Fabelhaft platzierte Pointen, eine atmosphärische Bildsprache und sensationelle Make-Up-Effekte machten „American Werewolf“ zu einem kurzweiligen, aufregenden und unvergesslichen Horror-Hit. Und im Horror-Genre gilt mehr noch als in anderen Genres: Wo ein Erfolg ist, muss eine Fortsetzung her. Aber die kam einfach nicht in den Gang.
Zahlreiche Storyideen wurden verworfen, auch eine von „American Werewolf“-Regisseur John Landis, der zunächst für Teil zwei zurückkehren wollte. Daher kam Teil zwei erst 1997 heraus – und das bloß als „Fortsetzung im Geiste“! Denn schon in der Skriptphase wurden zahlreiche, deutliche Bezugnahmen zum Original entfernt, vor Kinostart fielen zudem die verbliebenen Szenen, die unmissverständlich einen kanonischen Zusammenhang zwischen den Filmen herstellen sollten, der Schere zum Opfer.
Weitaus weniger als die Schere hatte letztlich der Taschenrechner in der Studio-Buchhaltung zu tun, denn „American Werewolf In Paris“ ließ die Kassen kaum klingeln: Bei einem Budget von 25 Millionen Dollar kam lediglich ein Einspiel von weltweit 26,6 Millionen Dollar zusammen – nach Abzug der Kosten und des Anteils an den Einnahmen, den die Kinos einbehalten, ein klares Verlustgeschäft.
Zum Vergleich: Für einen Kostenpunkt von weniger als sechs Millionen Dollar heulte sich das Original noch 62 Millionen Dollar zusammen. Falls ihr euch davon überzeugen wollt, ob das Sequel diesen wirtschaftlichen Absturz verdient hat: Heute, am 23. August 2026, zeigt Tele 5 „American Werewolf In Paris“ ab 22.50 Uhr. Darüber hinaus findet ihr die Horrorkomödie auf vielen Plattformen als VOD, unter anderem bei Amazon Prime Video.
Falls ihr Midnight Factory* oder superfresh* als Prime Video Channel bei Amazon abonniert habt, könnt ihr „American Werewolf in Paris“ sogar ohne Zusatzkosten abrufen.
Darum geht es in "American Werewolf In Paris"
Die abenteuerlustigen US-Touristen Andy (Tom Everett Scott), Brad (Vince Vieluf) und Chris (Phil Buckman) freuen sich auf ihren Abstecher nach Paris, die Stadt der Liebe und der Triebe: Sie hoffen, mächtigen Thrill zu erleben (etwa mit einem illegalen Bungeesprung vom Eiffelturm), und sich in die Arme leicht zu erobernder, lasziver Frauen zu stürzen.
Doch als sie die geheimnisvolle Serafine (Julie Delpy) vor dem Suizid retten, setzen sie eine sonderbare Kette an Ereignissen in Gang, in deren Folge sie es mit einem Rudel hungriger Werwölfe zu tun bekommen. Da sich die Polizei als nutzlos herausstellt, müssen die Amis wohl auf eigene Faust den Ursprung dieser gefährlichen Ereignisse in Erfahrung bringen, um wieder sicher leben zu können...
Mitverfasst von zwei "Bond"-Autoren
Im Abspann werden zwar einzig Tim Burns („Mein Babysitter ist ein Vampir – Der Film“), Tom Stern („Rettet Bikini Bottom: Der Sandy Cheeks Film“) und der zudem als Regisseur tätige Anthony Waller als Autoren genannt. Doch „American Werewolf In Paris“ ging durch viele weitere Hände: Wie Burns und Stern enthüllten, wurde die von ihnen eingereichte Drehbuchfassung anschließend von zwölf Personen überarbeitet, darunter vom Autoren-Duo Neal Purvis & Robert Wade, das sich durch seine Arbeit an sämtlichen „James Bond“-Filmen von „Die Welt ist nicht genug“ bis einschließlich „Keine Zeit zu sterben“ einen Namen gemacht haben.
Purvis und Wade etwa machten aus den Hauptfiguren Adrenalinjunkies und ersonnen die Bungee-Sequenz am Eiffelturm – ob die zahlreichen Kreativstimmen dem Film geholfen haben, darf allerdings bezweifelt werden: Wo Landis' „American Werewolf“ mit versierter Hand spritzigen und bösen Humor sowie stimmungsvollen Grusel und harsche Horror-Effekte vereint, ist „American Werewolf In Paris“ ein orientierungsloses Flickenwerk.
Neben unabgeschlossenen Handlungsfäden, einer unklaren Mythologie und sprunghaften Charakterisierungen gibt es eine schwammige Haltung gegenüber den Hauptfiguren zu bemängeln: Sind sie abartige, Frauen belästigende und leichtsinnige Charakterschweine, deren Leid wir begierig erwarten sollen, oder faszinierende Adrenalinjunkies und der Menschheit letzte Hoffnung? „American Werewolf In Paris“ ist dahingehend so widersprüchlich, dass der Horror nicht schockt, die Suspense nicht fesselt und der Humor meist nervt.
Abgerundet wird all dies durch grausige Computereffekte und fragwürdige gestaltete Werwölfe, die teils mehr mit halb geschmolzenen, braunen Buntstiften zu tun haben, die auf dem Boden eines Friseursalons herum gerollt wurden, als mit beängstigenden Ungetümen. Einen beliebteren Horrorfilm mit überzeugenden, wandelnden Schrecken stellen wir euch wiederum im folgenden Heimkino-Tipp vor:
Diese Stephen-King-Verfilmung schockiert bis heute mit einer zutiefst verstörenden Szene – jetzt erscheint sie erstmals in 4K*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.