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    Am Set von "Justice League": Das FILMSTARTS-Interview mit Ben Affleck
    Von Björn Becher (Mitarbeit: Christoph Petersen, Johanna Slomski, Julius Vietzen) — 21.06.2016 um 14:53

    Eigentlich hieß es ja, dass Ben Affleck heute leider keine Zeit für uns habe – aber dann schaut der Batman-Darsteller doch noch vorbei und aus einer kurzen Begrüßung entwickelt sich plötzlich ein ausführliches Gespräch…

    Warner Bros.
    FILMSTARTS: Nachdem Bruce Wayne in „Batman V Superman“ ein solcher Einzelgänger war – war es eine große Umstellung, in diesem Film mit anderen zusammenzuspielen?

    Ben Affleck: Das ist doch das Interessante an diesem Batman. Auf der einen Seite ist er der ultimative Einzelgänger und auf der anderen Seite ist es nun gerade an ihm, eine Heldentruppe zusammenzustellen. Er ist also wirklich nicht die am besten geeignete Person für den Job – und er hat zunächst auch keinen großen Erfolg. Ich meine, er kommt gerade so mit Alfred aus.

    FILMSTARTS: Würdest du sagen, dass The Flash in diesem Film eine Art Robin-Figur ist, weil er dieser jüngere Superheld ist?

    Warner Bros.
    Ben Affleck: Das ist sicherlich eines der interessanten Elemente an dieser Dynamik – Ezra (Miller) ist als Barry Allen jung und lustig, er ist voller Leben und entwickelt eine Begeisterung für das Superheldendasein. Das ist ein scharfer Kontrast zu dem, was Batman repräsentiert. Da ist ein ganz natürliches Ying und Yang in den Szenen mit den beiden. Batman ist schon eine Art Mentor – und es macht Spaß, diesen Batman zu spielen, während drum herum dieser andere Typ tobt, der die ganze Zeit super aufgeregt und total positiv ist. Das ist schließlich nicht Batmans natürliche Art.

    Es ist ziemlich cool, dass jeder eine sehr spezielle und sehr bestimmte Energie in seinen Charakter mit eingebracht hat – und allein deshalb ist dies schon ein völlig anderer Film als der letzte. Dies ist ein Film über eine Gruppe verschiedener Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten und verschiedenen Persönlichkeiten, die nun irgendwie herausbekommen müssen, wie sie am besten zusammenarbeiten können.

    FILMSTARTS: Eine der besten Sachen an „Batman V Superman“ waren deine Kampfszenen, die eine unglaubliche Intensität entwickelt haben. Wie wollt ihr das jetzt in „Justice League“ noch steigern?

    Warner Bros.
    Ben Affleck:
    Ich würde gerne sagen, dass das meine Ideen waren – aber sie stammen von einem Team aus Effekt-Experten und Stuntleiten, die sich ziemlich kreative und coole Dinge einfallen lassen. Zum Glück haben wir einen Großteil derselben Leute auch bei diesem Film mit an Bord – und genauso gehe ich auch an die Sache ran, wenn ich selbst Regie führe: Man sucht sich einen großartigen Stunt-Koordinator und einen großartigen Effekt-Spezialisten, die solche Sachen tatsächlich umsetzen können. Das ist, als ob man einen großen Komponisten anheuert. Wenn es gut gemacht ist, fühlt es sich an, als ob es übergangslos in den Film integriert ist. Was wäre „Star Wars“ bloß ohne diese Musik? Versteht ihr, was ich meine?

    FILMSTARTS: Diesmal bist du auch Executive Producer. Wie verändert das deine Rolle bei der Produktion? Fühlst du dich jetzt noch mehr für die Figur Batman verantwortlich?

    Ben Affleck: Ich bin als Executive Producer dabei, weil ich bei einem der anderen Filme Regie führe. Und es gibt einige Dinge, die in beiden Filme eine Rolle spielen, die ich aber noch nicht enthüllen werde. Das heißt nur, dass einige Dinge in meinem „Batman“ geschehen, die davon beeinflusst werden, was in den anderen Filmen zuvor passiert. Wir sind hier schließlich gerade im Set des Gotham City Police Department – und das könnte natürlich in meiner Story möglicherweise auch vorkommen.

    Es ist ein kreativer Weg, den Warner hier eingeschlagen hat: Es ist ein Studio, das in erster Linie auf die Filmemacher setzt, aber sie wollen trotzdem sicherstellen, dass die rechte Hand weiß, was die linke tut – es gibt also eine Zusammenarbeit und Supervision. Auf diese Art verursacht niemand unbeabsichtigt Probleme für die anderen Filme. Am Ende ist der Titel Executive Producer einfach eine nette Geste – so kann ich zu allem Batman-Kram in „Justice League“ meinen Senf dazugeben.

    FILMSTARTS: Wie sieht es mit klassischer Ermittlungsarbeit in „Justice League“ aus? Ist sie Teil des Films? Ist Batman der Detektiv des Teams?

    Warner Bros.
    Ben Affleck:
    Der World's Greatest Detective-Anteil von Batman ist in diesem Film definitive präsenter als im vorherigen – und er wird in meinem „Batman“-Film wahrscheinlich noch weiter ausgebaut. Alle großen „Batman“-Storys sind in ihrem Kern Detektivgeschichten. Sie könnten fast sowas wie „Die Spur des Falken“ sein. Ein Teil der „Justice League“-Detektivgeschichte ist „was passiert hier gerade“, aber noch wichtiger ist „wie finde ich diese Leute und führe sie zu einem Team zusammen“.

    FILMSTARTS: Wo wir gerade über großartige Batman-Geschichten reden: „The Dark Knight Returns“ hat „Batman V Superman“ stark beeinflusst – aber am Ende des Comics hängt Batman sein Heldendasein an den Nagel. Wie bringt ihr Batman jetzt zurück? Wie kehrt er von diesem Ort zurück, an dem er verbitterter und brutaler war als je zuvor?

    Ben Affleck: „Batman V Superman“ war tatsächlich stark von „The Dark Knight Returns“ beeinflusst. „Justice League“ hat nun andere Einflüsse, die ich aber nicht verraten möchte. Wir tun einfach, was jeder intelligente Mensch tut: Wir klauen den besten Kram – und da draußen gibt es eine Menge großartiges Material.

    Aber man kann eben nicht über das Ende hinausgehen – deshalb ist Batman nun wieder ein Typ am Anfang, der wie neugeboren anfängt, der wieder an etwas glaubt und neue Hoffnung findet. Seine Hoffnung besteht in dieser Idee, dass er unbedingt diese Gruppe zusammenbringen will – das ist seine Mission. Das ist offensichtlich etwas ganz anderes – er ist nicht länger ein Mann am Ende, er gibt nicht auf, er glaubt zutiefst an etwas und sein Plan mit der Truppe muss einfach klappen.

    FILMSTARTS: Was ist der größte Unterschied zwischen „Batman V Superman“ und „Justice League“?

    Warner Bros.
    Ben Affleck: Es gibt diesmal definitiv mehr Raum für Humor. DC-Filme haben von ihrer Natur her mehr Gothic- und Mystik-Elemente als viele andere Comics. „Batman V Superman“ war ein sehr düsterer Film, der auf einer sehr düsteren Vorlage basierte. Dies ist nun die nächste Stufe der Evolution dieser Figuren – es geht um das Zusammenarbeiten, die Konflikte, die beim Zusammenarbeiten entstehen. Es geht im Zentrum um Superhelden, die gemeinsam ein Ziel erreichen wollen. Das wird hoffentlich auch Spaß machen, aber wir stellen deshalb hier jetzt nicht einfach alles auf den Kopf.

    FILMSTARTS: Wird sich Batman an einer Stelle des Films denken: „Ich werde einfach zu alt für diesen Scheiß…“

    Ben Affleck: Er denkt eher: „Ich brauche unbedingt Hilfe…“ Wir betreten eine Ecke der Comics, in dem er es mit Widersachern zu tun bekommt, die in einer ganz anderen Liga als er spielen – Kreaturen von anderen Planeten, Superbösewichten, deren Kräfte weit über die eines normalen Menschen hinausgehen.

    Aber das muss auch so sein, denn wir wollen natürlich auch die Kräfte unserer anderen Helden erforschen. Und wenn man The Flash, Wonder Woman und Cyborg mit an Bord hat, dann braucht man auch Widersacher, die denen was entgegensetzen können.

    FILMSTARTS: Batman ist der Anführer der Gruppe. Wird seine Position denn von den übrigen Mitgliedern der Justice League auch mal in Frage gestellt? Aquaman ist immerhin ein König…

    Ben Affleck: Aquaman ist ein sehr kraftvoller Charakter, der von einem kraftvollen Schauspieler mit einer starken Persönlichkeit gespielt wird. Er ist niemand, der Anweisungen von anderen befolgt. Jason Momoa hat eine sehr starke, sture, unabhängige, kraftvolle Energie. Aber es ist auch insgesamt nicht so, als ob irgendeiner der Charaktere auftaucht und sofort fragt: „Ja, Sir! Was soll ich tun?“

    Bruce Wayne versucht, eine Gruppe grundverschiedener Persönlichkeiten, die es gewohnt sind, aufgrund ihrer Fähigkeiten sehr mächtig und unabhängig zu sein, zur Zusammenarbeit zu bewegen – um diese Schwierigkeit geht es und einige Charaktere kommen sofort miteinander klar und andere kommen überhaupt nicht miteinander klar, da gibt es dann natürlich auch mal Streit.

    FILMSTARTS: Um „Batman V Superman“ gab es eine Kontroverse, weil Batman so brutal war und – wenn nötig – auch getötet hat…

    Warner Bros.
    Ben Affleck: Im vorherigen Film war Batman an einem sehr dunklen Ort, der aus einem Trauma entsprang, weil er alle diese Leute, die er geliebt und mit denen er zusammengearbeitet hat, sterben sehen musste. In diesem Film geht es nicht mehr darum, er ist nicht mehr auf diese Art extrem. Er lernt aus den Erfahrungen im letzten Film etwas dazu: Er will etwas wiedergutmachen, er will die Welt zu einem besseren Ort machen.

    FILMSTARTS: Eine Menge Leute freuen sich schon auf deinen „Batman“-Solofilm. Gibt es da einen Zeitplan, wann der in die Kinos kommen soll?

    Ben Affleck: Ich glaube, das Studio hat ein Datum im Kopf, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich es bis dahin schaffen werde. Ich habe noch kein Skript, das fertig ist. Mein Zeitplan ist einfach: Ich werde keinen Film machen, solange ich kein Skript habe, das ich für gut genug halte.

    FILMSTARTS: Wie weit seid ihr denn gerade im Schreibprozess? Gibt es schon eine erste Fassung oder zumindest schon eine Story, mit der du zufrieden bist?

    Ben Affleck: Ich habe ein Skript, an dem wir noch arbeiten, aber ich bin damit noch nicht zufrieden genug, um einen „Batman“-Film daraus zu machen. Ich habe die höchsten Standards. Das Skript muss erst ein sehr hohe Messlatte überqueren, bis ich damit zufrieden bin.

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