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    #WTF: So groß war das Pilotfolgen-Desaster von "Game Of Thrones" wirklich!
    Von David Herger — 17.08.2016 um 15:50

    In unserer wöchentlichen Trivia-Serie #WTF rollen wir unglaubliche, absurde, überraschende oder auch einfach nur saulustige Geschichten aus der Welt des Films neu auf. Außerdem könnt ihr über die #WTF-Story der kommenden Woche selbst mit abstimmen!

    HBO
    Inzwischen ist die mit 26 Emmys ausgezeichnete Fantasy-Saga „Game Of Thrones“ für den Sender HBO der Serienerfolg schlechthin – jeden Montagmorgen nach einer neuen Episode werden weltweit ausgiebigst die Geschehnisse in Westeros, Pentos & Co. diskutiert. Doch um ein Haar wäre es niemals zu dem Mega-Erfolg gekommen, denn die TV-Adaption der populären Fantasy-Romanreihe von George R.R. Martin erlebte einen mehr als nur holprigen Start.

    Für die Pilotfolge wurde damals niemand Geringeres als Regisseur Thomas McCarthy angeheuert, dessen Journalismus-Drama „Spotlight“ 2016 mit dem Oscar als Bester Film ausgezeichnet wurde. Trotzdem zeigten sich die Verantwortlichen des produzierenden Senders HBO alles andere als begeistert von dem Serienauftakt. Auch die beiden „Game Of Thrones“- Chefautoren D.B. Weiss und David Benioff, die immerhin ganze vier Jahre für die Umsetzung des ambitionierten Projekts gekämpft hatten, waren ziemlich geschockt von dem Resultat und machten sich sofort daran, ihr „Baby“ noch irgendwie zu retten.

    Eines der größten Probleme war, dass aus der Pilotfolge nicht hervorging, dass Cersei (Lena Headey) und Jaime Lannister (Nikolaj Coster-Waldau) Geschwister sind – angesichts ihrer handlungszentralen Affäre ein sicherlich nicht ganz unwesentlicher Aspekt!

    Während der ersten Testvorführung machte sich Benioff in seinem Notizblock immer wieder die Notiz „Massives Problem“, sobald sich ein solches Logikloch auftat. Allerdings musste der Drehbuchautor und Produzent nach eigener Aussage schon sehr bald einsehen, dass irgendwann alles, was er in dieser Nacht noch zu sehen bekommen hat, bloß noch ein einziges „massives Problem“ war.

    Auch der mit den Produzenten befreundete Drehbuchautor Craig Mazin („Hangover 2“) pflichtete nach der Sichtung des Piloten schweren Herzens bei: „Ihr habt ein massives Problem. […] Ändert alles!“ Benioff und Weiss nahmen ihren Freund und Kollegen beim Wort und taten genau das. Nicht nur das Skript der Pilotfolge wurde komplett überarbeitet (unter anderem wurden Flashbacks zum Niedergang des Targaryen-Königs entfernt), auch beim Cast wurden noch einige wesentliche Veränderungen vorgenommen.

    So wurden sogar handlungszentrale Figuren wie Daenerys Targaryen oder Catelyn Stark noch einmal neu besetzt. Während für die einstige Drachenmutter-Darstellerin Tamzin Merchant („Die Tudors“) schließlich die für diese Rolle inzwischen dreifach emmynominierte Emilia Clarke einsprang, wurde Jennifer Ehle („Fifty Shades Of Grey“) durch Michelle Fairley ersetzt:

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    "Game Of Thrones" ohne Emilia Clarke? Das sind die Darsteller aus der nie ausgestrahlten Pilotfolge der Kult-Serie
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    Auch bei den Drehorten gab es einige Änderungen. So wurden die Szenen mit Daenerys für den Original-Piloten in Marokko gedreht, während in der tatsächlichen Serie nun Orte auf Malta und in Kroatien für Essos Pate standen. Auch Winterfell wurde verlegt – vom schottischen Doune Castle an mehrere Orte in Nordirland.

    Das prominenteste „Opfer“ des Neudrehs ist wahrscheinlich „Game Of Thrones“-Erfinder George R.R. Martin selbst – mit ihm wurde nämlich eine Szene gedreht, in der er als Edelmann mit übergroßem Hut einen Cameo absolvierte. Im finalen Piloten wurde dieser Kurzauftritt jedoch wieder entfernt. Genauso wie der der deutschen Mittelalterband Corvus Corax, die ursprünglich bei einem Fest in Winterfell einen Auftritt hinlegen sollten.

    Die Regie übernahm beim zweiten Versuch der Serien-Veteran Timothy Van Patten, der sich zuvor unter anderem mit der Inszenierung der Erfolgsserie „Die Sopranos“ einen Namen gemacht hatte. Unter seiner Verantwortung wurden rund 90 Prozent der Szenen neu gedreht – mit für alle Beteiligten zufriedenstellendem Ergebnis. Weil trotzdem noch einige Szenen von Thomas McCarthy erhalten blieben, wird dieser in den Credits der ersten Folge zumindest noch als „Consulting Producer“ aufgeführt.

    Craig Mazin sprach 2016 in seinem Podcast Scriptnotes über die angenehme Überraschung, die er bei der Vorführung des neuen Piloten erlebte: „Ich vergesse niemals, wie ich zur Premiere der ersten Staffel eingeladen war. Ich ging ziemlich skeptisch rein und dachte nur: Mal sehen, wie es läuft. Dann saß ich da, die Serie geht los und ich bin geplättet. Absolut geplättet. Ich erinnere mich noch genau, wie ich anschließend das Kino verlassen und ihnen gesagt habe: ‚Das ist die größte Rettungsmission in der Geschichte Hollywoods!‘ Sie haben nicht nur etwas sehr Schlechtes in etwas richtig Gutes verwandelt. Sie haben einen kompletten Sack voll Scheiße in etwas Brillantes verwandelt. Das passiert eigentlich niemals!“

    Inzwischen können Benioff und Weiss den ganzen Schlamassel um die katastrophale Pilotfolge, die bis heute absolut unter Verschluss gehalten wird, mit Humor nehmen, immerhin befindet sich „Game Of Thrones“ nun schon seit Jahren auf einem ungebrochenen Erfolgskurs, der sicherlich auch noch die nächsten (und letzten?) zwei Staffeln über anhalten wird.



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