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    Wegen romantischer Szene, die wohl gar nicht existiert: Politiker bietet 1,2 Millionen Euro für Tod von Superstar

    Deepika Padukone gehört zu den größten Stars in Indien, zu den bestbezahlten Schauspielerinnen der Welt und machte schon einen Abstecher nach Hollywood. Doch nun fürchten sie, ein Kollege und ihr Regisseur wegen des Films „Padmavati“ um ihr Leben….

    Viacom18 Motion Pictures

    Am 1. Dezember 2017 sollte „Padmavati“ eigentlich in den indischen Kinos anlaufen, doch der Start wurde nun abgesagt – nachdem es viel Aufruhr um das Werk gab und die Beteiligten um Hauptdarstellerin Deepika Padukone deswegen sogar um ihr Leben fürchten müssen – und alles wegen einer angeblich im Film enthaltenen Szene, die es wahrscheinlich aber gar nicht gibt.

    Bollywood-Superstar Padukone spielt Rani Padmavati, die im 13. und 14. Jahrhundert der Legende nach eine indische Königin war. Sie soll unglaublich schön gewesen sein, was den Sultan Alauddin Khalji dazu bewogen haben soll, ihr Land anzugreifen, um sie für sich zu besitzen. Doch die starke Königin und ihr Volk leisten erbitterten Widerstand und verwickeln den Sultan in einen langen Krieg. Wie alten Gedichten und Erzählungen zu entnehmen ist, soll sich die Königin, als sich dann doch die Niederlage abzeichnete, selbst verbrannt haben, um der Ergreifung zu entgehen. Als der Sultan so nach blutigem Kampf ihre Burg eroberte, fand er nur leere Räume vor.

    Sturmlauf religiöser Fanatiker

    Für Aufsehen sorgt im hinduistischen Indien vor allem, dass in „Padmavati“ angeblich eine romantische Traumsequenz (!) zwischen der titelgebenden Königin und dem muslimischen Sultan enthalten sein soll. Konservative Hinduisten, denen das Projekt sowieso ein Dorn im Auge ist, gingen nach dem Aufkommen des Gerüchts auf die Barrikaden. Sie forderten zuerst ein Verbot des Films und haben damit wohl Erfolg. Nachdem die indische Freigabebehörde eine Zulassung mit dem Hinweis verweigerte, der eingereichte Antrag sei „nicht vollständig“, entschieden die Macher nun selbstständig, ihren Film vorerst nicht herauszubringen. Zuvor erklärte der zuständige Minister noch öffentlich, dass der Film nur veröffentlicht werden könne, wenn durch Schnitte sichergestellt sei, dass damit keine Gefühle verletzt werden.

    Doch es kommt noch schlimmer. Wie die HindustanTimes berichtet, hat ein hochrangiger indischer Politiker öffentlich den Kopf der Beteiligten gefordert – und zwar wortwörtlich. Suraj Pal Amu, Chef-Media-Koordinator des Landes, erklärte zuerst „nur“, dass man Schauspieler Ranveer Singh, der den Sultan spielt, die Beine brechen werde. Doch dann ging er noch weiter und bot eine Millionensumme, um Hauptdarstellerin Deepika Padukone, Ranveer Singh sowie Regisseur Sanjay Leela Bhansali köpfen (!) zu lassen.

    1,2 Millionen Euro Kopfgeld

    Angesprochen auf die Bekanntmachung einer Jugendbewegung aus der Millionenstadt Meerut, dass man 50 Millionen Rupien für jeden zahle, der die Hauptdarsteller Deepika Padukone und Ranveer Singh oder Regisseur Sanjay Leela Bhansali köpfe, fand der Politiker nicht nur lobende Worte, sondern erklärte schließlich diese Summe auf 100 Millionen Rupien zu erhöhen – was rund 1,2 Millionen Euro entspricht. Zusätzlich werde man sicherstellen, dass es den Familien der Täter danach gut gehe.

    Die Beteiligten fürchten nun um ihr Leben und stehen unter verstärktem Personenschutz, nachdem dieser schon mit Beginn der Dreharbeiten eingerichtet wurde. Denn schon damals gab es erste Drohungen und es kam sogar zu einem Angriff auf das Filmset. Seit Anfang an ist der Vorwurf dabei, der Film „verzerre die Geschichte“. Es werde so das Denkmal der verehrten Königin beschmutzt.

    Traumsequenz gibt es angeblich nicht

    Wie oft, wenn bereits im Vorfeld gegen einen Film Sturm gelaufen wird, haben die Protestierenden das Werk übrigens noch gar nicht gesehen. Ob er die Geschichte „verzerrt“ wird, ob es eine romantische Szene zwischen den Figuren gibt, ist daher gar nicht bekannt. Der preisgekrönte und renommierte Regisseur Sanjay Leela Bhansali,  der mit dem Drama „Black“ einen der nach Meinung vieler Kritiker besten indischen Filme des bisherigen Jahrtausends gedreht hat, widerspricht dem zudem deutlich.

    Der Filmemacher erklärte bereits Anfang November in einem extra veröffentlichten YouTube-Video, dass es im ganzen Film überhaupt keine Interaktion zwischen Deepika Padukone und Ranveer Singh gebe. Die Figuren der beiden Hauptdarsteller seien nie aufeinandergetroffen, daher treffen sie auch im Film nicht aufeinander, denn es gebe auch keine Traumsequenz. Die beiden Schauspieler hätten nicht einen einzigen Tag gemeinsam vor der Kamera gestanden. Er wisse nicht, wer dieses absurde Gerücht gestartet habe.

    Deepika Padukone: Superstar mit starker Meinung

    Hauptdarstellerin Deepika Padukone gehört zu den größten Stars und bestbezahlten Schauspielerinnen der Welt. Die im dänischen Kopenhagen geborene Padukone startete zuerst als Model durch und feierte dann 2007 mit „Om Shanti Om“ ihren Durchbruch als Schauspielerin. Seitdem sind Filme mit ihr regelmäßig Kassenhits – nicht nur in Indien, sondern auch in vielen anderen Ländern der Welt.

    Auch einen Ausflug nach Hollywood unternahm sie bereits. In „xXx 3: Die Rückkehr des Xander Cage“ bekleidet sie eine wichtige Antagonistenrolle. In ihrer Heimat Indien sorgt sie immer wieder für Aufsehen, weil sie feministische Bewegungen unterstützt und sich sehr lautstark gegen die immer noch mangelnde Gleichberechtigung von Mann und Frau in dem südasiatischen Milliardenstaat engagiert. Zudem machte sie öffentlich, dass sie unter Depressionen litt und brachte Kampagnen auf den Weg, um die Behandlung der Krankheit zu verbessern. Mit diesen Aktivitäten ist sie vielen konservativen Politikern ein Dorn im Auge…

    Ob und wann „Padmavati“ nun veröffentlicht wird, ist unbekannt. In Großbritannien, wo es eine große indische Gemeinde gibt, könnte der Film aber in den Kinos laufen. Dort wurde er den lokalen Freigabebehörden vorgelegt und bekam wegen „moderaten Gewaltszenen und dem Zeigen von einer paar Verletzungen“ eine Freigabe ab 12 Jahren. Ob er dort aber - wie ursprünglich geplant - auch wirklich am 1. Dezember erscheinen wird, ist unbekannt.

     

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