Tinto Brass ist tot. Dies haben seine Ehefrau Caterina Varzi sowie seine Kinder Bonifacio und Beatrice Brass gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur Ansa bekannt gegeben. Der Filmemacher ist im stolzen Alter von 93 Jahren in der italienischen Hauptstadt verstorben.
Seine bekannteste Arbeit dürfte zweifelsohne der 1979 erschienene „Caligula“ mit Malcolm McDowell, Helen Mirren und Max von Sydow sein. Der aufgrund seiner Hardcore-Sexszenen und sadistischen Gewaltdarstellungen über 36 Jahre hinweg indizierte Historienfilm ist jedoch nicht nur für seine expliziten Bilder bekannt, sondern auch für seine von Komplikationen geprägte Produktions- und Veröffentlichungsgeschichte.
Hinter den Kulissen entbrannte damals ein Machtkampf zwischen Drehbuchautor Gore Vidal, Brass und Geldgeber Bob Guccione, seines Zeichens Gründer des Penthouse-Magazins. Letzterer war es auch, der in der Postproduktion zahlreiche Hardcore-Szenen in den Film einfügen ließ. Dies führte dazu, dass sich sowohl Brass als auch Vidal von dem Projekt distanzierten. Im Jahr 2023 erschien schließlich eine neu bearbeitete Fassung, die wieder etwas näher an Brass' ursprünglicher Vision war: „Caligula: The Ultimate Cut“.
Das Schaffen von Tinto Brass hat allerdings weit mehr zu bieten als den damals teuersten Independent-Film aller Zeiten – „Caligula“ verschlang seinerzeit 25 Millionen US-Dollar, ein geradezu irrwitziges Budget für die 1970er-Jahre! Seine Sporen verdiente sich Brass unter anderem als Regieassistent bei Joris Ivens und Roberto Rossellini in Paris. Dadurch wurde er stark von der aufkommenden Nouvelle Vague geprägt. Seinen ersten eigenen Film drehte er 1963 mit „In capo al mondo“, der aufgrund seiner nonkonformistischen Weltanschauung bereits ins Visier der Zensur geriet.
Nach einer Karrierephase, in der ihn vor allem das avantgardistische Kino faszinierte und unter anderem der vom Autor dieser Zeilen sehr zu empfehlende surreale Western „Yankee“ sowie der Pop-Art-Thriller „Deadly Sweet“ mit Jean-Louis Trintignant entstanden, widmete sich Brass ab den 1970er-Jahren zunehmend erotischen Stoffen. Deren Markenzeichen war der ausgeprägte Fokus auf das weibliche Hinterteil. In dieser Zeit entstand auch der anzügliche Kultfilm „Salon Kitty“ mit Helmut Berger als Obernazi Wallenberg.
Tinto Brass war bis Mitte der 2000er-Jahre als Regisseur aktiv. Zu seinen letzten Arbeiten zählt eine Reihe von Erotik-Kurzfilmen, darunter „Monamour“, „Kick The Cock“ und „Hotel Courbet“.
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