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    "Fate: The Winx Saga": Warum ich die Netflix-Serie nach einer Folge abgebrochen habe
    Von Benjamin Hecht — 29.01.2021 um 16:00

    „Fate: The Winx Saga“ ist aktuell ein großes Thema bei Netflix. Ich habe der Fantasy-Serie eine Chance gegeben, doch leider hat sie meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt.

    Netflix

    +++ Meinung +++

    Ich bin mir bewusst, dass ich nicht zur Zielgruppe von „Fate: The Winx Saga“ gehöre. Trotzdem bin ich vom neuen Netflix-Hit maßlos enttäuscht. Aufgrund ihrer Popularität wollte ich Bloom (Abigail Cowen) und ihren Abenteuern auf dem Feen-College eine faire Chance geben. Ich habe versucht, alle meine Vorurteile über düstere Fantasy-Serien für junge Erwachsene über den Haufen zu werfen, und mich darauf einzulassen.

    Doch Fehlanzeige: Seit ich die erste Episode gesehen habe, sind aus den Vorurteilen Urteile geworden und die sind alles andere als versöhnend. In den folgenden Zeilen möchte ich euch erklären, was mit „Fate: The Winx Saga“ falsch läuft und warum ich nicht im Traum daran denke, nach der ersten Episode weiterzumachen (auch wenn ich die Möglichkeit nicht ausschließen kann, dass es danach besser wird).

    "Fate: The Winx Saga": Von Anfang an generisch

    Um euch gleich mal zu verdeutlichen, warum mich „Fate: The Winx Saga“ schon von der ersten Minute an enttäuscht hat, hier eine kurze Zusammenfassung des Einstiegs, der mir stellvertretend für die Ideenlosigkeit der Netflix-Serie zu stehen scheint:

    Ein Mann läuft durch einen dunklen Wald, hört ein Geräusch und macht sich auf die Suche nach der Ursache. Plötzlich tropft es von oben. Er blickt herauf und sieht einen Tierkadaver. Das Geräusch wird lauter. Der Mann gerät in Panik, rennt weg und stolpert. Nun bewegt er sich kriechend vor, um das rettende Ziel zu erreichen. Er hat es fast geschafft, doch oh nein! Sein Verfolger packt ihn an den Beinen und zerrt ihn aus dem Bild. Blut spritzt, Schreie hallen durch den Wald.

    Es ist ein beliebtes Vorgehen in Filmen und Serien, die irgendeine mordende Bedrohung beinhalten, einen brutalen Gewaltakt gleich in der allerersten Szene stattfinden zu lassen. Das hat zwei entscheidende Vorteile: Erstens passiert schon ganz am Anfang etwas Spannendes und zweitens wird die Gefahr eingeführt, die im Laufe der restlichen Geschichte wie ein bedrohlicher Schatten über der kommenden Handlung schweben soll.

    Netflix
    Sterben ist ja eh doof, aber dann auch noch in einer generischen Horrorsequenz... Der arme Kerl!

    Diese Umsetzung ist an sich ein effektiver Weg, um mit einer Geschichte zu starten, nur leider wird sie viel zu oft eingesetzt. Damit eine solche Szene nicht wie die hundertste Variante der immer selben Leier daherkommt, braucht es zumindest ein Element, das irgendwie aus der Masse heraussticht und neugierig macht.

    In „Game Of Thrones“, wo derselbe Kniff angewendet wird, ist es die riesige Mauer aus Eis, die schon in einer der ersten Einstellungen neugierig macht. Darüber hinaus wird das erste Treffen mit der Gefahr hinter der Barriere auch einfach weniger formelhaft inszeniert.

    Offenbar fehlt „Fate: The Winx Saga“ jegliche individuelle Handschrift. Man hätte die Einstiegssequenz auch genauso in eine beliebige andere düstere Fantasy-Serie packen können und es wäre vermutlich nicht groß aufgefallen. Ähnlich uninspiriert geht es fast in der kompletten Debüt-Episode weiter.

