TV-Tipp: Diesen düsteren Western-Geheimtipp müssen Fans des Genres gesehen haben!
von Pascal Reis
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Nicht nur Italo-Western können eine verdammt nihilistische Angelegenheit sein. Das beweist der 1971 erschienene „Leise weht der Wind des Todes“. Ein düsterer Geheimtipp, den sich Genre-Fans nicht entgehen lassen sollten.

Es stimmt zwar nicht ganz, denn auch der US-Western sollte sich über die Jahre hinweg zunehmend verdüstern und mit seinem eigenen Mythos abrechnen. Doch wenn wir an hartes, gnadenloses und bisweilen nihilistisches Western-Kino denken, kommen uns zunächst die Beiträge aus Italien in den Sinn – etwa „Django“, „Töte alle und kehr allein zurück“ oder der absolute, fast schon lebensverneinende Meilenstein „Leichen pflastern seinen Weg“.

Ihr liebt das Western-Kino vor allem dann, wenn es die Legendenbeschwörung verweigert und seinem Publikum mit düsterer Unnachgiebigkeit entgegenschlägt? Dann läuft heute, am 4. Oktober um 22.15 Uhr auf Tele 5 mit „Leise weht der Wind des Todes“ ein Film im Free-TV, den ihr euch nicht entgehen lassen solltet. Einschalten lohnt sich gleich aus zwei Gründen: nicht nur, weil der Western richtig gut ist, sondern auch, weil er derzeit nirgendwo im Streaming verfügbar ist.

Darum geht's in "Leise weht der Wind des Todes"

Der Bandit Frank Calder (Oliver Reed) entführt gemeinsam mit seiner Bande Melissa Ruger (Candice Bergen), die Frau des reichen Viehbarons Brandt Ruger (Gene Hackman). Calder nimmt Melissa mit, weil er von ihr das Lesen lernen möchte. Melissa ist mit ihrem Ehemann, der sie schlecht behandelt und seine Macht rücksichtslos ausübt, unglücklich. Während der gemeinsamen Zeit entwickelt sich zwischen ihr und Calder eine enge Beziehung. Melissa beginnt, sich von ihrem bisherigen Leben zu lösen, und empfindet zunehmend Zuneigung für ihren Entführer.

Als Brandt Ruger von der Entführung erfährt, sieht er darin vor allem eine persönliche Demütigung und beschließt, seine Frau und die Entführer aufzuspüren. Mit einer bewaffneten Gruppe nimmt er die Verfolgung auf. Während Calder und seine Männer versuchen, Ruger zu entkommen, rückt die Gruppe des Ranchers ihrem Versteck immer näher. Eine gewaltsame Auseinandersetzung wird unausweichlich …

Harter Tobak!

Regisseur Don Medford legt bereits in den ersten Minuten die Weichen für die tonale Ausrichtung von „Leise weht der Wind des Todes“: In einer Parallelmontage wird gezeigt, wie einem Rind die Kehle durchtrennt wird, während sich Brandt an seiner Frau Melissa vergeht. Überall, wohin man in diesem Film blickt, scheinen Tod und Verderben zu lauern. Das Grauen wird dabei jedoch nicht exploitativ ausgeschlachtet, sondern dient dazu, eine abgründige Welt zu zeichnen, in der Gewalt längst zum Kommunikationsmittel geworden ist.

Helden sucht man in „Leise weht der Wind des Todes“ vergeblich. Stattdessen wird schnell deutlich, dass wohlhabende Geschäftsmänner, Landbesitzer und Outlaws allesamt auf ihre Weise Verbrecher sind. Der moralische Verfall mag bei dem einen oder anderen lediglich weniger weit fortgeschritten sein. Zu ihnen gehört Frank Calder, der sich trotz seiner eigenen Schuld – nicht zuletzt durch die Entführung Melissas – noch einen Rest Anstand bewahrt hat.

Spannend, weil ungemein ambivalent, ist schließlich auch die Beziehung zwischen Frank und Melissa. Ihre Verbindung ist weniger ein klischeehaftes Romantisieren des Stockholm-Syndroms als vielmehr ein flüchtiger Hoffnungsschimmer in einer Welt, in der jede Wärme verloren scheint. Die zuweilen aufkeimende Zärtlichkeit, mit der Frank und Melissa einander begegnen, lässt zugleich die dramatische Fallhöhe steigen. Denn Zuversicht gibt es letztlich keine, nur seelische Austrocknung – so karg wie die endlosen Kakteenfelder.

Auf der Suche nach einem weiteren Streaming-Highlight? Dann haben wir den richtigen Tipp für euch auf Lager:

Heute Abend streamen: Ein ungewöhnliches Western-Highlight mit Top-Besetzung

Pascal Reis
Pascal Reis
-Redakteur
Für Pascal zählt der Western zu den spannendsten Genres überhaupt, deswegen hat er auch schon mehr als 200 davon gesehen. Sein ewiger Liebling: "Leichen pflastern seinen Weg".
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