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    Darum könnte "Spider-Man: A New Universe" der bisher beste Film über den Superhelden werden
    Von Alexander Friedrich — 03.11.2018 um 19:22

    Am Rande der Comic Con in London konnten wir schon über eine halbe Stunde aus „Spider-Man: A New Universe” sehen und sind richtig begeistert von dem ersten animierten Kinoabenteuer des Superhelden.

    2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

    Mit „Venom” startete gerade ein neues Filmuniversum rund um Figuren, die wir mit dem ikonischen Superhelden Spider-Man verbinden - ohne dass der Spinnenmann selbst aber überhaupt darin auftaucht. Vielmehr sollen die Schurken und Erzfeinde von Peter Parker im Vordergrund stehen, während der eigentliche Held vorerst den Filmen des Marvel Cinematic Universe vorbehalten bleibt. So ganz verzichten will Sony auf einen der beliebtesten Helden der Comic-Geschichte jedoch nicht. Daher kommt am 13. Dezember 2018 „Spider-Man: A New Universe” in die Kinos. Und während uns „Venom” noch nicht wirklich überzeugt hat, könnte Produzent und Quasi-Spiderverse-Boss Avi Arad mit seinem animierten Ableger genau ins Schwarze treffen.

    Anlässlich der MCM Comic Con in London waren nun nämlich die ersten 37 Minuten des Films zu sehen. Wir wurden von Sony nach London eingeladen und konnten zusätzlich zu diesem Auftakt auch noch einige weitere Szenen sichten und mit den Regisseuren Bob Persichetti, Peter Ramsey und Rodney Rothman sowie Schauspieler Shameik Moore („Dope”), der dem neuen Spider-Man Miles Morales seine Stimme leiht, sprechen. Während wir euch über den Inhalt der exklusiven Szenen noch nichts verraten dürfen, können wir euch schon einmal sagen, worum es in „Spider-Man: A New Universe” geht und warum uns das gezeigte Material vom Hocker gehauen hat.

    Die Story von “Spider-Man: A New Universe”

    Eingeführt werden wir in die Geschichte mit dem bekannten „Spidey” Peter Parker (gesprochen von Jake Johnson), der im uns so vertrauten rot-blauen Heldenkostüm Manhattan beschützt. Doch kaum sagt er, „Es kann nur einen Spider-Man geben, oder?”, da springt das Geschehen auch schon zum jungen Miles Morales, der im New Yorker Stadtteil Brooklyn aufwächst. Der Teenager hat die typischen Sorgen eines Schülers und ist ein großer Bewunderer von Spider-Man. Seine Freizeit verbringt er vor allem mit seinem Onkel Aaron (gesprochen von Oscarpreisträger Mahershala Ali). Als sie sich eines Abends zusammen im New Yorker Untergrund an einem Graffiti-Kunstwerk versuchen, wird Miles von einer Spinne gebissen, worauf der Jugendliche plötzlich außergewöhnliche Fähigkeiten entwickelt. Und die erinnern ihn stark an sein Superheldenidol…

    Ein ganz neuer Blick auf die Spinne

    Diese Origin-Story kommt einem natürlich zunächst sehr bekannt vor, doch wir können nach den rund 45 Minuten, die wir bislang von „Spider-Man: A New Universe” gesehen haben, mit gutem Gewissen sagen: Die insgesamt drei Regisseure sowie die als Produzenten involvierten „The LEGO Movie”-Macher Christopher Miller und Phil Lord, (letzterer schrieb auch am Drehbuch mit) wärmen hier nicht Altbekanntes auf, sondern wählen mit einem einzigartigen Stil einen neuen Ansatz. So gibt es nun nicht nach Tobey Maguires Darstellung für Sam Raimi, den Filmen mit Andrew Garfield und Tom Hollands aktueller Darbietung im MCU einfach den nächsten Reboot, sondern eine ganz neue Interpretation der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft - mit vertrauten Elementen aber auch ganz vielen frischen Ansätzen.

    Einige dieser Unterschiede sind auf den ersten Blick erkennbar. Nicht Peter Parker steht im Vordergrund sondern eben der in den Comics seit 2011 durch die „Ultimate Fallout”-Reihe bekannten Miles Morales, der auch nicht in Queens, sondern in Brooklyn aufwächst - einem New Yorker Stadtteil, der automatisch einen ganz anderen Look mitbringt. Und auch Miles selbst unterscheidet sich nicht nur optisch deutlich von Peter Parker, sondern bringt auch eine ganz eigene Persönlichkeit mit. Er ist dann auch zum Beispiel kein Außenseiter wie Hobby-Fotograf Peter, sondern an seiner Schule sehr beliebt.

