Teurer als jeder "Harry Potter"-Film? Die neuen Zahlen zum Serien-Remake lassen selbst Hollywood-Blockbuster alt aussehen
von Björn Becher
Teile diesen Artikel

Dass HBO bei der neuen Adaption der „Harry Potter“-Bücher richtig ranklotzt, ist schon länger bekannt. Doch jetzt zeigen offizielle Zahlen, wie gigantisch die Summen sind, die man investieren will.

In sieben Büchern und acht Kinofilmen können wir die Geschichte von „Harry Potter“ bereits erleben. Bald wird es auch eine Serie geben, die jedem Roman der Reihe jeweils eine Staffel widmet und entscheidende Vorteile bietet. Im Vergleich zu den Filmen bleibt deutlich mehr Zeit für die Handlung. So lassen sich auch Erzählstränge ausbreiten, die im Kino gekürzt oder komplett gestrichen wurden. Stellenweise kann die Serie sogar tiefer gehen als die Buchvorlage. Die Serienverantwortlichen haben schließlich den Vorteil, das genaue Ende der Geschichte von Beginn an zu kennen. So können sie schon früh Elemente verankern, die Autorin J.K. Rowling erst im Laufe des Schreibprozesses eingefallen sind.

Das Ergebnis soll dann auch eines der größten Fantasy-Ereignisse der kommenden Jahre werden und dafür lässt HBO offenbar gewaltige Summen springen: Schon zur Halbzeit der Dreharbeiten der allerersten Staffel „Harry Potter“ wurden fast 200 Millionen Dollar ausgegeben, wie jetzt offizielle Zahlen zeigen.

Budgetrekord für die "Harry Potter"-Serie?

Aus keinem Land erhalten wir so verlässliche Zahlen zu Budgets wie aus Großbritannien. Denn wer dort dreht, kann gewaltige staatliche Steuervergünstigungen in Anspruch nehmen. Im Gegenzug müssen die Produktionsfirmen ihre Finanzen offenlegen und detailliert nachweisen, wofür wie viel Geld verwendet wurde. Anders als bei vielen anderen großen Hollywood-Produktionen gewähren die Unterlagen damit einen ungewöhnlich konkreten Einblick in die Ausgaben und sind zudem von Medien auf Anfrage und wenn man weiß, wo man suchen muss, einsehbar.

Die britische Zeitung The Times konnte jetzt erste Zahlen für die „Harry Potter“-Serie auswerten, und diese haben es in sich: Bislang liegen nur die Dokumente für alle Ausgaben im Jahr 2025 vor. Bis dahin gab HBO satte 147,4 Millionen britische Pfund, das sind umgerechnet rund 197 Millionen US-Dollar beziehungsweise 170 Millionen Euro, für die erste Staffel aus.

Diese Summe ist besonders bemerkenswert, weil zu diesem Zeitpunkt erst ungefähr die Hälfte der ersten Staffel gedreht war. Ein beträchtlicher Teil der Ausgaben erfolgte erst im Jahr 2026 und ist aktuell noch nicht in den Dokumenten zu finden. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass die neue Serie damit teurer werden könnte als jeder einzelne „Harry Potter“-Kinofilm.

200 Millionen Dollar für eine halbe Serienstaffel: Das Mega-Budget erklärt

Als teuerster Teil der ursprünglichen Filmreihe gilt „Harry Potter und der Halbblutprinz“ aus dem Jahr 2009, dessen Produktionsbudget auf rund 250 Millionen Dollar geschätzt wird. Wichtig ist dabei aber, dass man diese Summen nicht 1:1 vergleichen kann. Die Zahlen der Times spiegeln die reinen Bruttoausgaben wider, die eingereicht werden, um Steuervergünstigungen zu erhalten. Wenn Hollywood-Studios selbst Budgets kommunizieren, berechnen sie entsprechende Rückzahlungen, Förderungen und Erleichterungen bereits ein.

Zudem lässt sich von den 200 Millionen Dollar für die erste Hälfte der ersten Staffel nicht automatisch auf Gesamtkosten von 400 Millionen Dollar schließen. Oft sind die Kosten nicht gleich verteilt. Gerade zu Beginn fallen massive Summen, zum Beispiel für den Setbau, an. Serien und Filmreihen können daher bei den Kosten besonders frontlastig sein, weil vielleicht hier schon Dinge entstehen, die man dann auf Jahre hinaus nutzen kann. Dem gegenüber steht aber, dass 2026 nicht nur weitere Drehtage anstanden, sondern die bei diesem Projekt auch sehr aufwendige Nachbearbeitung mit zahlreichen visuellen Effekten. Diese dürften das Budget weiter belasten und dafür sorgen, dass hier auch 2026 noch einmal gewaltige Kosten angefallen sind.

Aus den bekannten Zahlen lässt sich daher kein Gesamtbudget ableiten. Trotzdem ist es mit diesen Informationen sehr wahrscheinlich, dass die erste „Harry Potter“-Staffel das Budget von „Der Halbblutprinz“ übertreffen wird. Da die erste Staffel acht jeweils etwa einstündige Episoden umfassen soll, bietet sie allerdings auch deutlich mehr Laufzeit als ein einzelner Film.

10-Jahres-Plan: HBO plant gleich sieben Staffeln

Dass HBO bei „Harry Potter“ keine halben Sachen macht, zeigt sich aber auch auf andere Weise. Die neue Serie entsteht vor allem in den britischen Leavesden Studios, wo bereits die ursprünglichen Filme und zahlreiche Hollywood-Blockbuster gedreht wurden. Die Produktion wird dabei in den kommenden Jahren so umfangreich, dass Warner bereits Anträge gestellt hat, den legendären Komplex in der Nähe von London massiv zu vergrößern. In den Bauanträgen verweist das Unternehmen darauf, nur so könne die auf zehn Jahre angelegte Produktion langfristig vor Ort gesichert werden.

Derzeit laufen bereits die Dreharbeiten zur zweiten Staffel, doch uns steht erst einmal in Kürze der Auftakt bevor. Die erste Staffel adaptiert „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Mit Dominic McLaughlin als Harry Potter, Alastair Stout als Ron Weasley und Arabella Stanton als Hermine Granger übernimmt ein vollständig neues Hauptdarsteller-Trio die berühmten Rollen. Dazu kommen unter anderem John Lithgow als Albus Dumbledore und Nick Frost als Rubeus Hagrid. Am 25. Dezember 2026 soll die erste Staffel bei HBO Max starten. Dann können wir uns selbst davon überzeugen, ob man der sündhaft teuren Rückkehr nach Hogwarts den enormen Aufwand auch ansieht. Mehr zur Serie gibt es auch im folgenden Artikel:

"Harry Potter" ist noch gar nicht gestartet – trotzdem gibt es jetzt schon den ersten Blick auf Staffel 2

Björn Becher
Björn Becher
-Mitglied der Chefredaktion
Rund zwei Jahrzehnte war Björn Becher auch als zugelassener Rechtsanwalt tätig und interessiert sich daher für alle Filmthemen mit Jura-Bezug – von Justizfilmen über Fragen des Jugendschutzes bis hin Hollywoods Branchenprozessen.
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren