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    Löst "Der einzig wahre Ivan" das "König der Löwen"-Problem? Unser Interview zum neuen Film auf Disney+
    Von Daniel Fabian — 12.09.2020 um 13:30

    Disney-Filme, die doch nicht ins Kino kommen, täuschend echt wirkende Tiere aus dem Computer und die Chancen auf Teil 2: Wir haben mit Regisseurin Thea Sharrock über „Mulan“, „König der Löwen“ und „Der einzig wahre Ivan 2“ gesprochen.

    Walt Disney Germany

    Nach „Artemis Fowl“ und „Mulan“ fand mit „Der einzig wahre Ivan“ am 11. September 2020 nun bereits der dritte fürs Kino produzierte Disney-Film den Weg direkt zu Disney+ – trotz eines namhaften Casts, wie man ihn ansonsten auf der Leinwand erwarten würde (von Bryan Cranston über Sam Rockwell und Angelina Jolie bis Danny DeVito).

    Regie führte „Ein ganzes halbes Jahr“-Macherin Thea Sharrock, die eigentlich vom Theater kommt und mit der Verfilmung des preisgekrönten gleichnamigen Kinderbuchs* um den legendären Silberrücken Ivan (den es tatsächlich gab), der jahrzehntelang als Show-Act in einem Einkaufszentrum auftrat, ihren erst zweiten Spielfilm inszenierte.

    „Der einzig wahre Ivan“ auf Disney+*

    Die FILMSTARTS-Kritik zu „Der einzig wahre Ivan“

    FILMSTARTS: Erst einmal Gratulation zu deinem ersten Disney-Film. Auch wenn ich ihn natürlich lieber auf der Leinwand gesehen hätte…

    Thea Sharrock: Ich weiß, ich weiß. Er wurde ja auch fürs Kino gedreht und wir konnten es auch kaum erwarten, den Leuten unseren Film und vor allem das Ergebnis der langen und harten Arbeit unserer Animationskünstler zu präsentieren.

    Aber die Welt befindet sich gerade in einer schwierigen Situation und ich denke, letzten Endes sind wir einfach unendlich dankbar über die Möglichkeit, den Film auf Disney+ zu veröffentlichen – und ihn nicht für weiß Gott wie lange zurückzuhalten.

     

    FILMSTARTS: Seit „Der König der Löwen“ (2019) wissen wir, dass man Tiere praktisch lebensecht animieren kann. Wenn die dann allerdings auch sprechen können oder vermenschlichte Verhaltensweisen an den Tag legen, entsteht schnell mal eine Art Uncanny-Valley-Effekt, die Tiere wirken also trotz der technischen Perfektion irgendwie merkwürdig. Worauf kommt es denn an, Tiere nicht nur täuschend echt aussehen, sondern gleichzeitig auch glaubwürdig wirken zu lassen? Was war dein Ansatz?

    Thea Sharrock: Ich würde sagen, dass man Einstellung für Einstellung daran arbeiten muss – ein Tier nach dem anderen. Jedenfalls war das unser Ansatz. Man setzt sich mit den Regeln für einen Hund, für ein Huhn, für einen Gorilla auseinander, mit den Muskeln und Knochen dieser Tiere, und arbeitet dann mit den ihnen gegebenen Möglichkeiten.

    Die größte Herausforderung ist es dabei, ihnen eine Seele zu geben, Gedanken und Gefühle, die wir auch von uns selbst kennen, sie gleichzeitig aber auch Tiere bleiben zu lassen. Und je stärker sich die Vierbeiner vom Menschen unterscheiden, desto schwieriger ist es, diese Balance zu finden.

    Uncanny Valley wird es da wohl immer geben. Nichtsdestotrotz ist es schon beeindruckend, wie nah wir der Realität schon kommen. Im Unterschied zu „Der König der Löwen“, in dem ja Katzen im Vordergrund stehen, ist Ivan als Gorilla aber einfach viel menschlicher. Deshalb kam es uns bei ihm vor allem darauf an, ihm besonders starken Ausdruck in den Augen zu verleihen. Man sollte seine Gefühle spüren, auch ohne dass er sie ausspricht.

