Nachdem sie 2020 mit „Das Damengambit” Zuschauerrekorde für Netflix brach, konzentrierte sich Anya Taylor-Joy zunächst auf ihre Kinokarriere und war dort sowohl in von der Kritik gelobten Filmen (Edgar Wrights „Last Night In Soho”) als auch großen Blockbuster-Franchises („Der Super Mario Bros. Film”, „Furiosa: A Mad Max Saga”) zu sehen beziehungsweise hören. Mit dem Thriller „Lucky” kehrt die britisch-argentinische Schauspielerin nun ins Seriengeschäft zurück und ist dabei nicht nur als Hauptdarstellerin, sondern auch als Produzentin tätig.
Bei der Promo-Tour zu der Apple-TV-Serie wurde Taylor-Joy vom amerikanischen Entertainmentmagazin Complex News auf körperliche Reaktionen angesprochen, die sie bei einigen ihrer Rollen zeigte. Wie etwa die Anekdote, dass sie bei den Dreharbeiten zu „Emma” tatsächlich Nasenbluten bekam, genau wie es die Szene vorsah.
Schauspiel als körperliche Erfahrung
Auf die Frage, ob diese physische Verinnerlichung als „Method Acting” zu verstehen sei, überraschte sie jedoch mit ihrer Antwort. Bei der sogenannten Methode handelt es sich um eine Schauspieltechnik, die eine intensive Identifikation mit der Figur zum Ziel hat und sich ursprünglich vor allem auf das Abrufen eigener emotionaler Erinnerungen konzentrierte. Mittlerweile wird Method Acting aufgrund einiger prominenter Beispiele jedoch mit dem Beibehalten der Rolle auch außerhalb der Arbeitszeit gleichgesetzt.
„Wenn man genau hinsieht, merkt man, dass Frauen kein Method Acting betreiben. Wir haben Dinge, um die wir uns kümmern müssen, daher können wir nicht völlig den Verstand verlieren,” so Taylor-Joy.
Method Acting: Eine Männerdomäne?
Kolleginnen äußerten sich in der Vergangenheit ähnlich: Natalie Portman bezeichnete die Methode als Luxus, den sich Frauen nicht leisten könnten, da sie nicht von ihren Kindern verlangen könne, sie zeitweise als „Jackie” anzusprechen. Kristen Stewart sah darin wiederum einen Weg für männliche Kollegen, die inhärente Verletzlichkeit des Schauspielerns abzumildern.
Taylor-Joy ging in ihrem Interview weiter ins Detail. Der „Dune”-Star führt aus, dass sie Schauspielerei als eine Art kontrollierte Psychose sehe: letztendlich tue man dabei so, als wäre man jemand anderes, habe sechzehn Stunden am Tag deren Gedanken und bewege sich wie diese Person. Sie betont, dass sie dankbar für die Menschen in ihrem Leben ist, die dies verstehen und ansprechen, wenn das Verhalten zu weit geht.
„Ich kann mir nicht vorstellen, das die ganze Zeit aufrechtzuerhalten, denn schließlich arbeitet man mit Hunderten von Menschen zusammen, und es liegt in deiner Verantwortung, gut mit ihnen umzugehen und ihnen dabei zu helfen, ihre beste Arbeit zu leisten. Wenn du zu sehr darin aufgehst, ein Arschloch zu sein, dann wird das Ganze nicht besonders viel Spaß machen.”
Damit trifft sie tatsächlich einen wichtigen Punkt, den viele Verfechter des Method Actings gerne außer Acht lassen.
Hinter jedem Film steht ein ganzes Team
Daniel Day-Lewis ist wohl das bekannteste Beispiel eines Schauspielers, der nach dieser Methode arbeitet. Erst im vergangenen Jahr verteidigte der „Letzte Mohikaner” das Method Acting bei seinem Auftritt beim BFI Film Festival in London.
Wie Variety zitiert, sagte er: „Die ganzen Diskussionen der letzten Jahre über Method Acting kommen fast immer von Menschen, die kaum oder überhaupt nicht verstehen, was diese Methode eigentlich beinhaltet.”
Es ist weitestgehend bekannt, dass er für die Filmbiografie „My Left Foot” auch abseits der Aufnahmen während der gesamten Drehzeit im Rollstuhl blieb, die körperlichen Einschränkungen von Christy Brown beibehielt und sich von der Crew bewegen und versorgen ließ. Dass es für sein Spiel von Vorteil war, zeigt sich daran, dass er für diese Leistung seinen ersten von drei Oscars erhielt. Wie sich allerdings die Mitarbeiter*innen am Set fühlten, die ihn fütterten, sauber machen und zur Toilette begleiten mussten, wurde nicht weiter hinterfragt.
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