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    Früher "Star Wars", heute Einheitsbrei: Video-Essay erklärt, warum sich die Soundtracks von großen Blockbustern so sehr ähneln
    Von Julius Vietzen — 14.09.2016 um 18:45

    Früher waren Soundtracks noch eingängig und spektakulär, heute gibt es nur noch einfallslosen Einheitsbrei – das behaupten zumindest die Kollegen von Every Frame A Painting in einem Video-Essay, in dem sie Trends in der modernen Filmmusik aufzeigen.

    Walt Disney Company
    Die Filmmusik aus modernen Klassikern wie „Star Wars“, „Indiana Jones“ und „Jurassic Park“ ist legendär und Filmfans überall auf der Welt bekannt. Doch auch wenn einige Filme und Filmreihen aus jüngerer Zeit eingängige Soundtracks haben, etwa „Fluch der Karibik“ oder „Der Herr der Ringe“, gibt es in den vergangenen Jahren doch einen unschönen Trend: Soundtracks von großen Blockbustern ähneln sich immer mehr und sind ganz allgemein weniger einprägsam und eingängig. Das ist jedenfalls die Aussage der Kollegen vom YouTube-Kanal Every Frame A Painting in einem Video-Essay mit dem Titel „The Marvel Symphonic Universe“. Und auch wenn sich über einige Argumente sicherlich streiten lässt, bieten sie darin doch einen höchst interessanten Einblick in die moderne Filmmusik. Aber seht selbst:

    Vor allem die Filme aus Marvels Kinouniversum (MCU) dienen Every Frame A Painting zunächst als Beispiel für austauschbare, wenig effektvolle Musik, bevor sie sich später auch anderen Werken zuwenden. Und Marvel ist ein naheliegendes Ziel: Denn obwohl die bislang 13 Filme des MCU mit insgesamt mehr als 10 Milliarden Dollar Einspielergebnis mittlerweile das erfolgreichste Franchise aller Zeiten bilden – erfolgreicher als „James Bond“, „Star Wars“ oder „Harry Potter“ – dürfte es den meisten Menschen schwerfallen, auch nur eine einzige Melodie aus einem der Filme nachzusingen. Das behauptet zumindest Every Frame A Painting. Tatsächlich gibt es im MCU durchaus auch großartige Musik mit Wiedererkennungswert, etwa Alan Silvestris Avengers-Thema aus „The Avengers“, das erklingt, als die Superheldentruppe beim Kampf um New York zusammenfindet:

    Doch der allgemeine Trend, den Every Frame A Painting herausarbeitet, ist trotzdem unverkennbar: Anscheinend gibt es aktuell eine Entwicklung dahin, dass Filmmusik unauffällig sein soll, und die durch Schauspieler, Kameraarbeit und Inszenierung transportierten Emotionen höchstens subtil unterstützt – bei einer lustigen Szene erklingt also lustige Musik, bei einer traurigen Szene traurige Musik und so weiter.

    Doch noch viel entscheidender ist, dem obigen Video zufolge, ein anderer Trend, der das Leben von Komponisten in den vergangenen Jahren erschwert hat, und dafür sorgt, dass Filmmusik – nicht nur bei Marvel – immer gleichtöniger wird: die sogenannte temp music. Darunter versteht man Musik aus einem anderen Film, die vorübergehend verwendet wird, während Regisseur und Cutter am Schnitt des eigentlichen Films sitzen. Natürlich ist das immer nur temporär – daher auch der Name temp music – doch ab und zu ähneln sich temp music und finaler Soundtrack verdächtig. Dafür gibt es zwei Gründe: Entweder ist der Regisseur so begeistert von dem verwendeten Musikbeispiel, dass er den Komponisten anweist, die verwendete Musik nachzuahmen. Oder aber der Film ist durch die Verwendung von temp music so sehr auf ein bestimmtes Musikstück zugeschnitten, dass dem Komponisten gar keine andere Wahl mehr bleibt, als die geklaute Musik zu imitieren. Genau das beklagen in dem Video-Essay gestandene Hollywood-Komponisten wie Alexandre Desplat („Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“), Danny Elfman („Batman“) und Mychael Danna („Life Of Pi“). Die Beispiele für offensichtlich abgekupferte Musik, die Every Frame A Painting anführt, sind eindeutig – und es sind keinesfalls die einzigen Belege, wie ein weiteres Video der Kollegen zeigt:

    Doch auch wenn der Trend unverkennbar ist: Schlussendlich ist auch Filmmusik Kunst und die Frage, ob ein Soundtrack gut oder schlecht ist, reine Geschmackssache. Auch die Tatsache, dass Komponisten voneinander (und von sich selbst) abschreiben, ist keineswegs neu, sondern hat eine lange Tradition in der klassischen Musik.

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