Nicht zuletzt mit der Slacker-Kultkomödie „The Big Lebowski“ hat Jeff Bridges eine Leinwandpersona als zutiefst entspannter Dude kultiviert. Doch längst nicht jede seiner Rollen schlägt in exakt diese Kerbe. So spielt er in einem Neo-Noir-Thriller aus den 1980ern eine Figur, die als lässiger Sunnyboy etabliert wird, dann aber in einen Strudel der Gewalt gerät und infolgedessen immer mehr charakterliche Schattenseiten offenbart.
Dieser Film erschien in Deutschland unter dem Titel „Bis zum bitteren Ende“ direkt auf Videokassette, in den USA war seine Kinoauswertung eine wirtschaftliche Schlappe. Noch dazu war die erste Welle an Kritiken verheerend. Doch nach und nach stärkten namhafte Kritiker dem hierzulande nun als „Cutter's Way – Keine Gnade“ bekannten Thriller den Rücken und bezeichneten ihn als berechtigt-zynischen Kommentar auf einen desillusionierten Zeitgeist.
Wahrlich nicht schlecht für eine atypisch aufgezäumte Rache-Geschichte, die auf einem Roman basiert, der als unverfilmbar galt! Wenn ihr den Kultfilm nachholen (oder endlich in HD-Qualität besitzen) wollt, hat nun eure Stunde geschlagen. Denn diese Woche wurde „Cutter's Way“ erstmals in Deutschland auf Blu-ray veröffentlicht!
Darum geht es in "Cutter's Way"
Santa Barbara: Ex-Soldat Alex Cutter (John Heard) hat in Vietnam ein Bein, einen Arm und ein Auge verloren – und seine seelischen Blessuren sind nicht in Worte zu fassen. Der engste Freund dieses sarkastischen und zornigen Alkoholikers ist derweil ein Sunnyboy, wie er im Buche steht: Richard Bone (Jeff Bridges) wandert ziellos und gut gelaunt durchs Leben. Er vertickt ab und zu Boote und ist ein unbestrittener Frauenschwarm.
Als Bone in einer regnerischen Nacht glaubt, einen Mord zu beobachten, verbeißt sich Cutter in die Idee, dass der einflussreiche Geschäftsmann J. J. Cord (Stephen Elliott) der Täter ist. Daraufhin entwickeln die ungleichen Männer eine Obsession mit dem Vorhaben, Rache für diese Tat zu begehen. Daraufhin stürzen sie in einen brutalen Morast aus Macht und Misstrauen...
Noir-Niedergeschlagenheit trifft die 80er
Als Vorlage für „Cutter's Way“ diente der Roman „Cutter And Bone“* des Schriftstellers Newton Thornburg. Der Roman begeisterte Drehbuchautor Jeffrey Alan Fiskin zwar aufgrund seiner packenden Prämisse und gelungenen Figuren, erinnerte ihn allerdings in der zweiten Hälfte zu frappierend an den New-Hollywood-Meilenstein „Easy Rider“, weshalb er ihn als unverfilmbar abtat.
Produzent Paul Gurian heuerte Fiskin dennoch an und beauftragte ihn damit, diese Nuss irgendwie zu knacken – mit Erfolg: Fiskins Skript packte den tschechischen Regisseur Ivan Passer („Silber, Banken und Ganoven“) so sehr, dass er für „Cutter's Way“ ein anderes Projekt verließ. Gemeinsam schufen Passer und Fiskin einen Thriller, der sich tief vor der Logik großer Film-noir-Klassiker verneigt, indem er die zentralen Figuren und das Publikum immer tiefer in eine letztlich völlig unübersichtliche Verschwörung rutschen lässt – bis letztlich einige Plotelemente über das Begreifbare hinausgehen und Nebenfiguren spur- sowie kommentarlos verschwinden.
Gleichwohl ist „Cutter's Way“ kein reiner, stilistischer Rücksturz, sondern zeitgeistig voll in den 1980ern angelangt: Die Nachwehen des Vietnamkriegs und die sofortigen Auswirkungen des 80er-Jahre-Kapitalismus erzeugen eine grotesk-pessimistische Stimmung der Zerrissenheit. des Verlorenseins und des blinden Zorns – all das begleitet von einer desorientierenden, finster-schillernden Bildsprache wie aus einem dezenten, dennoch üblen Trip, für die „Blade Runner“-Kameramann Jordan Cronenweth verantwortlich war!
Einen regelrechten Trip stellt auch unser folgender Heimkino-Tipp dar. Der hat jedoch deutlich optimistischere und traumhaft-malerische Passagen zu bieten als Jeff Bridges' Rache-Story. Um welches mit großer Sogwirkung ausgestattetes Mammutwerk es geht, erfahrt ihr im folgenden Artikel:
"Ein Wunderwerk": Ist das der beste Film des Jahres? Ab sofort könnt ihr euch im Heimkino selbst ein Bild davon machen!*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.