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    "Keine Zeit zu sterben" wäre fast der beste Bond aller Zeiten – doch er hat einen großen Schwachpunkt
    10.10.2021 um 13:00
    Pascal Reis
    Pascal Reis
    -Redakteur
    Pascal liebt das Kino von „Vertigo“ bis „Daniel, der Zauberer“. Allergisch reagiert er allerdings auf Jump Scares, Popcornraschler und den Irrglauben, „Joker“ wäre gelungen.

    Mit „Keine Zeit zu sterben“ haben wir einen hervorragenden Abschluss der Daniel-Craig-Ära erhalten. Das langerwartete Agenten-Abenteuer von Cary Joji Fukunaga enttäuscht nur in einer Hinsicht: Der Bösewicht ist außerordentlich schwach.

    2021 DANJAQ, LLC AND MGM. ALL RIGHTS RESERVED.

    +++ Meinung +++

    Zwei Jahre mussten wir uns in Geduld üben, bis „Keine Zeit zu sterben“ nach mehrfachen Verschiebungen nun endlich die deutschen Kinos erreichen konnte. Das nunmehr 25. James-Bond-Abenteuer von Cary Joji Fukunaga überzeugt dabei nahezu auf ganzer Linie und kann es sogar mit den Highlights der Reihe wie „Goldfinger“, „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ oder „Casino Royale“ aufnehmen. Zum besten Bond aller Zeiten reicht es allerdings nicht ganz, was an einem der schwächsten Bösewichte des gesamten Franchise liegt.

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    "Keine Zeit zu sterben" beweist Mut und Gefühl

    Nach all den Verschiebungen, künstlerischen Differenzen hinter den Kulissen und diversen Personalwechseln musste man sich ernsthaft Sorgen darüber machen, ob uns mit „Keine Zeit zu sterben“ ein Film erwarten würde, dessen komplizierte Produktionsgeschichte ihm durchweg anzumerken ist. Dem ist allerdings nicht so, denn Cary Joji Fukunaga zeigt sich hier für ein James-Bond-Abenteuer verantwortlich, welches nicht nur von den besten Einträgen in das Franchise gelernt hat, sondern auch den Mut aufweist, mit Traditionen der Reihe zu brechen und Erwartungen zu unterlaufen.

    Bond-Puristen dürften sich also durchaus auf den Schlips getreten fühlen, doch „Keine Zeit zu sterben“ erweist sich dennoch als ein in sich schlüssiger und ungemein konsequenter Abschluss der nahezu durchweg hervorragenden Daniel-Craig-Ära. Beeindruckend dabei ist, dass Cary Joji Fukunaga und seine Autorenschaft um Purvis & Wade sowie Phoebe Waller-Bridge ihr Hauptaugenmerk auf die emotionale Wucht der Geschichte lenken. Die Beziehung zwischen Daniel Craig und Léa Seydoux wird zum Narrativmotor der Handlung und wird im Finale wohl niemanden kalt lassen – außer vielleicht unseren Redakteur Benjamin, der das komplett anders sieht:

    Darum hat mich das Finale im neuen "James Bond" völlig kalt gelassen

    In „Keine Zeit zu sterben“ wird dabei eine neue Gewalt entfesselt, die innerhalb des Bond-Kosmos schier einzigartig ist. Hier vereinen sich die MI6-Doppelnull und die Privatperson und entfesseln eine Brutalität, die Daniel Craig ein letztes und definitives Mal aufs Ganze gehen lassen. Dabei brilliert der Film gleichermaßen durch hervorragende Action-Sequenzen und hochgradig sensible Charaktermomente. Eigentlich ein perfekter Blockbuster, der über weite Strecken sogar zur Speerspitze der Reihe heranwächst, aber durch den Bösewicht Safin dann doch einen Wermutstropfen offenbart.

    Rami Malek ist ein extrem schwacher Bond-Bösewicht

    Obwohl man sich in „Keine Zeit zu sterben“ wirklich exzellent darum bemüht hat, viel Wert auf subversive Innovationen und Brüche mit den Gesetzmäßigkeiten der Reihe zu legen, hat man es bei Safin verpasst, den herkömmlichen Bond-Bösewicht ebenfalls zu reformieren. Mit Rami Malek hat man sich einen Darsteller gesucht, der mindestens interessant genug gewesen wäre, um aus seinem Charakter ebenfalls etwas Interessantes, etwas Frisches und Anderes zu gestalten. In der grandiosen Pre-Titel-Sequence, die wie eine Szene aus einem Home-Invasion-Horrorfilm wirkt, bekommen wir einen Safin geboten, der in seiner Gnadenlosigkeit wirklich bedrohlich erscheint.

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    Rami Malek in „Keine Zeit zu sterben“

    Danach müssen wir mehr als sechzig Minuten warten, bis Safin erneut auf der Leinwand zu sehen ist – und merken direkt, dass sich „Keine Zeit zu sterben“ hier im Vergleich zum Rest des Films etwas in die Bredouille bringt, weil er es versäumt, eine originelle Persönlichkeit zu erschaffen. Stattdessen gibt Rami Malek einen Bösewicht, der im weiteren Verlauf des Films nicht mehr bedrohlich, sondern austauschbar daherkommt. Mal wieder sind es persönliche Motive, die die gesamte Menschheit in Gefahr bringen. Und natürlich ist es mal wieder eine abgelegene Insel im Pazifischen Ozean, auf der sich der Bösewicht zurückgezogen hat und seinen finsteren Plan in die Tat umsetzen möchte.

    Dabei ist die furchterregende Erbarmungslosigkeit, mit der Safin (angeblich) handelt, hier immer wieder Thema – auch weil er in der Lage ist, die größte Verbrecherorganisation aller Zeiten mit einem einfachen Fingerschnippen auszulöschen. Durch den drögen, bemüht-spleenigen Auftritt von Rami Malek, wirkt Safin nicht wie eine Bedrohung, sondern wie ein Fremdkörper in einem ansonsten grandiosen Film, der sich zu neuen Ansätzen und Formelabweichungen traut. In diesem Fall bleibt alles beim Alten. Das kann man als Zugeständnis an die klassische Note der Reihe verstehen, innerhalb von „Keine Zeit zu sterben“ aber ist Safin der Schwachpunkt.

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