Die 2017 veröffentlichte Comicverfilmung „Justice League“ von Zack Snyder gilt als ein besonders herber Flop – sowohl künstlerisch als auch kommerziell. Der fünfte Film des DC Extended Universe brachte Warner Bros. (trotz eines weltweiten Einspiels von 660 Millionen Dollar) einen Verlust von ca. 60 Millionen Dollar ein, hinzu kamen vernichtende Kritiken (lediglich 39 Prozent Zustimmung auf Rotten Tomatoes).
Wie bereits in „Batman V Superman: Dawn Of Justice“ (2016) war Ben Affleck in „Justice League“ als Batman zu sehen. Der Hollywoodstar erlebte die chaotischen und längst legendär gewordenen Produktionsbedingungen (Stichwort: Mustache-Gate) hautnah mit – und blickt auch deshalb alles andere als positiv auf „Justice League“ zurück.
So hart rechnet Ben Affleck mit "Justice League" ab
Im Podcast Happy Sad Confused erinnerte sich der 54-Jährige an jene Zeit und fand in der Nachbetrachtung deutliche Worte. „Die Erfahrung mit ‚Justice League‘ war aus vielerlei Gründen sehr negativ. Einige waren persönlicher Natur und andere hatten mit der Tragödie zu tun, die sich damals ereignete“, so Affleck. Er selbst steckte mitten in der Scheidung von Jennifer Garner und kämpfte gegen seine Alkoholabhängigkeit.
Mit „Tragödie“ spielte er aber auf jenen Vorfall an, der damals zu einer Ablösung auf dem Regiestuhl führte. Ein Blick zurück: Nachdem Snyder den Film abgedreht hatte und er sich bereits in der Post-Produktion befand, trat er aus familiären Gründen von dem Projekt zurück. Seine Tochter Autumn (20) hatte sich das Leben genommen. Warner engagierte für die Fertigstellung daraufhin „Avengers“-Macher Joss Whedon, der Teile des Films neu drehte.
"Wir haben darüber ausführlich gesprochen": Kommen "Justice League 2 & 3" noch? – Zack Snyder macht Hoffnung auf seine Version„Der Suizid eines Menschen stellt alles andere in den Schatten“, sagte Affleck. Für den Schauspieler sei dies aber nur als Vorwand genutzt worden, um Snyder aus der Produktion zu drängen. „Es ist eines der widerlichsten Dinge, die ich je erlebt habe. Dass er von dem Film abgezogen wurde und diese Nachdrehs, die wir gemacht haben. Wenn ihr wissen wollt, was der Tiefpunkt meiner Karriere war: das war er.“
Zwei Regisseure, zwei (unvereinbare) Visionen
Warner war nach ersten Sichtungen mit Synders Version unzufrieden. Die Studiobosse wollten weg von der düsteren Stimmung seiner vorherigen Arbeiten „Man Of Steel“ und „Batman V Superman“. Trotz späterer Skript-Anpassungen war ihnen „Justice League“ allerdings noch immer zu pessimistisch und ausufernd. Mit der Verpflichtung von Whedon folgten schließlich die Drehbuchänderungen und die erwähnten Nachdrehs.
Snyders schwermütiger, epischer Tonfall traf damit auf Whedons verzweifelte Versuche, die Tonalität zu ändern und dem Film eine deutlich humorvollere, leichtere Note zu verleihen. Am Ende blieb eine Art unausgegorener Scherbenhaufen von einem Film, der niemanden zufrieden stellte und auch sonst hinter den Erwartungen zurückblieb. Auch dazu fand Affleck klare Worte: „Wenn ein Studio und ein Regisseur gegeneinander arbeiten, sollte man keinen Film drehen.“ Genau das sei bei „Justice League“ aber der Fall gewesen. Dieser Konflikt habe Affleck zufolge das Projekt zum Scheitern gebracht.
Zu allem Überfluss soll bei den Nachdrehs eine vergiftete Stimmung geherrscht haben. Sowohl „Cyborg“-Darsteller Ray Fisher (Cyborg) als auch Gal Gadot (Wonder Woman) erhoben später schwere Vorwürfe gegen Whedon. Diese reichten von unprofessionellem Verhalten bis hin zu unangemessenen Drohungen. Der Regisseur bestritt einen Teil der Vorwürfe. Affleck stellte klar, dass er am Set selbst wenig davon mitbekommen habe. Die Berichte seiner Kollegen bestätigten allerdings seinen nicht gerade wohlwollenden Blick auf „Justice League“ und die Arbeit daran.
Das komplette Video-Interview könnt ihr euch hier anschauen, Affleck spricht ab etwa 23 Minuten und 30 Sekunden über „Justice League“:
Zack Snyder wollte sich mit seinen DC-Filmen ganz bewusst von den bunten, überdrehten Superhelden-Spektakeln aus dem Hause Marvel abheben. Heute ist sich Snyder aber nicht mehr so sicher, ob dieser Ansatz der richtige war:
War sein DC-Universum ein Fehler? Zack Snyder gibt Marvel heute in einem entscheidenden Punkt recht