Das große MCU lief schon ein halbes Jahrzehnt, als Konkurrent DC nachzog. Im Jahr 2013, in dem Marvel mit „Iron Man 3“ und „Thor 2“ bereits Sequels in die Kinos brachte, legte Zack Snyder mit „Man Of Steel“ erst einmal den Grundstein für ein neues DC-Filmuniversum – wobei dieser Film noch weitestgehend für sich stand. Zum großen DCEU wurde all das erst drei Jahre später mit „Batman v Superman: Dawn Of Justice“.
Einen Vorteil hatte Snyder: Er wusste, was Marvel bislang gemacht hatte, und konnte daraus seine Lehren ziehen. Von Anfang an setzte er dabei auf einen Ansatz, der sich deutlich von dem unterschied, was die Konkurrenz mit dem MCU enorm erfolgreich vormachte. Während dort Humor, spektakuläre Action und möglichst publikumswirksame Unterhaltung eine zentrale Rolle spielten, inszenierte Snyder Superman, Batman und Co. als überhöhte, beinahe göttliche Figuren und beschäftigte sich ausgiebig mit ihrer Mythologie. Doch genau diese Entscheidung sieht der Regisseur heute zumindest ein kleines bisschen kritischer.
Zack Snyder gesteht ein: "Vielleicht war das ein Fehler"
Anlässlich der viel diskutierten Weltpremiere seines neuen Films „The Last Photograph“ beim Filmfestival in Toronto blickte Snyder im Gespräch mit dem Hollywood Reporter nun noch einmal auf seine Zeit bei DC zurück. Dabei teilte er seine Sicht auf Marvel: „Marvel ist wie eine Achterbahnfahrt, oder? Die Aufstiege, die Stürze, die Abschnitte, in denen man einfach so dahinrollt, und dann wieder ein Sturz. Am Ende denkt man sich: ‚Wow, das war verrückt, das war genial.‘“
Er selbst hatte laut eigener Aussage aber genau daran „keinerlei Interesse“, um dann den entscheidenden Zusatz zu geben. „Und wissen Sie, vielleicht war das ein Fehler.“
"Ich kann das nicht": Darum folgt Snyder nicht der Marvel-Formel
Snyder erkennt zwar offensichtlich, dass sein DCEU womöglich am Mangel an klassischer Popcorn-Unterhaltung gescheitert ist, er schränkt die Aussage vom „Fehler“ aber direkt wieder ein. Denn schließlich hat er das gemacht, was er machen wollte: „Ich denke so nicht. Ich kann das nicht. Ich möchte mich lieber mit der Mythologie dahinter auseinandersetzen. Und vielleicht macht das nicht ganz so viel Spaß.“ Bemerkenswert sind die neuen Aussagen trotzdem. So selbstkritisch blickte Snyder bislang noch nicht auf seine DC-Filme und seinen Ansatz. Bisher verteidigte er „die mythologische Reise“, die seine eigene DC-Trilogie mit den erwähnten „Man Of Steel“ und „Batman v Superman“ sowie „Justice League“ als ungeplant vorzeitiger Abschluss bilden würden.
Längst gehen DC und Zack Snyder getrennte Wege. Seinen Nachfolger James Gunn, mit dem er einst bei „Dawn Of The Dead“ zusammenarbeitete, unterstützt er, auch wenn er aus Zeitgründen dessen „Superman“ bislang nicht gesehen habe. Schließlich war der Filmemacher mit seinem eigenen Werk „The Last Photograph“ beschäftigt, das aber wohl einmal mehr zeigt, dass Snyders eigener Ansatz viele Leute vor den Kopf stößt:
Bislang fand sich kein Kinoverleih oder Streamingdienst, der den Film herausbringen will. Beim Filmfestival in Toronto durfte Snyder das Werk trotzdem zeigen und scherzte zu Beginn der Vorführung, vielleicht werde das anwesende Publikum die einzigen Menschen bleiben, die den Film je zu Gesicht bekommen. Nach Kritiken und Reaktionen die größtenteils verheerend waren, ist es zumindest nicht wahrscheinlicher geworden, dass sich bald ein Käufer für die Filmrechte findet. Mehr dazu gibt es im folgenden Artikel:
"Einfach nur Mist in jeder Hinsicht": Zack Snyders neuer Film wird vom Publikum in der Luft zerrissen