Ohne Frage gehört „Star Wars: Detours“ zu den kuriosesten Kapiteln der Sternensaga. George Lucas entwickelte die Animationsserie gemeinsam mit den „Robot Chicken“-Machern Seth Green und Matthew Senreich sowie Regisseur Todd Grimes. Der „Star Wars“-Schöpfer plante direkt mal über 100 Episoden. Die zwischen „Episode III – Die Rache der Sith“ und „Episode IV – Eine neue Hoffnung“ angesiedelten Geschichten sollten sich tonal massiv von dem Franchise unterscheiden. Es war als Parodie gedacht, die statt großer Schlachten den mehr oder weniger normalen Alltag bekannter Figuren thematisieren sollte. Beteiligt war sogar der Musiker Weird Al Yankovic, der nicht nur eine Sprechrolle innehatte, sondern auch neue Songs für eine Musical-Folge schrieb.
2012 wurden erstmals Ausschnitte auf der Star Wars Celebration gezeigt und eine baldige Veröffentlichung in Aussicht gestellt. Doch dann änderte sich die Welt von Lucasfilm bekanntlich massiv. Disney übernahm das Unternehmen und damit auch „Star Wars“. So fiel dem Maushaus auch „Star Wars: Detours“ in den Schoß und dort war man ziemlich ratlos, was man damit anfangen sollte.
Darum verschwand "Star Wars: Detours" für 13 Jahre
Obwohl laut Serienmacher Seth Green zu diesem Zeitpunkt bereits 39 Folgen komplett fertig und ausstrahlungsbereit waren, kündigte Lucasfilm im März 2013 an, die Veröffentlichung erst einmal auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Die weitere Animationsarbeit von laut Green noch 62 weiteren, bereits geschriebenen Drehbüchern war da schon längst eingestellt. Der Hintergrund war logisch: Man wollte die Disney-Ära bei „Star Wars“ nicht ausgerechnet mit einer Comedyserie eröffnen, die sich über das Franchise lustig macht.
Lucasfilm
Aus der Verschiebung auf unbestimmte Zeit wurde schnell ein ungewisses Schicksal, zu dem es kaum offizielle Informationen gab. Es entwickelte sich sogar ein kleiner Mythos um die Serie. 2020 sorgte es für riesige Schlagzeilen, als plötzlich eine sechs Minuten lange Episode, die auch als Parodie auf den Al-Pacino-Klassiker „Dog Day Afternoon“ funktionierte, im Internet landete. Sie wurde aber nach kurzer Zeit wieder entfernt.
Sechs Folgen der verschollenen "Star Wars"-Serie werden jetzt gezeigt
Noch 2021 zeigte sich Seth Green pessimistisch, dass die Serie jemals erscheinen würde, nachdem viele Fans gehofft hatten, sie könnte irgendwann bei Disney+ landen. Doch 2025 gab es plötzlich ein Lebenszeichen. Auf der Star Wars Celebration in Japan wurde einem wunderschönen Sammelposter, das der Autor dieser Zeilen auch an seinem Arbeitsplatz hängen hat, die lange Animationsgeschichte von Lucasfilm gefeiert. Auf dem Bild tummeln sich dutzende animierte Figuren aus den unterschiedlichen Projekten. Ganz klein ist dabei auch ein Sturmtruppler zu sehen, der im visuellen Stil von „Star Wars: Detours“ animiert ist und damit auf diese Serie verweist. Es war das erste Mal nach über einer Dekade, dass die Existenz der Serie überhaupt von offizieller Seite adressiert wurde.
Und im Juli 2026 hatte dann Serienschöpfer Seth Green auf der Comic-Con die überraschende Nachricht im Gepäck. Es sei der Plan, im neuen Museum von George Lucas eine kuratierte Auswahl an Episoden öffentlich zugänglich zu machen. Und genau dazu kommt es jetzt. Im neuen Lucas Museum Of Narrative Art in Los Angeles werden sechs Folgen von „Star Wars: Detours“ gezeigt, die aus jeweils drei Geschichten bestehen. Das Museum öffnet regulär zwar erst am 22. September 2026 seine Türen, doch erste Besucher*innen konnten die lange verschollene Serie bereits während Preview-Veranstaltungen sehen.
Damit gibt es erstmals eine offizielle Möglichkeit, tatsächlich mehrere komplette Folgen der Serie zu sehen. Möglich ist dies wohl, weil Disney zugunsten von Lucas auf die Episoden verzichtet hat.
Absurde Geschichten: Das ist "Star Wars: Detours"
Ein X-User, der wohl die Episoden 1 und 6 sehen konnte, verwies darauf, dass die Serie ihn ein wenig an die „Star Wars LEGO“-Produktionen erinnert, die es aktuell auf Disney+ gibt. Auch der Vergleich mit „Robot Chicken“ fällt natürlich, schließlich hat Lucas sich nicht umsonst die Macher des Kult-Hits für seine ungewöhnliche Serie an Bord geholt. Einen Eindruck, wie das ausschaut, gibt diese Vorschau aus dem Jahr 2012:
Die Geschichten, die man jetzt im Lucas Museum sehen kann, handeln wohl unter anderem davon, dass der im Bau befindliche Todesstern als Einkaufszentrum getarnt wird, während Prinzessin Leia hier noch eine verwöhnte Teenagerin ist und sich Darth Vader auf der Suche nach der großen Liebe im Online-Dating probiert.
Zu hören sind dabei zahlreiche bekannte „Star Wars“-Stimmen. Anthony Daniels sprach erneut C-3PO, Billy Dee Williams Lando Calrissian und Ahmed Best Jar Jar Binks. Zum prominenten weiteren Voice-Cast gehörten unter anderem Seth MacFarlane, „The Guild“-Macherin Felicia Day, Zachary Levi („Shazam“), „Scrubs“-Star Donald Faison und Joel McHale aus „Community“. Sogar George Lucas selbst hat einen kleinen Auftritt.
Noch ist nicht bekannt, ob im Lucas Museum wirklich nur die ersten sechs Episoden laufen werden oder ob es nach und nach geplant ist, weitere Folgen und irgendwann vielleicht alle 39 fertigen Episoden zu veröffentlichen. Ob „Star Wars: Detours“ für immer exklusiv im Lucas Museum bleiben oder es in Zukunft noch eine anderweitige Veröffentlichung geben wird, ist bislang nicht abzusehen.
Falls ihr noch mehr aus „Star Wars: Detours“ sehen wollt, haben wir folgenden Ausschnitt für euch: