Nach Charlie Sheens turbulentem Ausstieg bei „Two And A Half Men“ im Jahr 2011 stand die erfolgreiche Sitcom vor einer ungewissen Zukunft. Wie wir wissen, übernahm schließlich Ashton Kutcher als Milliardär Walden Schmidt die Hauptrolle und hielt die Serie noch vier weitere Staffeln am Leben. Doch beinahe wäre alles ganz anders gekommen.
Denn ursprünglich sollte Hugh Grant die Nachfolge von Charlie Sheen antreten. Das ist längst kein Geheimnis mehr. Der „Notting Hill“-Star hat selbst schon ausführlich über die damaligen Verhandlungen gesprochen und sogar verraten, dass ihm eine „stratosphärische“ Summe geboten wurde. Es sei „absolut unglaublich, was den Leuten in den USA eine TV-Serie wert ist“, so Grant rückblickend.
Nun bekommen wir erstmals die andere Perspektive auf das Beinahe-Casting. Serienschöpfer Chuck Lorre verrät in seinen am 13. Oktober 2026 veröffentlichten Memoiren „Sitcom“, wie weit man nicht nur finanziell für die Verpflichtung des britischen Hollywood-Stars gegangen wäre. Denn es ging längst nicht nur ums Geld, sondern auch um Eingriffe, die den Charakter der Sitcom grundlegend verändert hätten.
Für Hugh Grant hätte "Two And A Half Men" sogar auf Publikum verzichtet
Um „Two And A Half Men“ trotz Charlie Sheens Abschied unbedingt fortzusetzen, waren die Verantwortlichen offenbar zu ungewöhnlichen Zugeständnissen bereit. CBS und Warner Bros. boten Hugh Grant laut Lorre nicht nur eine stattliche Gage von 750.000 Dollar pro Episode, sondern auch eine Verkürzung der Arbeitszeit an. Dem „Sinn und Sinnlichkeit“-Star sei eine Vier-Tage-Woche zugesichert worden. Zudem war man aber vor allem bereit, eines der grundlegenden Elemente von „Two And A Half Men“ zu verändern.
Die Sitcom wurde traditionell vor einem Studiopublikum aufgezeichnet, dessen unmittelbare Reaktionen ein wichtiger Bestandteil der Produktion waren. Dass die Lacher nicht vom Band kamen, sondern auf echten Reaktionen basierten, machte einen Großteil des Reizes von „Two And A Half Men“ aus. Doch Grant hatte nach Lorres Darstellung große Bedenken, vor Live-Publikum aufzutreten. Also bot der Serienmacher an, bei den Dreharbeiten einfach auf die Zuschauer zu verzichten und stattdessen eingespieltes Gelächter zu verwenden.
Dass Lorre zu so einem radikalen Bruch bereit war, kommentiert er in seinem Buch rückblickend nun so deutlich und selbstkritisch, dass wir es euch lieber unübersetzt lassen: „Fuck it. Clearly I had no moral compass.“
Warum Hugh Grant trotzdem absagte: Zwei unterschiedliche Sichtweisen
Warum es mit Hugh Grant dann trotz dieser Zugeständnisse und des Geldes nicht geklappt hat? Darüber gibt es sehr unterschiedliche Darstellungen. Lorre erzählt, dass er und sein Autorenpartner Lee Aronsohn mehrere Gespräche mit Grant geführt und eigens einige Szenen entwickelt hätten, um ihm eine Vorstellung von seiner möglichen Figur zu vermitteln. Diese sollte ganz auf die Persönlichkeit und den komödiantischen Stil des Schauspielers zugeschnitten sein.
Man sei sich daher eigentlich sicher gewesen, dass Grant an Bord sei. Der Brite habe sogar bereits unmittelbar vor der Vertragsunterzeichnung gestanden. Lorre erklärt, dass ihm erzählt wurde, Grant habe bereits den Stift in der Hand gehalten, als er plötzlich aufgestanden und wortlos den Raum verlassen habe. Danach sei er zunächst nicht mehr erreichbar gewesen. Erst später habe ein Vertreter des Schauspielers mitgeteilt, dass dieser die Rolle doch nicht übernehmen wolle.
Plaion Pictures
Hugh Grant selbst stellte in der Vergangenheit den Ablauf etwas anders dar. Im Gespräch mit Howard Stern hatte der Schauspieler bereits vor einiger Zeit bestätigt, dass er tatsächlich für „Two And A Half Men“ im Gespräch war. Damals begründete er aber seine Absage damit, dass die Verantwortlichen noch gar kein konkretes Drehbuch oder einen ausgearbeiteten Charakter vorweisen konnten. Sie hätten ihm lediglich versichert, dass sie schon etwas Passendes für ihn entwickeln würden. Das war dem Schauspieler angesichts des engen Zeitplans zu riskant. Auf die neuesten Äußerungen von Lorre hat er noch nicht reagiert.
Die beiden Darstellungen schließen einander keineswegs aus. So ist es gut möglich, dass zwar einzelne Szenen existierten, diese Grant aber nicht als ausreichende Grundlage für eine ausgearbeitete Rolle reichten. Zudem verweist Lorre selbst darauf, dass er bei der angeblichen Beinahe-Vertragsunterschrift nicht selbst im Raum war. Dass Grant den Stift also tatsächlich in letzter Sekunde aus der Hand gelegt hat und wortlos gegangen ist, bleibt Hörensagen.
Ohne Hugh Grant wäre "Two And A Half Men" beinahe beendet worden
Für Chuck Lorre war Grants Absage aber laut eigener Aussage sogar ein so schwerer Rückschlag, dass er die Serie doch beenden wollte. Gegenüber E! News berichtete er, dass er dies dem damaligen CBS-Senderchef Les Moonves anschließend sogar mitteilte. Es sei Moonves gewesen, der dann mit Ashton Kutcher noch mal einen anderen Namen ins Spiel brachte. Obwohl Lorre zunächst skeptisch war, ob der deutlich jüngere Schauspieler an der Seite von Jon Cryer funktionieren würde, stimmte er auf Druck seines Bosses einem persönlichen Treffen zu. Nach diesem war er direkt überzeugt und der Rest ist Fernsehgeschichte.
Kutcher übernahm ab der neunten Staffel die Rolle des Walden Schmidt und blieb bis zum Serienfinale 2015 an Bord. Wie „Two And A Half Men“ mit Hugh Grant ausgesehen hätte, werden wir dagegen nie erfahren. Fest steht aber, dass mit ihm die Serie nicht nur wegen der veränderten Figur, sondern auch der neuen Herangehensweise bei der Produktion mit einer veränderten Arbeitswoche und dem Verzicht auf das traditionelle Studiopublikum eine ganz andere geworden wäre.
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