Viele kennen Gustaf Skarsgård als exzentrischen Schiffsbauer Floki aus der beliebten Abenteuerserie „Vikings“ (siehe unser Artikelbild oben). Sieben Jahre spielte der Schwede die ambivalente Figur, die sich zu einem absoluten Fanliebling entwickelte. Nach dem Ende von „Vikings“ stellte Skarsgård seine Wandelbarkeit als Nebendarsteller in Filmen wie „Air - Der große Wurf“ und „Oppenheimer“ unter Beweis.
Jetzt geht es für den zweitältesten Sohn des vielfach prämierten Charaktermimen Stellan Skarsgård auf der Karriereleiter weiter nach oben. Mit seinem Regiedebüt „The Cannibal“ wagt der 45-Jährige nun den Schritt hinter die Kamera. Und für sein Erstlingswerk hat sich Skarsgård einiges vorgenommen. Inhaltlich ist der Psycho-Horrorfilm nämlich auch eine Verbeugung vor der schwedischen Regie-Legende Ingmar Bergman – einem der bedeutendsten Filmemacher aller Zeiten.
Düsterer Psychotrip: Das ist "The Cannibal"
Wie Variety exklusiv meldet, haben die Dreharbeiten kürzlich auf der Ostseeinsel Fårö begonnen. „The Cannibal“ entsteht nach einem Skript von Peter Birro („Das Leuchten der Rentiere“) und handelt vom Drehbuchautor David (Ardalan Esmaili), der sich in einer Schaffenskrise befindet. Er reist nach Fårö, die bekannte Wirkungsstätte Ingmar Bergmans, und hofft vor Ort auf Inspiration für einen Film über den legendären Regisseur. Vor 20 Jahren lernte er diesen auf der Insel kennen. David hofft, dass die Rückkehr ihm den benötigten Kreativitätsschub verpasst. An dem abgeschiedenen Ort findet er sich jedoch bald in einem (dämonischen) Albtraum wieder.
Es ist kein Zufall, dass „The Cannibal“ auf Fårö entsteht. Bergman (1918 – 2007), der für stilbildende, komplexe Dramen wie „Das siebente Siegel“ sowie „Fanny und Alexander“ bekannt ist, lebte dort seit den 60er-Jahren bis zu seinem Tod.
Wie sich Skarsgård seinem ambitionierten Projekt nähert, erklärte er in einem offiziellen Statement auf metaphorische Art: „Es gibt keinen anderen Zugang zu Bergman, als aus dem tiefen Inneren jenes gigantischen filmischen Schattens heraus, den dieser Titan wirft.“ Ebenso wie David dem dämonischen Sog entkommen will, so versuche der Film selbst, sich auf spielerische Weise zu lösen, ergänzte der Regie-Debütant. „Um das zu erreichen, bedient er sich der filmischen Stilmittel Bergmans."
Dreh in Ingmar Bergmans originalem Wohnhaus
Gemeinsam mit seinem Team erhielt Skarsgård die – seltene – Erlaubnis, in Bergmans originalem, 1967 fertig gestellten Wohnhaus zu drehen. Ganz offensichtlich geht die Story zudem auf persönliche Erlebnisse von Birro zurück. „Als junger Drehbuchautor habe ich Bergman einmal auf der Insel getroffen. Er berichtete von seinen Dämonen und zeigte mir, wo er sie aufbewahrte: eingesperrt in der Gefriertruhe“, so Birro. Er fuhr fort: „Seit 30 Jahren will ich diese Gefriertür öffnen und die Dämonen freilassen. Jetzt ist die Zeit gekommen.“
Die Dreharbeiten auf Fårö dauern voraussichtlich noch bis Ende November 2026 an. Neben Esmaili („A Beautiful Life“) in der Hauptrolle sind noch keine weiteren Darsteller bekannt. Konkrete Termine für einen Streaming- oder Kinostart in Deutschland gibt es ebenfalls noch nicht.
Skarsgårds Vater Stellan zählt seit langem zu den profiliertesten Schauspielern, der bereits vor Jahrzehnten den Sprung nach Hollywood schaffte. Vor seinem Durchbruch arbeitete er sogar mit Bergman zusammen. Die Kooperation war aber alles andere als einfach, wie ihr im folgenden Artikel nachlesen könnt:
"Er war ein Nazi und kein sehr netter Mensch": Stellan Skarsgård rechnet hart mit einem der größten Regisseure aller Zeiten ab