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    Eine der besten Sci-Fi-Serien aller Zeiten landet schon in wenigen Tagen auf Netflix
    13.10.2021 um 18:30
    Benjamin Hecht
    Benjamin Hecht
    -Redakteur
    Mit „One Piece“ und „Dragon Ball“ aufgewachsen, schaut Benjamin noch heute gerne Anime-Serien. Seine Favoriten: „Death Note“ und „Cowboy Bebop“.

    Noch vor der Live-Action-Adaption von „Cowboy Bebop“, die im November bei Netflix startet, könnt ihr euch bald auch das Original ansehen. Für FILMSTARTS-Redakteur Benjamin ist die Serie ein Meisterwerk – und nicht nur für Anime-Fans interessant.

    Netflix

    +++ Meinung +++

    Am 19. November 2021 bringt Netflix ein Live-Action-Remake von „Cowboy Bebop“ heraus, und auch wenn das bisher veröffentlichte Promo-Material einen guten und stilsicheren Eindruck macht, so halte ich die Neuadaption dennoch für unnötig. Zum Glück landet aber auch schon sehr bald das Original auf dem Streaming-Dienst: Der Anime „Cowboy Bebop“ ist eine der besten und einzigartigsten Serien aller Zeiten und ist ab dem 21. Oktober 2021 bei Netflix zu sehen.

    Darum geht es in "Cowboy Bebop"

    „Cowboy Bebop“ spielt im Jahr 2071. Während die Erde durch einen Unfall unbewohnbar geworden ist, hat sich die Menschheit dank Reisen durch den Hyperraum im gesamten Sonnensystem ausgebreitet. In diesem weitläufigem Gebiet fällt es der Weltraumpolizei jedoch schwer, Recht und Ordnung zu bewahren, und so verlässt sie sich auf Kopfgeldjäger, die für Bezahlung Jagd auf Kriminelle machen.

    Der junge Mann Spike Spiegel war einst Teil eines gefürchteten Verbrechersyndikats, wurde jedoch von seinem Partner Vicious verraten, woraufhin er die Organisation verließ und seitdem ganz legal als ein solcher Kopfgeldjäger durchs Weltall irrt. Dabei hilft ihm der breitgebaute Ex-Cop Jet Black, der eine kybernetische Armprothese trägt. Auf ihrer Reise von Kopfgeld zu Kopfgeld mit ihrem Raumschiff Bebop nimmt das Duo irgendwann auch den Hund Ein, die Diebin Faye Valentine und junge Hackerin Ed bei sich auf.

    "Cowboy Bebop" ist ein wilder Genre-Mix

    Es fällt schwer, „Cowboy Bebop“ in eine Genre-Schublade zu stecken. Aufgrund des Weltraumsettings und der Kopfgeldjägerthematik scheint mir die grobe Einordnung als Sci-Fi-Western zwar am geeignetsten, doch „Cowboy Bebop“ hat eben noch viel mehr zu bieten. Fast jede der insgesamt 26 Folgen erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte, die in Sachen Stil und Tonfall stark variieren.

    Gerade Spikes Vergangenheit lockt ihn immer wieder ins Gangstermilieu, die Action – ob Schießereien oder Martial-Arts-Kloppereien – kommen nicht zu kurz und jedes der Crewmitglieder ist Protagonist seines eigenen psychologischen Dramas.

    Klar, man kann das Erstlingswerk des Regisseurs Shin'ichirō Watanabe auch einfach als Anime bezeichnen, doch das sagt im Grunde nur zwei Dinge aus: Dass „Cowboy Bebop“ animiert ist und aus Japan stammt. Für manche weckt dieses Label also womöglich ganz falsche Erwartungen – und Erwartungen sind bei „Cowboy Bebop“ ohnehin nur dafür da, um gebrochen zu werden.

    Watanabe wollte seiner Serie ganz bewusst keine Genre-Zwangsjacke verpassen. Stattdessen orientierte sich der Japaner an der titelgebenden Musikrichtung Bebop, was auch die Serie selbst explizit bestätigt. Denn folgendes Manifest, das die experimentelle Natur von „Cowboy Bebop“ treffend wiedergibt, ist in Textform in der Titelsequenz der Serie zu sehen:

    Dybex

    „Eines Tages in New York City im Jahr 1941... dieser Club ist für alle zum Spielen geöffnet, Nacht auf Nacht, in einem Club namens ‚Minston's Play House‘ in Harlem spielen sie Jazz gegeneinander. Junge Jazzspieler mit einem neuen Gefühl versammeln sich. Schließlich haben sie selbst ein neues Genre geschaffen. Sie haben den konventionellen, steifen Jazzstil satt. Sie sind heiß darauf, Jazz freier zu spielen und dann... im Jahr 2071 im Weltraum... werden die Kopfgeldjäger, die sich im Raumschiff BEBOP versammeln, frei spielen, ohne Furcht vor riskanten Dingen. Sie müssen neue Träume und Filme kreieren, indem sie mit traditionellen Stilen brechen. Das Werk, welches selbst ein neues Genre bilden wird, wird COWBOY BEBOP heißen.“

    „Cowboy Bebop“ als eigenes Genre zu bezeichnen ist wohl etwas übertrieben. Doch eines steht fest: Die Anime-Serie ist ein ultrastylischer Mix unterschiedlichster Einflüsse, der Augen und Ohren verwöhnt.