    Sony Pictures
    Miles Morales (Bildmitte) probiert sich mit Onkel Aaron gerne an Graffitis.

    Ein schon im Originaltitel „Into The Spider-Verse” durchscheinender Meta-Ansatz macht den neuesten Spider-Man-Film aber endgültig ungewöhnlich. Das fängt schon mit kleinen Details an - so macht es viel Spaß, wenn Miles in Spider-Man-Comics blättert und erkennt, wie ihm genau das Gleiche widerfährt wie seinem Lieblingshelden Peter Parker. Wie schon im kurzen Inhaltsabriss angedeutet, spielt auch Peter Parker selbst eine nicht ganz unwichtige Rolle im Film. Doch wie schon die Trailer und auch die lange Abspannszene am Ende von „Venom” zeigen (daher verraten wir hier nicht zu viel), gibt es nicht nur jenen Peter, den Miles aus seiner eigenen Welt kennt und als Fan verehrt, sondern auch noch eine Version aus einer ganz anderen Dimension. Diese, ein wenig an die Multiversums-Reisen in der TV-Serie „The Flash” erinnernde Idee ist nicht nur ziemlich verrückt und abgedreht, sondern hat uns in dem bereits gesehen Material richtig viel Spaß bereitet.

    Ein Animationsfilm: Die perfekte Wahl

    Auch darüber hinaus wirkt „Spider-Man: A New Universe” erfrischend neu, ungewohnt und fast schon avantgardistisch für das mittlerweile so routiniert daher kommende Marvel-Comic-Adaptionen-Business. Dazu tragen vor allem das flotte Erzähltempo und der überragend aussehende, sehr farbenfrohe Zeichenstil, der sich schon in den Trailern erahnen lässt, bei. Auch wir waren skeptisch. Doch es war die richtige Entscheidung, gerade eine solche Story mit vielen Spider-Figuren aus verschiedenen Universen als Animationsfilm auf die Beine zu stellen. Nach wenigen Sekunden ist man voll im Geschehen, es entsteht sofort der Eindruck, einen zum Leben erwachten Comic zu sehen und diese noch unberührte Welt ist direkt faszinierend und fesselnd, wozu auch Daniel Pembertons („Codename U.N.C.L.E.”) Musik und der sehr dynamische Schnitt beitragen. Auch wenn wir euch noch nicht zu viel verraten dürfen, ist es zum Beispiel beeindruckend, wie Miles’ neu erlernter Spinnensinn visualisiert wird. Und der berühmte Spinnenbiss selbst wurde noch nie so cool auf der großen Kinoleinwand inszeniert.

    Zum Abschluss wollen wir natürlich auch noch auf den Humor eingehen. Hier wird deutlich, dass Phil Lord und Chris Miller bei diesem Spider-Man-Animationsabenteuer ihre Hände im Spiel haben. Die Gags unterscheiden sich jedenfalls deutlich vom sehr direkten Humor im MCU oder auch den witzigeren Einlagen zuletzt in „Venom”. Der Holzhammer bleibt eingepackt, teilweise sind die Witze sehr subversiv und selbst politische Untertöne fehlen nicht. Da verwundert es nicht, dass die anwesende Journalistenschar bei der Vorführung im bei Graffiti-Künstlern so beliebten Katakomben des Londoner Leake Street Tunnel mehrfach lauthals lachten. Dass es neben dem Witz auch Momente zum Fürchten gab, lag übrigens nicht an der ungewöhnlichen Screening-Location, sondern an einem Fanliebling: Der von Liev Schreiber („Spotlight”) vertonte Kingpin unterscheidet sich massiv von Vincent D’Onofrios aktueller Darbietung in „Daredevil”, doch könnte auf eine ganz andere Weise eine erneute herausragende Darstellung des angsteinflößenden Marvel-Bösewichts sein.

    Alexander Friedrich
    Im Londoner Leake Street Tunnel verewigt: Zumindest solange, bis die nächsten Künstler der Stadt sich an der Wand versuchen

    Natürlich bleibt es am Ende abzuwarten, ob „Spider-Man: A New Universe” den positiven Eindruck des bisher geschauten Materials bestätigen kann, doch wir freuen uns auf den Kinostart am 13. Dezember 2018 und können uns sogar vorstellen, dass wir dann den bis dato besten Kinofilm mit unserer Lieblingsspinne zu sehen bekommen.

     

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