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    "Gemini Man" auf ProSieben: Es ist einfach komplett falsch, diesen Sci-Fi-Thriller im Fernsehen zu gucken
    17.10.2021 um 16:00
    Tobias Mayer
    Tobias Mayer
    -Redakteur
    Tobias liebt „Star Wars 8“ – und noch sehr, sehr viele andere Filme. Kino ist dabei immer eine gute Idee (zu jeder Jahreszeit).

    Am heutigen Sonntag hat „Gemini Man“ mit Will Smith seine Free-TV-Premiere, doch wir müssen leider festhalten: Dieser technisch besondere Sci-Fi-Thriller kann im Fernsehen nur schlechter wirken als im Kino.

    Paramount Pictures

    Ob es die richtige Art ist, einen Film mit Werbeunterbrechungen und in der deutschen Synchro zu schauen, müssen alle Zuschauer*innen für sich selbst entscheiden. Wir wollen an dieser Stelle auch gar nicht auf ProSieben eindreschen oder die im Privatfernsehen übliche Art, Filme und Serien zu präsentieren. Es ist aber ganz betrachtet objektiv einfach so, dass „Gemini Man“ von Regisseur Ang Lee, der am heutigen Sonntag ab 20.15 Uhr auf ProSieben läuft, nicht dafür gedreht wurde, auf einem Fernseher geschaut zu werden.

    3D und mit 120 Bildern pro Sekunde: Das gab es nur in wenigen Kinos

    Die 3D-Technik hat den Ruf, pure Geldmacherei zu sein. Dieser Ruf ist leider nicht ganz unberechtigt, er geht aber ganz gewiss nicht auf die Kappe von Filmemachern wie James Cameron und Ang Lee. Sie konzipierten ihre Filme „Avatar“ und „Gemini Man“ explizit als 3D-Filme, anstatt dass die per 3D-Brille dritte Dimension hier nur integriert wurde, um einen höheren Ticketpreis zu rechtfertigen.

    Die Actionsequenzen in diesem Sci-Fi-Thriller, in dem Will Smith als Attentäter gegen sein computeranimiertes, jüngeres Ich kämpft, wurden von Ang Lee ganz bewusst für ein Publikum inszeniert, das sie räumlich präsentiert bekommt, anstatt sie platt auf der Leinwand oder auf einem Bildschirm zu verfolgen. Außerdem sollte „Gemini Man“ mit 120 statt der im Kino üblichen 24 Bildern pro Sekunde projiziert werden.

    120 Bilder pro Sekunde liefern ein Bild, das selbst bei schnellen Bewegungen gestochen scharf ist. Peter Jackson zeigte seine „Hobbit“-Trilogie mit 48 Bildern pro Sekunde, schon hier war der Unterschied zu anderen Filmen deutlich sichtbar (und die auffällig flüssigen Bewegungen gefielen nicht allen Zuschauer*innen). Allerdings gab es eben kaum Kinos, die „Gemini Man“ mit 120 Bildern pro Sekunde präsentierten – es waren einfach zu wenige Projektoren verfügbar, die in der Lage waren, diese Frequenz zu verarbeiten. Stattdessen wurden Screenings mit 60 Bildern pro Sekunde angeboten.

    Hier ein Vergleich des „Gemini Man“-Trailer mit 24 und mit 60 Bildern pro Sekunde:

    Aber selbst wer „Gemini Man“ nur in 3D und mit 60 statt 120 Bildern pro Sekunde geschaut hat, dessen Erlebnis war näher dran an der Vision von Ang Lee, als es eine Fernsehausstrahlung sein kann. Dort wird das Programm nämlich  in der Regel mit 25 Bildern (bzw. 50 Halbbildern) pro Sekunde gesendet. Bei „Gemini Man“ ist es also ein bisschen wie bei einem Theaterstück: Wer das originalgetreue Erlebnis haben wollte, der musste zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort gewesen sein. Zuhause ist es einfach nicht das Gleiche.

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