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    Robert Rodriguez erklärt: Besetzung von Rose McGowan in "Grindhouse" war ein großes "Fuck You" an Harvey Weinstein
    Von Jennifer Ullrich — 28.10.2017 um 11:29

    „Planet Terror“ von Robert Rodriguez und Quentin Tarantinos „Death Proof“ bilden das kultige Double-Feature „Grindhouse“. Die Besetzung von Rose McGowan hatte dabei, wie erst jetzt herauskommt, auch mit Harvey Weinstein zu tun.

    Dimension Films

    Es ist der größte Hollywood-Skandal seit langer Zeit: Diesen Oktober kam heraus, dass Harvey Weinstein, Mitgründer des einflussreichen Filmstudios The Weinstein Company, über Jahrzehnte hinweg zahlreiche Frauen aus der Branche sexuell belästigt haben soll – infolgedessen feuerte ihn seine eigene Firma, zudem wurde er unter anderem von der Oskar-Akademie ausgeschlossen. Nun teilte Regisseur Robert Rodriguez eine außergewöhnliche Geschichte, die er in einem offenen Brief an das Branchenmagazin Variety niederschrieb. Danach castete er Rose McGowan neben ihrem Talent auch deshalb für „Grindhouse“ – sein gemeinsames 2007er Projekt mit Quentin Tarantino –, um den Produzenten-Mogul zu verärgern. McGowan beschuldigt Weinstein, sie 1997 vergewaltigt zu haben.

    Wie Rodriguez berichtet, habe er entsetzt reagiert, als er 2005 von McGowans Vergangenheit mit Weinstein erfuhr. Die Schauspielerin erzählte ihm damals von ihrer Begnung mit Weinstein und warum sie diesen niemals angeklagt hatte. Ihre Anwältin riet ihr der Schilderung nach, da nur Aussage gegen Aussage stehen würde, die Angelegenheit außergerichtlich zu klären – am Ende spendete Weinstein Geld an eine Unterkunft für misshandelte Frauen und McGowan verpflichtete sich, niemals öffentlich über den Vorfall zu reden. Zudem soll der Produzent beschlossen haben, dass McGowan nie wieder in einer Weinstein-Produktion mitspielen wird. Der aufgebrachte Rodriguez, der von Weinstein gefördert wurde und immer wieder mit dem Produzentenschwergewicht zusammenarbeitete, erklärte nun, dass er der Darstellerin sofort sagte, dass jenes Verbot nicht für seine Filme gelte und er caste, wen er wolle. Er bot ihr sofort eine Rolle in seinem nächsten Projekt an – und damit war ihr Auftritt in „Planet Terror“ beschlossene Sache. Er schrieb den Bad-Ass-Part sogar extra für McGowan als dickes „Fuck You“ an Weinstein.

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    Rodriguez konnte McGowan auch besetzen, weil seine Filme offiziell unter dem Banner der Weinstein-Tochterfirma Dimensions Films liefen, die von Harveys Bruder Bob geleitet wurde. So hatte Harvey Weinstein selbst auch keinen direkten Einfluss auf „Planet Terror“. In der sehr lesenswerten kompletten Stellungname von Robert Rodriguez bei den Kollegen von Variety erzählt der Regisseur unter anderem auch noch, wie er Weinstein von der Besetzung von McGowan erzählte und wie dieser sich dafür angeblich rächte.

    So konnte Rodriguez Weinstein natürlich nicht direkt schildern, warum er McGowan besetzte und sich auch nicht öffentlich dazu äußern, da er sonst enthüllt hätte, dass die Schauspielerin gegen ihre getroffene Vereinbarung verstoßen hat. Wie er ausführt, hätten McGowan und er so auch riskiert, von Weinstein verklagt zu werden. Doch der Filmemacher glaubt, dass Weinstein sich trotzdem rächte. So ist Rodriguez überzeugt, dass der mächtige Produzent das von ihm und Quentin Tarantino entwickelte „Grindhouse“-Doppel, zu dem neben „Planet Terror“ auch „Death Proof“ gehört, bewusst begrub. Der Film enttäuschte damals an den US-Kinokassen.

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    Harvey Weinstein war in der Branche dafür bekannt und berüchtigt, dass er Filme beerdigen konnte, wenn er Auseinandersetzungen mit Regisseur und/oder Darstellern hatte. Er rühmte sich sogar selbst damit und im Gegensatz zu den sexuellen Belästigungen von Frauen wurde darüber in Hollywood offen geredet. Viele Filmemacher beklagten, dass Weinstein ihre Filme nicht veröffentlichte oder sie in nur wenigen Kinos und ohne jede Werbung versenkte. Ob er wie Rodriguez anklagt, aber auch „Grindhouse“ so torpedierte, bleibt fraglich. Immerhin wurde der Film breit gestartet und beworben.

    Ein großer Teil des Skandals um den mächtigen Produzenten ist, dass Weinstein über Dekaden hinweg Frauen ohne Konsequenzen sexuell belästigen könnte und viele - wie zum Beispiel auch Quentin Tarantino - heute zugeben, etwas gewusst, aber nichts getan zu haben. Zumindest scheint es aber in einigen Bereichen so etwas wie eine stille Rebellion gegen sein Verhalten gegeben zu haben, wobei auch Robert Rodriguez anschließend weiter mit der Firma von Harvey Weinstein arbeitete (zuletzt zum Beispiel bei „Sin City 2“). Bei einem Blick in die Arbeiten des Regisseurs fällt aber zumindest auf, dass er mit seinem einstigen Förderer scheinbar nur noch arbeitete, wenn er vertraglich verpflichtet war, neue Projekte („Das Geheimnis des Regenbogensteins“, „Predators“) aber ohne Weinstein anging.

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