    "Cowboy Bebop" hat verdammt viel Style

    Eine der großen Stärken von „Cowboy Bebop“ ist der Style, der größtenteils sehr bodenständig, aber hin und wieder auch ein wenig durchgeknallt ist. Die meisten Charaktere haben realistische Proportionen, die Umgebungen sind oft dreckig und verranzt. Für Sci-Fi-Fans gibt es dann auch noch einige ansprechende Raumschiff-Designs und Weltraumtechnologien, die dem Anime in einem Setting verankern, das weder zu abgespacet noch zu realitätsnah ist.

    Erwähnenswert ist auch die cineastische Bildgestaltung, die teils so wirkt, als hätten echte Kamerapersonen die Momente eingefangen, obwohl es sich bei „Cowboy Bebop“ selbstverständlich um Zeichentrick handelt. Dieser Effekt wird dadurch erzielt, dass die imaginäre Kamera – mit Ausnahme der Weltraumsequenzen – meist sehr nah am Boden bleibt und sich oft den Beschränkungen der Umgebung anpasst, die es in der Realität gäbe. So verschanzt sich die Kamera innerhalb des Raumschiffs auch mal hinter Ecken und filmt quasi aus der Deckung heraus, während im Freien große Totalen genutzt werden, in denen zum Beispiel schwarze Silhouetten im Sonnenuntergang platziert werden.

    Das Netflix-Remake eines Sci-Fi-Meisterwerks: Seht den ersten Trailer zu "Cowboy Bebop"!

    Dieser Realismus macht den täglichen Überlebenskampf von Spike & Co. greifbar, sorgt aber doch dafür, dass die stilisierten Gewaltspitzen und exaggerierten Gesichtsverzerrungen (etwa nach der Einnahme einer speziellen Droge), in denen die Möglichkeiten der Animation voll zum Einsatz kommen, einen noch stärkeren Effekt haben. Ergänzt wird das Ganze durch spektakuläre, hervorragend animierte Gefechte, denn Spike macht in seinem blauen Anzug einfach immer eine stylische Figur – egal ob im Kugelhagel oder im Nahkampf.

    Darüber hinaus ist „Cowboy Bebop“ ist für mich auch ein Anwärter für den besten Serien-Soundtrack aller Zeiten. Der Anime, der bald auf Netflix startet, ist geprägt von lässigen bis energischen Jazz-Stücken, hat aber auch deutliche Country-Folk-Einflüsse und bietet vereinzelte Ausreißer – von fetzigen Heavy-Metal-Balladen bis zu hawaiianisch anmutenden Weltraum-Walzern. „Cowboy Bebop“ überrascht einfach immer wieder und ist ein Fest für alle, die bei ihren Serien auf Abwechslung stehen.

    Eine Sache zieht sich dann aber doch wie ein roter Faden durch den Anime...

    "Cowboy Bebop" hat auch Tiefgang

    Die Hauptfiguren von „Cowboy Bebop“ mögen auf den ersten Blick obercoole Kopfgeldjäger sein, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen. Doch sie alle tragen psychologische Traumata in sich, sind stets auf der Suche nach einem tieferen Sinn, den das Universum für sie nicht parat hat, und lassen sich von den Fehlschlägen ihrer Vergangenheit davon abhalten, an einer glücklichen Zukunft zu arbeiten.

    Diese individuellen Schicksale werden im Laufe der episodenhaften Struktur immer wieder kurz angeschlagen und münden letztlich in großen Momenten der Läuterung, die teils tragisch, teils hoffnungsfroh verlaufen.

    Man kann „Cowboy Bebop“ als spaßigen und unterhaltsamen Sci-Fi-Western genießen, der gute Action, eine Prise Humor und jede Menge Style bietet. Wer sich jedoch auf den philosophischen Unterbau der Serie einlässt, bekommt noch viel mehr geboten. Dann offenbart sich ein tief bewegendes Gedankenspiel über den Sinn und Unsinn der menschlichen Existenz, den Kampf mit der eigenen Vergangenheit und das Weitermachen angesichts verpasster Chancen und misslungener Entscheidungen.

    „Cowboy Bebop“ hat Stil und Substanz, ist keinen Deut zu lang oder zu kurz und ein in sich stimmiges Sci-Fi-Abenteuer mit Tiefgang, das oberflächlich unterhält und darüber hinaus multiple Interpretationsspielräume bietet. Wenn eine Serie das Prädikat Meisterwerk verdient hat, dann „Cowboy Bebop“.

     

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