    "Fate: The Winx Saga" erklärt: Mit diesem Video blickt ihr durch

    Ich könnte jetzt mit der zweiten Szene fortfahren, in der Bloom von Popmusik untermalt über ihren neuen Campus schlendert, während die Kamera auf die anderen Hauptfiguren schwenkt und sie bei Tätigkeiten zeigt, die ihre Persönlichkeit repräsentieren, Bloom daraufhin vom heißesten Typen der Schule angesprochen wird und sich die beiden einen schnippischen Flirt liefern. Egal, was gerade in der ersten Episode „Fate: The Winx Saga“ passiert: Ich habe das Gefühl, es schon mal gesehen zu haben – und zwar leider besser.

    Die mieseste Mutter der Welt

    Die so generische Natur von „Fate: The Winx Saga“ scheint mir aber nicht das einzige Problem der Netflix-Fantasy zu sein. Das gehetzte Abklappern vorhersehbarer Plotpunkte, irrationales Verhalten der Figuren sowie die furchtbaren Dialoge machen das ganze noch schlimmer.

    Gerade Hauptfigur Bloom hat mich mehrfach einfach nur sprachlos und verwirrt zurückgelassen. Sie ist gerade am Campus angekommen und hat noch keine schlechte Erfahrung dort gemacht, da will sie sofort schon wieder nach Hause. Schönling Sky (Danny Griffin) warnt sie zwar davor, dass es hinter der Barriere nicht sicher sei, aber dennoch begibt sich Bloom auf den Weg nachts durch den Wald, um zu ihrer Familie zurückzukehren.

    Blooms Heimweh ist aber nicht authentisch, denn zu Hause hat sie sich nicht wohlgefühlt, wie Rückblenden beweisen. Dort sehen wir nämlich auch ihre ultimativ fiese Rabenmutter (Eva Birthistle) und die hat es in sich. Selten habe ich in einer Serie, die sich selbst ernst nimmt, ein so lächerlich ignorantes und irrationales Elternteil gesehen.

    Netflix
    Blooms Mutter ist arrogant, fies und unfreiwillig komisch.

    Mein (Achtung, Ironie!) Lieblingszitat fällt, nachdem Blooms Mutter ihr die Zimmertür entfernt und sich die Tochter zurecht über diese haarsträubenden Erziehungsmethoden aufregt:

    „Komm' mir nicht mit der Feministen-Nummer. Die Mitläufer-Mutter holt gleich ihr Megafon raus, mitsamt ihrer Doktorarbeit, und zeigt dir wo's langgeht.“

    Wenn ihr jetzt keine Ahnung habt, was dieser Spruch eigentlich aussagen soll, dann keine Sorge: Im Kontext der Szene ergibt das genauso wenig Sinn. In einem späteren Telefonat mit Bloom zeigt sich „Frau Dr. Rabenmutter“ dann übrigens plötzlich von einer ganz anderen Seite. Als ihre Tochter sie aus dem College anruft, ist sie sogar warmherzig und empathisch. Tut mir leid, aber diesen Sinneswandel kann ich ihr nicht abnehmen...

    Netflix hat mehr zu bieten als "Fate: The Winx Saga"

    Manch einer mag es für unfair halten, schon nach einer Folge so hart mit der neuen Fantasy-Serie ins Gericht zu gehen. Aber Netflix hat eben bessere Alternativen im Angebot. Mich hat die erste Folge von „Fate: The Winx Saga“ nicht abgeholt, also probiere ich es eben lieber mit einer anderen.

    Wenn ich z. B. sehen will, wie Jugendliche den magischen Umgang mit Feuer, Wasser und anderen Essenzen lernen, dann schau ich lieber nochmal „Avatar – Der Herr der Elemente“. Ist zwar eine Kinderserie, aber mit einer klaren künstlerischen Vision und thematisch reifer als das was „Fate: The Winx Saga“ jungen Erwachsen offenbar anbietet.

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