Hinter diesem Film steckt eine absurde, filmreife Geschichte: 2022 wurde in New Mexico „Coyote vs. ACME“ gedreht. Die Realfilm und Animation verquickende Komödie spinnt aus zeitlos-komischen Slapstick-Cartoons eine Justizfilm-Farce, die das Genre ins Absurde verdreht, die Feindseligkeit von Megakonzernen ihrer Kundschaft gegenüber anprangert und sich passioniert dafür ausspricht, Wagnisse einzugehen. Denn zu scheitern ist noch immer ein größerer Triumph, als passiv geblieben zu sein!
Diese David-gegen-Goliath-Geschichte, die zugleich einen neuen Blickwinkel auf den Sisyphos-Mythos findet, war ein kleines Herzensprojekt innerhalb des Warner-Konzerns – und im November 2023 hieß es, dass der Film niemals veröffentlicht wird. Zugunsten einer Steuerabschreibung sollte er im Giftschrank landen.
Das sorgte für Aufruhr in der Filmbranche – zumal Hollywood-Köpfe wie das Duo Phil Lord & Chris Miller („Der Astronaut – Project Hail Mary“) und „Everything Everywhere All At Once“-Regisseur Daniel Scheinert ihn bereits gesehen hatten und für toll befanden. Allerlei Proteste später wechselte Warner den Kurs und veräußerte die Vertriebsrechte an kleinere Labels.
Aktuell könnt ihr den einst verloren geglaubten Film noch in vereinzelten Kinos schauen – und am 7. Januar 2027 erscheint „Coyote vs. ACME“ auf DVD, Blu-ray und als 4K-Mediabook. Vorbestellungen sind bereits möglich!
Parallel dazu erscheint die Mischfilmkomödie als 4K-Steelbook*, des Weiteren lässt sie sich bei Amazon Prime Video* als VOD ordern. Gut zu wissen: Das für den Deutschlandstart des Films verantwortliche Label Capelight hat einen eigenen Shop, wo ihr ebenfalls die Blu-ray*, das 4K-Mediabook* und das 4K-Steelbook* bestellen könnt, ebenso wie ein rabattiertes Bundle der 4K-Veröffentlichungen*.
Darum geht es in "Coyote vs. ACME"
Nach Jahren der erfolglosen Hatz auf den Road Runner hat Willi Kojote die Faxen dicke: Er will die ACME Corporation verklagen, weil all ihre Produkte Fehlgriffe darstellen, die ihm bloß Schaden zugefügt haben, statt einen saftigen Geflügelschmaus zu ermöglichen. Für dieses Verfahren heuert der schweigsame Kojote den glück-, mittel- und motivationslosen Anwalt Kevin Avery (Will Forte) an.
Der will den Fall schnell für eine mickrige Summe als außergerichtlichen Vergleich abwickeln. Doch das Engagement seiner Nichte und Praktikantin Paige (Lana Condor) sowie die Aussicht, dem selbstgefälligen ACME-Anwalt Buddy Crane (John Cena) eins auszuwischen, zeigen Wirkung: Kevin verbeißt sich in die Sache!
Eine Parodie inspiriert eine Satire...
Zeichentrick-Ass Chuck Jones ersann den flinken Vogel und den hageren Kojoten 1949, um mit ihnen Verfolgungsjagd-Cartoons der Marke „Tom & Jerry“ auf's Korn zu nehmen. Dieser parodistische Ansatz saust und braust seither zwar an einem Großteil des Publikums vorbei, für Lacher und Begeisterung sorgen die Kurzfilme mit Federvieh und Fressfeind allerdings verlässlich.
Die Liebe zu diesen Cartoons ist so groß, dass Schriftsteller Ian Frazier ihnen 1990 im Magazin „The New Yorker“ ein Denkmal setzte – in Form einer satirische Kurzgeschichte, die sich ausmalt, wie der Kojote die Firma zur Rechenschaft zu ziehen versucht, die seine mangelhaften Gadgets, Werkzeuge und Gimmicks herstellt. Fraziers Story wurde im US-amerikanischen Humor- und Literaturbetrieb umjubelt, von 1998 an gab es Bemühungen, einen Film aus ihr zu spinnen.
Doch erst 2015 kam der Stein ins Rollen, als James Gunn das Projekt an die damalige Warner-Spitze herangetragen hat. Das Drehbuch verfasste aber „May December“-Autorin Samy Burch. Und sie geht amüsante Wege, um die Kojote-Road-Runner-Jagd und die Gerichtsfilm-Prämisse nicht nur zu vermengen, sondern auch in unerwartete Richtungen zu lenken.
...die zum Mischfilmspaß mit Herz und Biss wird
Neben naheliegenden Pointen, in denen ACME stellvertretend für andere Konzerngiganten steht, die Einfluss auf ihre Darstellung in den Medien nehmen, gibt es weniger grobschlächtigeren, zielsicheren Kommentar auf die Wirtschaftswelt, in der wir leben: „Coyote vs. ACME“ rechnet mit Firmen ab, die behaupten, ihre Produkt-Weiterentwicklung sei wertvoller als die Zufriedenheit sowie das Wohlergehen ihrer Kundschaft.
Wie dies mit der Aussage verbunden wird, dass Versagen würdevoller ist als Nichtstun, ist pfiffig, anspornend und obendrein ein einfallsreicher, ja sogar rührender Kniff, um diese Story zurück zu den ständigen Fehlschlägen des Kojoten aus den Cartoons zurückzuführen. Der Kern der „Looney Tunes“- und „Merry Melodies“-Kurzfilme geht dabei nicht verloren: Der Kojote sorgt weiterhin für maßlos übertriebenen Trubel, genauso wie die illustre, umfangreiche Schar an weiteren Warner-Cartoonfiguren in kleinen, spaßigen Rollen.
Die Animation der Trickfiguren ist leider in vielen Szenen etwas steif geraten, wohl auch, weil hier etwas klobige 3D-Modelle einen Zeichentrick-Look übergestülpt bekommen – das hemmt vor allem die wilderen, absurderen Slapstick-Augenblicke. Regisseur Dave Green entlockt seinem animierten Cast aber trotzdem charaktervolle Momente voller Charme, Witz und sogar Herz. All das wollten Studiobosse für immer wegschließen, damit sie vom Staat eine finanzielle Erleichterung geschenkt bekommen. Da wird doch der Kojote hinter der Pfanne verrückt!
Völlig verrückt geht es aber auch im Film zu, den wir euch im folgenden Beitrag vorstellen – der ist ebenfalls ein Meta-Kommentar, jedoch weitaus weniger familientauglich als „Coyote vs. ACME“...
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