Makellose Wertung von 100 Prozent: Thriller-Geheimtipp ab heute erstmals im Streaming-Abo
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100 Prozent positive Kritiken bei Rotten Tomatoes – das klingt nach einem absoluten Meisterwerk. Ganz so hoch solltet ihr eure Erwartungen bei dem Thriller-Geheimtipp, den wir euch heute vorstellen, aber nicht schrauben. Sehenswert ist er trotzdem.

Von Björn Becher

Wer Lust auf eine kleine, schnörkellose Genre-Kost hat, bekommt ab dem heutigen 18. September 2026 bei HBO Max einen interessanten Titel im Streaming-Abo geboten: „Wardriver“. Nachdem der Film in Deutschland nicht in die Kinos kam, sondern im Frühjahr als VoD zum Kauf und zur Leihe veröffentlicht wurde, gibt es das Verwirrspiel mit „Valerian“-Star Dane DeHaan und „The Flash“-Darstellerin Sasha Calle jetzt erstmals in einem Flatrate-Angebot.

Dabei lohnt sich durchaus ein Blick – und das nicht, weil „Wardriver“ mit einer Zahl auf sich aufmerksam macht, von der selbst zahlreiche gefeierte Meisterwerke nur träumen könnten. Die makellosen 100 Prozent positiven Kritiken bei Rotten Tomatoes klingen deutlich spektakulärer, als es die tatsächlichen Rezensionen sind. Doch trotzdem ist der knackig erzählte Film von Regisseurin Rebecca Thomas, der bislang an vielen von euch komplett vorbeigegangen sein dürfte, solide und so sehenswert.

Darum geht's in "Wardriver"

Der begabte Hacker Cole (Dane DeHaan) nennt sich selbst Wardriver, weil er mit seinem Auto durch die Stadt fährt und dabei nach ungesicherten Netzwerken sucht, um deren Schwachstellen für digitale Beutezüge auszunutzen. Als Verbrecher sieht er sich selbst nicht. Er nimmt schließlich keine armen Schlucker ins Visier, sondern nur Firmen, die gegen diese Verluste ohnehin versichert sind.

Doch nach seinem jüngsten Coup wird der Ex-MMA-Kämpfer Oscar (Mamoudou Athie) auf ihn aufmerksam, macht Cole ausfindig und zwingt ihn, für ihn ein großes Ding durchzuziehen. Oscar arbeitet als Türsteher in einem Edel-Restaurant, in das jede Woche der schwerreiche Bilson (Jeffrey Donovan) seine Geliebte Sarah (Sasha Calle) ausführt.

Dabei hat der Kleinkriminelle mitbekommen, dass der in illegale Geschäfte verstrickte Bilson eine Menge Geld auf Sarahs Konten versteckt hat, das man sich unter den Nagel reißen kann. Der Coup klappt, doch Cole bekommt Schuldgefühle, als er mitbekommt, dass Bilson Sarah für den Verlust des Geldes zur Verantwortung zieht und bedroht. Er will der jungen Frau, in die er sich verliebt hat, helfen, und landet so mitten in einem Katz-und-Maus-Spiel, in dem niemand wirklich dem anderen trauen kann...

100 Prozent bei Rotten Tomatoes – aber ist "Wardriver" wirklich so gut?

Dass ein Film die seltene Maximalwertung bei Rotten Tomatoes bekommen hat, hört sich zwar verdammt gut an, muss aber eingeschränkt werden. Zum einen hat „Wardriver“ nur etwas mehr als ein Dutzend Rezensionen, vor allem bedeutet der Wert aber nicht, dass hier reihenweise Höchstwertungen gezückt wurden. Das Tomatometer gibt lediglich an, wie viel Prozent der erfassten Kritiken grundsätzlich positiv ausfallen. Sind sämtliche berücksichtigten Besprechungen zumindest positiv genug, können am Ende also 100 Prozent stehen, selbst wenn viele Kritiker*innen den Film lediglich solide finden.

„Wardriver“ ist dafür geradezu ein Paradebeispiel. Der britische Guardian vergab beispielsweise lediglich 3 von 5 Sternen, ebenso die Epoch Times und Movieweb.com. Trotzdem fließen auch solche leicht überdurchschnittlichen Urteile bei Rotten Tomatoes als positiv ein und tragen damit zu den vermeintlich makellosen 100 Prozent bei.

Solider Thriller statt Meisterwerk

Die genannten Wertungen decken sich auch ziemlich genau mit meinem Eindruck. Auch von mir bekommt „Wardriver“ solide 3 von 5 Sternen. Wer angesichts der 100 Prozent einen der großen Thriller des Jahres erwartet, dürfte entsprechend enttäuscht werden. Wer dagegen einfach Lust auf einen sympathisch altmodischen Crime-Thriller hat, kann durchaus seinen Spaß haben. Vor allem Dane DeHaan passt hervorragend in die Rolle des Hackers, der immer tiefer in eine Situation hineingerät, die er längst nicht mehr kontrollieren kann. „Wardriver“ hat dabei einen angenehmen Neo-Noir-Einschlag und hält das Tempo hoch, ohne seine überschaubare Geschichte unnötig aufzublähen.

Ganz so clever wie der Film gern wäre, ist er allerdings nicht. Rebecca Thomas und Drehbuchautor Daniel Casey packen ziemlich viele Wendungen und doppelte Böden in ihre Geschichte, wobei sich etliche davon deutlich früher erahnen lassen, als es dem Thriller gut tut. Das schmälert gelegentlich die Spannung und verhindert gemeinsam mit eher oberflächlich bleibenden Figuren, dass „Wardriver“ wirklich aus der Masse herausragt. Ein Meisterwerk verbirgt sich hinter den 100 Prozent also nicht, ein ordentlicher und mit rund 90 Minuten Laufzeit auch sehr kurzweiliger Genre-Geheimtipp aber schon.

Zudem haben wir zum Abschluss dieses Artikel auch noch den Trailer in der englischen Originalfassung:

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Björn Becher
Björn Becher
-Mitglied der Chefredaktion
Fan von Hochspannungskino, Thriller dabei lieber als Horror und eine besonders große Liebe für Klassiker von Hitchcock und das Kino der 70er & 80er - vor allem aus Europa.
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