Obwohl er preisgekrönt ist: Einer der besten Filme des Jahres ist immer noch viel zu unbekannt – holt ihn jetzt im Heimkino nach!

Es ist eine verflixt unterhaltsame und verdammt rührende, wahre Geschichte: „Verflucht normal“ erzählt vom Umgang mit und Aufklärung über Tourette. Nun gibt es die ausgezeichnete Dramödie auf DVD und Blu-ray.

Eine aus dem Leben gegriffene Geschichte ohne Spektakel, die sich allein auf starkes Schauspiel und eine außergewöhnliche, aber lebensnahe Gefühlsachterbahn verlässt: „Verflucht normal“ ist die Art Film, die in einer früheren Kinoepoche ordentlich an den Kinokassen abgeräumt und kräftig bei den Oscars mitgemischt hätte.

Im heutigen Kinoklima ist diese biografische Dramödie hingegen ein Underdog – aber einer, dem dennoch Triumphe vergönnt waren. So schnappte der recht unbekannte Robert Aramayo dieses Frühjahr bei den BAFTAs namhafter Konkurrenz wie Michael B. Jordan, Timothée Chalamet und Leonardo DiCaprio die Trophäe für den besten Hauptdarsteller weg!

Und, wenn man es so sehen will: Der Status eines sympathischen, ein paar prägnante Erfolge feiernden Underdogs passt perfekt zum Schotten John Davidson, dessen bewegtes Leben dieser Film bewegend verdichtet. Überzeugt euch selbst, denn „Verflucht normal“ ist jetzt, wenige Monate nach deutschem Kinostart, im hiesigen Heimkino auf DVD und Blu-ray erhältlich!

DVD und Blu-ray kommen leider ohne Bonusmaterial aus. Falls ihr daher auf das haptische Element verzichten könnt oder euch sowieso mit VOD begnügen möchtet: „Verflucht normal“ ist auf diversen Plattformen verfügbar, darunter Prime Video*.

Darum geht es in "Verflucht normal"

Schottland, 1983: Der zwölfjährige John Davidson (Scott Ellis Watson) ist in der Schule recht beliebt und macht sich Hoffnungen auf eine Karriere als Torwart, mit der er es aus seiner beschaulichen Kleinstadt schaffen könnte. Dann aber zeigen sich immer häufiger motorische Tics, auch verbal verliert er immer öfter die Kontrolle. Das vermasselt ihm den Traum vom Profi-Fußball, bringt ihm Stress in der Schule ein und es kommt zu Unstimmigkeiten im Elternhaus.

Jahre später erhält er die Diagnose: John hat das Tourette-Syndrom. Und weil sein Umfeld nicht damit umzugehen weiß, bekommt er starke Medikamente verabreicht. Er lebt auch als Erwachsener (nun: Robert Aramayo) bei seiner überforderten Mutter (Shirley Henderson), hat aber in der Krankenschwester Dottie (Maxine Peake) eine Mentorin: Sie lehrt ihm Selbstrespekt und einen offenen Umgang mit seinem Syndrom. Dottie vermittelt ihm sogar eine Stelle als Assistent des Hausmeisters Tommy (Peter Mullan) im örtlichen Gemeindezentrum. Endlich knüpft er Freundschaften auf Augenhöhe – und bahnt sich langsam einen beruflichen Weg, der ihm eine Begegnung mit der Queen einbringen wird...

Glück, Kummer und starkes Schauspiel

„Verflucht normal“ ist nicht der erste Film, der John Davidson gewidmet ist: 1989 stand er im Mittelpunkt der BBC-Dokumentation „John's Not Mad“, 2002 und 2009 folgten weitere Dokus über seinen langen, verworrenen Pfad hin zu Selbstakzeptanz und einer Position, in der er effektiv über Tourette aufklären kann. Und in dieser Position erwies er sich als Person mit wichtiger Strahlkraft, die bei Nicht-Betroffenen Vorurteile abbaut und anderen Menschen mit Tourette aufzeigt, dass sie weder allein sind noch sich ihrer schämen müssen.

Das 2025 welturaufgeführte Biopic von Regisseur/Autor Kirk Jones („Lang lebe Ned Devine!“) schlängelt sich aus dramaturgischen Gründen an Davidsons TV-Präsenz vorbei und gestattet sich bei der Nachahmung komischer, bittersüßer und harscher Ereignisse, die in den BBC-Dokus festgehalten wurden, künstlerische Freiheit hinsichtlich ihrer Chronologie. Als faktisch standfesten Ersatz für diese TV-Produktionen sollte man „Verflucht normal“ also nicht betrachten.

Stattdessen macht es sich der Spielfilm zur Aufgabe, die emotionale Reise Davidsons aufzufächern – und selbst wenn sich das Skript den Vorwurf gefallen lassen muss, Freud und Leid in einem recht standardisierten Rhythmus abzuarbeiten: Auf emotionaler Ebene ist diese Dramödie ein voller Erfolg!

Das liegt sowohl an den mühelos wirkenden Dialogen, die auf authentisch anmutende Weise je nach Situation inspirieren, verletzen oder amüsieren, als auch am sensationellen Spiel Aramayos: Wie er in seiner Rolle in Sekundenschnelle aus peinlichen Augenblicken kleine Glücksmomente formt, Komik in Missgeschicken herausstellt und Davidsons Engagement mit bescheiden-bodenständiger Attitüde nachwirken lässt, ist extrem sehenswert. In wenigen Filmen dieses Kinojahres folgen so schnell und glaubhaft Lachtränen auf Tränen der Rührung!

Und wenn ihr einen Hit aus den 1990er-Jahren sehen möchtet, der insbesondere die Lachmuskeln kitzelt, aber hier und da auch leisere Töne anstimmt: Folgt einfach unserem nächsten Heimkino-Tipp!

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Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.
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