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    Nach Sex-Aufreger in Cannes sorgt Lesben-Drama "Blue Is The Warmest Colour" auch für Oscar-Kontroverse
    Von Andreas Staben — 18.07.2013 um 11:25

    Bei den Filmfestspielen in Cannes im Mai 2013 sorgte Abdellatif Kechiches "Blue Is The Warmest Colour" mit expliziten Sex-Szenen für Diskussionen, wurde aber dennoch mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Seither galt das französische Liebesdrama auch als ein aussichtsreicher Kandidat für den Oscar für den Besten nicht-englischsprachigen Film. Diese Hoffnung müssen die Filmemacher nun wegen einer umstrittenen Regel der Academy aufgeben.

    Für die Wettbewerbs-Jury der Filmfestspiele in Cannes gab es 2013 keinen besseren Film als das Liebesdrama "Blue Is The Warmest Colour". Das Kommittee, dem unter anderem die Oscar-Preisträger Steven Spielberg, Ang Lee, Christoph Waltz und Nicole Kidman angehörten, vergab die prestigeträchtige Goldene Palme an Regisseur Abdellatif Kechiche und seine beiden Hauptdarstellerinnen Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos. Auch von der Fachpresse wurde der Film überwiegend sehr positiv aufgenommen (von FILMSTARTS erhielt er 4,5 Sterne). Die ausführlichen und sehr expliziten Sex-Szenen zwischen den beiden jungen Frauen verschafften dem Drei-Stunden-Epos weitere Aufmerksamkeit und sorgten für eine kleine Kontroverse, als die Autorin der Comic-Vorlage zum Film, das Werk als "pornographisch" bezeichnete. Gleichzeitig wurde "Blue Is The Warmest Color" bereits als möglicher französischer Kandidat für den sogenannten Auslands-Oscar 2013 gehandelt - diese zusätzliche Publicity muss sich der US-Verleih Sundance Selects aber wegen einer Formalie abschminken.

    Die Regeln der Oscar-Academy in der Kategorie Bester nicht-englischprachiger Film sehen nicht nur vor, dass jedes Land nur ein einziges Werk ins Rennen schicken darf (so dass viele Beobachter sowieso davon ausgegangen sind, dass der freizügige "Blue" gegenüber klassischen Dramen wie Asghar Farhadis "The Past" für Frankreich die schlechtere Wahl wäre, denn die Oscar-Wählerschaft gilt als mehrheitlich eher konservativ), sondern auch, dass der offizielle Kino-Starttermin im Ursprungsland zwischen dem 1. Oktober 2012 und dem 30. September 2013 liegen muss. Der französische Verleih Wild Bunch entschied sich allerdings dazu, den Film erst am 7. Oktober 2013 in die Kinos unseres Nachbarlandes zu bringen und hat eine Bitte der amerikanischen Kollegen von Sundance Select um Verschiebung abgelehnt. Sundance Select-Präsident Jonathan Sehring hat daraufhin bei der Academy um eine Änderung der seiner Meinung nach willkürlichen Regel gebeten, was aber wenig überraschend zumindest für dieses Jahr nicht in Frage kommt.

    "Blue Is The Warmest Color" hat also dieses Mal keine Chance auf den Oscar, den zuletzt Michael Haneke mit "Liebe" für Österreich gewonnen hat, aber natürlich kann das französische Auswahlgremium ihn im kommenden Jahr ins Rennen für die Verleihung 2015 schicken - und da der US-Start bereits am 25.Oktober 2013 stattfindet, ist Kechiches Film schon 2014 in allen anderen Kategorien (mit Außenseiterchancen für Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin) wählbar. Auch bei den Golden Globes, den britischen BAFTAS und bei den Kritikerpreisen könnte der Film trotz der Oscar-Ausnahme schon 2013/14 eine Rolle spielen. Genau während der heißen Awards-Season, nämlich am 19. Dezember 2013, kommt "Blue Is The Warmest Colour" dann übrigens auch in die deutschen Kinos.

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