    Disney
    Ein Blick in die Augen von Ivan und man weiß, was der (animierte) Gorilla fühlt

    FILMSTARTS: Gibt es in deinem Film eigentlich auch echte Tiere zu sehen oder stammen wirklich alle Vierbeiner aus dem Computer?

    Thea Sharrock: Nein, keine echten Tiere. Alle sind animiert.

    FILMSTARTS: Auch „Mulan“ kommt nun nicht ins Kino, sondern direkt zu Disney+ [das Interview wurde vor dem „Mulan“-Start am 4. September geführt]. Sollte sich diese Methode bewähren, geht damit aber auch ein Stück Disney-Magie verloren, findest du nicht auch? Wenn ich zum Beispiel Leute in meinem Alter frage, war für die meisten „Der König der Löwen“ (1994) der erste Kinobesuch in ihrem Leben – den sie nie vergessen werden…

    Thea Sharrock: Ich weiß, dass das [Anm. d. Red.: die Veröffentlichung von „Mulan“ auf Disney+] eine wirklich, wirklich schwere Entscheidung für alle war. Man hat Monat für Monat abgewartet und sich dann – auch in zeitlicher Abstimmung mit unserem Film – auf einen Start auf Disney+ Anfang September geeinigt.

    Aber das zeigt einfach, dass wir derzeit Wege finden müssen, mit einer noch nie da gewesenen Situation umzugehen. Das ist das Entscheidende. Ich persönlich – und ich bin mir sicher, alle, die an „Mulan“ gearbeitet haben, würden mir da zustimmen – bin sehr glücklich darüber, dass Disney+ rechtzeitig geschaffen wurde. Denn so haben wir eine Alternative, auf die wir zurückgreifen können. Gerade in Zeiten wie diesen brauchen wir doch alle etwas Freude, irgendetwas, das unserem Leben gut tut und etwas, das wir gemeinsam erleben können.

    Es bleibt uns aber ohnehin nichts Anderes übrig, als den Wissenschaftlern zu vertrauen, eine Lösung zu finden. Damit die derzeitige Situation nicht zum Dauerzustand wird, sondern eine Momentaufnahme bleibt, auf die wir bald zurückblicken können.

    Disney
    Könnte noch seinen eigenen Film bekommen: Streuner Bob (Stimme im Original: Danny DeVito)

    FILMSTARTS: Vielleicht können wir einen zweiten „Der einzig wahre Ivan“-Film dann ja sogar im Kino erleben. Ich habe ja erst nachdem ich den Film gesehen habe herausgefunden, dass es auch eine Fortsetzung zur Buchvorlage gibt…

    Thea Sharrock: Ja, mein Freund. Die gibt es.

    FILMSTARTS: Da sich das zweite Buch um Hund Bob dreht und Danny DeVito als zotteliger Streuner praktisch jede seiner Szenen im Film an sich reißt, könnte ich mir einen Film um ihn auch tatsächlich sehr gut vorstellen. Hättest du da Lust drauf?

    Thea Sharrock: Nun, „The One And Only Bob“* ist eine wunderschöne Geschichte, die aber auch ganz anders als „The One And Only Ivan“ ist – das ist das Wunderbare daran. Ich habe das Buch ja nicht nur gelesen, sondern mit ihm [Danny DeVito] gemeinsam auch das Hörbuch aufgenommen!

    FILMSTARTS: Dann hast du ja schon eine gewisse Beziehung zu dem Stoff…

    Thea Sharrock: Ja. Also, wer weiß. Ich glaube, wenn den Leuten unser Film gefällt und sie mehr wollen, dann wäre es absolut großartig, auch Bobs Geschichte zu verfilmen.

    FILMSTARTS: Ich drücke die Daumen. Nach „Der einzig wahre Ivan“ würde es mich jedenfalls wundern, wenn irgendjemand nicht mehr von Bob sehen wollen würde…

    Thea Sharrock: Oder?! [lacht]

    Erste Box-Office-Ergebnisse deuten darauf hin: "Mulan" wäre im Kino wohl ein Hit geworden!

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