den einstigen Feuilletonliebling zu einer zunehmend kontroversen Persönlichkeit machen.

Falls euch das nicht davon abhält, euch intensiver mit Woody Allens Vita auseinandersetzen zu wollen: Kürzlich ist eine weitere, prominent besetzte Komödie des Regisseurs ins Heimkino gelangt. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Artikel.

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Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.
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