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    "Star Wars 9": Warum "Star Wars 7" und "Star Wars 8" besser sind
    Von Tobias Mayer — 01.01.2020 um 09:00

    Ich mag „Episode 9: Der Aufstieg Skywalkers“. Das hier wird kein Ich-haue-auf-den-Film-drauf-Artikel. Aber J.J. Abrams hatte einfach einen sehr schweren Job – außerdem haben er und Rian Johnson bei 7 und 8 einen besonders guten gemacht.

    The Walt Disney Company

    +++ Meinung +++

    Ich erinnere mich noch an die Zeit, als es hieß, dass nie wieder neue „Star Wars“-Filme erscheinen werden. Diese Parole hatte George Lucas nach „Episode 3: Die Rache der Sith“ (2005) ausgegeben (und missachtet, als er bei Disney Entwürfe der Episoden 7-9 einreichte). Nun ist die Sequel-Trilogie auch schon wieder vorbei. J.J. Abrams hat die Skywalker-Geschichte in „Star Wars 9“ tatsächlich zum Abschluss gebracht – selbstverständlich werden weitere „Star Wars“-Filme kommen, aber sicherlich keine mehr, die mit dem Stammbaum Anakin Skywalkers zu tun haben.

    Mir hat die Sequel-Trilogie gut gefallen. Sie mag in ihren Verweisen hier und da ein wenig zu sehr Kopie sein, vor allem jedoch ist sie die Geschichte eines schweren Erbes: Ich weiß, dass die Disney-Hasser unter den mitlesenden Kommentatoren nun gleich wieder in die Tasten kotzen werden, von wegen Einfallslosigkeit und so, aber wer wie J.J. Abrams und Rian Johnson über die nächste Generation der „Star Wars“-Helden erzählt, der muss nun mal auch Wiederholungen erzählen. Denn Geschichte wiederholt sich.

    "Star Wars 7": Besser erzählt als "Star Wars 9"

    Gleichwohl sehe ich, dass nicht alle Sequel-Filme durchweg gelungen sind. Ich schaue da weniger auf den Plot und die beliebte Frage, was wohl gewesen wäre, wenn es einen großen Story-Plan gegeben hätte. Viel wichtiger ist ja die Vermittlung der Handlung – und dahingehend war J.J. Abrams wahrscheinlich nie besser als in den Eröffnungsszenen von „Star Wars 7: Das Erwachen der Macht“.

    Finn (John Boyega) und Rey (Daisy Ridley) werden dermaßen prägnant eingeführt, dass ich danach das Gefühl habe, sie seit Jahren zu kennen: Hier der Sturmtruppler mit Gewissen, der nicht auf Unschuldige schießen will, da die einsame Sammlerin, die das Beste aus dem riesigen Schrotthaufen holt, den ihr die alte Generation hinterlassen hat (das ist wörtlich und metaphorisch zu verstehen). Das explosive Kennenlernen von Finn und Rey profitiert dann von der großartigen Chemie zwischen Boyega und Ridley: Sie spielen zwei Menschen, die sich ein Leben lang gesucht haben.

    In „Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers“ führt Abrams ebenfalls neue Figuren ein, vor allem die Schmugglerin Zorii Bliss (Keri Russell) und die Rebellin Jannah (Naomi Ackie), doch keine von ihnen wird auch nur annähernd greifbar (selbst nach den Maßstäben von Nebenfiguren).

    "Star Wars 8": Besser inszeniert als "Star Wars 9"

    Ich muss da noch ein wenig länger drüber nachdenken, aber womöglich hat Rian Johnson mit seinem kontroversen „Star Wars 8: Die letzten Jedi“ den am besten inszenierten Film der kompletten Reihe geliefert – in jedem Fall ist es der am besten inszenierte „Star Wars“ nach „Das Imperium schlägt zurück“. Das liegt an Details wie dem Wechselspiel von Licht und Schatten in Luke Skywalkers Gesicht, als er das erste Mal mit Rey spricht, aufgerüttelt von der Verheißung einer neuen Chance und niedergedrückt durch sein Scheitern mit Ben Solo...

    ... und es liegt an visuellen Großtaten: Da wäre zum Beispiel die Schlacht auf Crait, wo der Planet ob der Einschüsse rot zu bluten und der dezimierte Widerstand in Aussicht auf endlose Salzwüsten und die heranrückende Feindarmee verloren scheint. Kein Bild aus „Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers“ hat eine ähnliche Kraft.

    Schwerer Job für JJ

    Allerdings war es für J.J. Abrams in „Episode 9“ ohnehin schwer genug, die ganze Sache zum Abschluss zu bringen. Er kam spät an Bord, nachdem sich Regisseur Colin Trevorrow und Lucasfilm-Chefin Kathleen Kennedy nicht auf eine Geschichte einigen konnten, sodass drei Monate weniger Zeit für die Postproduktion blieben (im Interview mit Entertainment Weekly bezeichnet er die Produktion als Rennen). Carrie Fisher war tot, musste aber trotzdem im Film vorkommen – und man kann sich die Nervosität von Disney vorstellen, die Abrams nach den teils harschen Fan-Reaktionen auf „Star Wars 8“ und dem „Solo“-Flop zu spüren bekommen haben wird.

    Manchmal besteht die größtmögliche Leistung darin, etwas überhaupt durchzuziehen – Abrams hat es getan und ich freue mich schon drauf, mir die Sequels zur Heimkinoveröffentlichung von „Star Wars 9“* im Marathon anzusehen. Der Abschluss mag schwächer sein als die anderen beiden Teile, hat aber viel Energie sowie eine wunderbare Botschaft darüber, dass das Böse nur im Team zu schlagen ist – und außerdem bin ich als „Star Wars“-Fan ja daran gewöhnt, dass der dritte Film schlechter ist als die anderen.

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    Ist "Star Wars 9" ein Mittelfinger an "Star Wars 8" und Rian Johnson?

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