Kinder der 1990er erinnern sich gewiss (und vielleicht auch ihre Eltern): Während seiner Video-Erstauswertung sorgte der erfolgreiche und preisgekrönte Disney-Zeichentrickfilm „Arielle, die Meerjungfrau“ für Kontroversen und massig Gerüchte. Genauer gesagt war es das Promomaterial zum romantisch-humorvollen Animationsmusical. Denn auf Werbepostern sowie auf dem Cover der VHS-Erstauflage sah das Schloss des Unterwasserreichs Atlantica nicht so aus wie im Film.
In den frühen 1990ern waren es aber keine von Kontinuität besessenen Superfans, die empört Wirbel machten, sondern besorgte Eltern: Einer der Türme des Schlosses erinnerte Millionen von Menschen frappierend an einen Phallus – und das brachte so manchen Teenager unkontrolliert zum Kichern, während zahlreiche Eltern empört zur Schnappatmung tendierten.
Disney
Dieses Aufeinandertreffen von menschlicher Intimbereich-Anatomie und familienfreundlicher Unterhaltung machte Schlagzeilen und brachte, insbesondere in den puritanischen USA, konservative Vereinigungen dazu, gegen Disney Stimmung zu machen. Das wiederum brachte die Gerüchteküche zum Brodeln: Alsbald machte die Behauptung die Runde, ein wütender Disney-Mitarbeiter habe den Penis-Turm in das Bild gezeichnet, um sich für seine Kündigung zu rächen.
Doch dies ist eine haltlose Behauptung. Es war kein Disney-Mitarbeiter, der diesen Turm zeichnete – und zumindest nach eigener Aussage war der freischaffende Illustrator weder wütend, noch erlaubte er sich einen bösen Scherz. Er schwört, dass alles bloß ein Müdigkeit und Hektik geschuldetes Versehen war.
Das versehentlich-pikante „Arielle, die Meerjungfrau“-Plakatmotiv und -Videocover wurde vom Illustrator Bill Morrison entworfen, der zuvor unter anderem Plakate für den Horror-Hit „House“ und eine Wiederaufführung des animierten Disney-Meilensteins „Cinderella“ stemmte. Wie Morrison 2025 auf dem Webportal 13th Dimension enthüllte, zeichnete er zuvor schon eines der Kinoposter zum Film. Auf dem sieht einer der Türme auch schon sehr phallisch aus – doch als er für die Video-Werbematerialien innerhalb eines hektischen Wochenendes seine eigene Arbeit überarbeitete, verlor er die Zeit aus dem Blick.
Das hatte schwere Folgen: Während er viel Zeit in die Figuren steckte, wurde er beim Schloss ein wenig schluderig – und so verlor einer der Türme ein paar wichtige Details und erhielt letztlich seinen viel debattierten Penislook. Das fiel aber weder während Disneys Überprüfungsprozess jemandem auf, noch sorgte es direkt nach Verkaufsstart für Stunk. Erst, als sich eine wütende Mutter in dem Supermarkt beschwerte, in dem sie den Disney-Hit erworben hat, weckte das Schloss Medieninteresse. Ab dann geriet alles außer Kontrolle und eine urbane Legende war geboren.
Mittlerweile gehen Produkte mit dem unglücklichen Artwork auf Plattformen wie eBay regelmäßig zu horrenden Preisen weg. Den Disney-Klassiker „Arielle, die Meerjungfrau“ mit einem weniger pikant gestalteten Schloss findet ihr wiederum ganz bequem bei Disney+ im Abo:
Und falls ihr euch dafür interessiert, was alles im bunten, mit Ohrwürmern bespickten Zeichentrickfilm steckt, das nicht allen Filmfans auf Anhieb einfällt: In unserem folgenden Artikel schlüsseln wir den Disney-Meilenstein für euch auf und erläutern, weshalb er in der LGBTQ+-Community so einen hohen Stellenwert genießt!
Im Klassiker steckt mehr als ihr denkt: Darum ist "Arielle, die Meerjungfrau" ein so ikonischer Film der LGBTQ+-Bewegung*Bei diesem Link zu Disney+ handelt es sich um einen Affiliate-Link. Mit dem Abschluss eines Abos über diesen Link unterstützt ihr FILMSTARTS. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.