New York, New York: Kaum eine Stadt wurde so viel gefilmt, ikonisiert und romantisiert. If you can make it there, you can make it anywhere – und das gilt für die Liebe ebenso wie für alles andere. „Frühstück bei Tiffany“ oder „Harry and Sally“ sind nur als zwei der zahlreihen Liebesfilme zu nennen, in denen sich zwei Menschen im Big Apple finden – New York, die Stadt der Liebe zwischen Hochhäusern und Central Park, vielleicht sogar mehr noch als Paris.
Auch James Gray ist ein Chronist New Yorks: Mit „Little Odessa“, „The Yards“ und „Helden der Nacht“ schuf er düstere Kriminaldramen in den Straßen New Yorks, die eine weitaus weniger romantische Seite der Stadt zeigen. 2008 wiederum drehte er mit „Two Lovers“ eine bemerkenswerte Romanze, die eigentlich gar keine ist – und genau deswegen sehenswert ist. Erst recht, weil der Film hierzulande nie im Kino lief, sondern 2010 direkt auf DVD erschien. Heute Abend läuft „Two Lovers“ um 20.15 Uhr auf Arte. Im Rahmen eines Amazon Prime-Abos könnt ihr ihn ebenfalls streamen:
Joaquin Phoenix zwischen zwei Frauen – und zwei Leben
Leonard (Joaquin Phoenix) ist Mitte 30 und psychisch labil. Nach der Trennung von seiner Verlobten und einem Suizidversuch lebt er wieder bei seinen Eltern Reuben (Moni Moshonov) und Ruth (Isabella Rossellini) in Brighton Beach und hilft in deren Wäscherei aus. Seine Eltern wollen ihm wieder auf die Füße helfen und ihn mit Sandra (Vinessa Shaw) verkuppeln – eine Liaison, die nicht zuletzt auch dem Familienbetrieb zuträglich wäre.
Leonard mag Sandra, so richtig Feuer und Flamme ist er aber nicht. Das ändert sich, als er seine Nachbarin Michelle (Gwyneth Paltrow) kennenlernt, zu der er sich schnell hingezogen fühlt. Michelle selbst wiederum führt seit Jahren eine Affäre mit dem reichen Anwalt Ronald (Elias Koteas).
Leonard sieht sich nicht nur zwischen zwei Frauen hin- und hergerissen, die gegensätzlicher nicht sein könnten, sondern auch zwischen zwei Leben, die er vor sich sieht. Sandra steht für Familie, Sicherheit, Ruhe, Brooklyn. Michelle, in deren Fenster er über den Hof hinweg lugen kann, eröffnet ihm den Blick in eine andere Welt: das schimmernde Manhattan mit Discos, Restaurants, Oper – eine Freiheit, die für den schüchternen Leonard nur allzu verheißungsvoll ist.
Die Geschichte, die als klassisches Liebesdreieck beginnt, verweigert sich in der Folge konsequent den üblichen Genrekonventionen. Es gibt keine richtige Wahl, keine Traumfrau in „Two Lovers“ – und auch keine wirklich sympathischen Figuren. Alle sind auf ihre Weise manipulativ, egoistisch und verloren – und genau hierin liegt auch die Stärke des Films. Es gibt nicht „die Eine“ für Leonard und es gibt auch nicht die eine richtige Entscheidung. „Two Lovers“ zeigt die Liebe als Sehnsucht und Projektion, als Versprechen eines anderen Lebens.
Es sind doppelte Böden, die sich durch den gesamten Film ziehen, und durch einen solchen stößt James Gray am Ende auch sein Publikum: So endet „Two Lovers“ zwar mit einer Umarmung, aber nicht mit einem Happy, sondern mit einem Bitter End.
In welchem Film Joaquin Phoenix eine seiner besten Rollen spielte, könnt ihr hier nachlesen:
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