Wer ganze 14 Mal (!!) für eine Auszeichnung bei den Filmfestspielen von Cannes nominiert wurde, kann mit Fug und Recht als Meisterregisseur bezeichnet werden – auch wenn Bruno Dumont der begehrte Hauptpreis, nämlich die Goldene Palme, bislang verwehrt blieb. Dass der Franzose zu den radikalsten wie außergewöhnlichsten Autorenfilmern unserer Zeit zählt, steht dennoch außer Frage – und stellte er unter anderem mit „France“ im Jahr 2022 einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis.
Und durchaus eindrucksvoll sind nun auch die Entwicklungen, die sein neuer Film nimmt. Denn das Drehbuch zu „The End“ verfasste er bereits vor 25 Jahren. Eine Verfilmung im klassischen Sinne wäre allerdings zu teuer geworden – also hat Bruno Dumont das Ganze jetzt einfach mittels KI realisiert. Innerhalb kürzester Zeit, für kleines Geld – und in der Hoffnung, das Ergebnis im kommenden Jahr der Welt präsentieren zu können.
Dumont schrieb das Skript direkt im Anschluss an sein preisgekröntes Mystery-Drama „Humanity“ (1999), stellte aber schließlich fest, dass die Produktionskosten die verfügbaren Mitteln um übersteigen würden. Schließlich erzählt der Film nicht nur die Geschichte eines ehrgeizigen Cops, der in Los Angeles in einem Kriminalfall ermittelt. Das Ganze spielt auch, während die Stadt der Engel von Erdbeben und herabstürzenden Asteroiden heimgesucht wird.
All das entsprechend in Szene zu setzen, wurde Dumont erst durch Künstliche Intelligenz ermöglicht. Er hat im vergangenen August damit begonnen, den Science-Fiction-Thriller zu erstellen – der mittlerweile auch fertig sein soll. 2027 will er das Werk dann im Zuge eines Festivals uraufführen. Bei welchem, wird davon abhängen, wer dem KI-Vehikel offen begegnet – und wer entschieden ablehnt.
Das ist Bruno Dumont
Der 1958 geborene Drehbuchautor und Regisseur unterrichtete zunächst Philosophie und drehte Werbefilme, bevor er in den 90ern schließlich den Sprung in die Unterhaltungsindustrie wagte – wobei seine Werke seit jeher weit mehr als bloße Unterhaltung sind.
Seine Filme werden oft der „New French Extremity“-Welle zugeschrieben, setzen meist auf Laiendarsteller, entschleunigtes Erzähltempo, lange Einstellungen und schonungslose Darstellungen von Sex und Gewalt. Einer der Höhepunkte in seinem Schaffen ist die weiter oben erwähnte, mit Bond-Girl Léa Seydoux („Keine Zeit zu sterben“) vergleichsweise prominent besetzte „Next Level Medienkritik“ „France“, für die es in der FILMSTARTS-Kritik hervorragende 4,5 von 5 Sternen gab: