Mit der gefeierten Serie „Succession“ (2018-2023) erlebte Schauspieler Jeremy Strong seinen großen Durchbruch: In der Rolle des Kendall Roy, dem reichen, aber problembehafteten Spross einer mächtigen Mediendynastie, erregte er beim Publikum sowohl Verachtung als auch Mitgefühl. Seine Darbietung war ein intensiver Drahtseilakt, mit dem er von Staffel zu Staffel die Verletzlichkeit, Skrupellosigkeit und auch Unberechenbarkeit seiner Figur zum Besten gab.
Doch das Lob für Jeremy Strongs schauspielerische Leistung nahm rapide ab, nachdem 2021 ein langes Porträt über ihn und seine Arbeitsweise im Magazin New Yorker erschien: Er nehme die Rolle in „Succession“ ernster als sein Leben, wurde er darin zitiert. Und vor allem seine immersive Schauspieltechnik, die ihm Distanz zu seinen Schauspielkolleg*innen auferlegte, wurde im Artikel kritisch beleuchtet. Nichtsdestotrotz setzte sich Jeremy Strong erneut mit einem Reporter des New Yorker zusammen – und verteidigte seine Arbeitsweise.
Immersiv oder rücksichtslos?
Anlass für das Interview ist Aaron Sorkins „The Social Network“-Fortsetzung „The Social Reckoning“, in der Jeremy Strong niemand Geringeren spielt als den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Kürzlich hatte Regisseur Sorkin der New York Times Einblick in Strongs Arbeitsweise gegeben: „Er leistet enorm viel Arbeit, bevor er am Set erscheint. Am Set sprach er nicht mit seiner eigenen Stimme und ging auch nicht so, wie Jeremy geht.“
Entsprechend habe Sorkin den anderen Schauspieler*innen am Set mitgeteilt, dass sie keine Kumpelei mit Strong erwarten könnten: „Er wird euch so behandeln, wie er sich vorstellt, dass Mark die Menschen um sich herum behandelt.“
Sony Pictures
Ebendiese extreme Identifikation mit der Figur und das Beibehalten der Rolle auch nach Arbeitsschluss wird in den letzten Jahren von vielen Seiten kritisch beäugt und dabei (nicht ganz korrekt) als „Method Acting“ bezeichnet. So merkte „Das Damengambit“-Star Anya Taylor-Joy kürzlich an, dass solch extreme Arbeitsweisen wohl eher Männern am Set vorbehalten bleiben: „Wenn man genau hinsieht, merkt man, dass Frauen kein Method Acting betreiben. Wir haben Dinge, um die wir uns kümmern müssen, daher können wir nicht völlig den Verstand verlieren.”
Hingabe "mit ganzem Herzen"
Doch ebensolche Kritik an seiner Schauspieltechnik weist Jeremy Strong im Interview mit dem New Yorker zurück. Sie schade niemandem, so Strong, aber entspreche seinem Credo: „Gib dich voll und ganz dem hin, was du tust – und zwar mit ganzem Herzen.“
Dass sein durchgängiger Verbleib in der Rolle die Stimmung am Set stören könnte, lässt Jeremy Strong nach eigener Aussage eher kalt: „Das ist etwas, wofür ich mich nicht entschuldigen muss, denn ich glaube – und ich denke, die Regisseure, mit denen ich zusammenarbeite, glauben das alle –, dass es dem Stoff dient, und ich persönlich denke, dass viele der Reaktionen darauf persönlicher Natur sind.“
Ob sich Jeremy Strongs intensiver Arbeitseinsatz weiterhin bewährt, zeigt sich ab dem 8. Oktober 2026, wenn „The Social Reckoning“ im Kino startet. Welche Serie gerade auf Netflix von sich reden macht, erfahrt ihr hier:
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