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    Heimkino-Tipp: Quentin Tarantinos bester Film – jetzt endlich auch in 4K!
    Sidney Schering
    Sidney Schering
    -Freier Autor und Kritiker
    Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

    Zwölf Jahre nach seiner Weltpremiere kommt Quentin Tarantinos Meisterwerk „Inglourious Basterds“ erstmals als UHD-Disc heraus. Ein Muss für Fans des legendären Regisseurs.

    Universal Pictures

    +++Meinung+++

    Wenn ein Regisseur und Autor seiner Hauptfigur ein diebisch-freudiges „This might be my masterpiece!“ in den Mund legt und diese Aussage mit einer sich heroisch aufbauenden Musik untermalt, lässt es sich schwer leugnen: Da war jemand sehr zufrieden mit dem, was er geschaffen hat. Und ich möchte mich dem durch Lieutenant Aldo Raine sprechenden Quentin Tarantino anschließen: Ich erachte die wortgewandte, historische Wirklichkeit verbiegende Nazijagd „Inglourious Basterds“ als das Meisterwerk des Kultfilmers.

    „Inglourious Basterds“ ist obendrein bemerkenswert, weil er einen Wendepunkt in Tarantinos Karriere darstellt. Als mit Referenzen um sich schmeißender Gangsterfilmer berühmt geworden und mit „Kill Bill“ sowie „Grindhouse“ vollends im „Remix-Kino“ angelangt, erfand sich der Regisseur und Autor mit „Inglourious Basterds“ neu. Als geschichtsrevisionierender Filmemacher, der mehr Dramatik und Tragweite in seine Stoffe legt als in seine früheren Arbeiten.

    Zudem ist „Inglourious Basterds“ der erste Film von Tarantino, der eine Oscar-Nominierung für die beste Kamera erhielt – und somit Tarantinos Wandel von einem „Der schreibt coole Dialoge“-Filmemacher zu einem Filmschaffenden unterstrich, der visuell genauso abliefert wie auf Skriptebene. Zu verdanken ist dies Kameralegende Robert Richardson, der seither für drei weitere Tarantino-Filme eine Oscar-Nominierung erhielt und zuvor unter anderem Martin Scorseses „Aviator“ und Oliver Stones „JFK – Tatort Dallas“ drehte. Allein schon aufgrund von Richardsons starken Bildern ist es eine hervorragende Nachricht, dass das 2K-Master von „Inglourious Basterds“ für eine neue Heimkino-Edition liebevoll auf 4K hochskaliert wurde. Diese Version ist ab sofort im limitierten 4K-Steelbook erhältlich.

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    Das ist "Inglourious Basterds"

    Ihr habt den Zweiten Weltkrieg noch nicht gesehen, bevor ihr ihn aus den Augen Quentin Tarantinos erlebt habt! In fünf Kapiteln entwirft der Oscar-Preisträger die Geschichte eines belesenen, redegewandten SS-Standartenführers mit enormem Talent für Fremdsprachen (Christoph Waltz), der ihm einst entkommenen und auf Rache sinnenden Jüdin Shoshanna (Mélanie Laurent) und der unrühmlichen Soldatentruppe unter Lieutenant Aldo Raine (Brad Pitt), die hinter feindlichen Linien agiert und sich eines geschworen hat: Sie werden erbarmungslos im Kampf gegen die Deutschen vorgehen…

    Jedes der fünf Kapitel dieses ungewöhnlichen Kriegsfilms könnte genauso gut für sich stehen und als Ein-Akt-Theaterstück begeistern. Vor allem der Auftakt ließe sich mühelos auf die Bühne übertragen – vorausgesetzt, man gewinnt für dieses Experiment Christoph Waltz, der in seiner preisgekrönten Darbietung als schurkischer, gewitzter und raffinierter Hans Landa jede Szene an sich reißt. Widerlich und dank seiner listig eingesetzten Eloquenz charmant zugleich, ist sein gewissenloser, opportunistischer Fiesling ein Bösewicht für die Ewigkeit.

    Der Eindruck, den er im Zwiegespräch mit einem französischen Bauern (Denis Ménochet) zu Filmbeginn hinterlässt, hallt für den Rest des Films nach, ganz gleich, ob er im jeweiligen Filmkapitel überhaupt eine relevante Rolle spielt oder nicht. Er verursacht eine enorme Anspannung – und ist zugleich ein so großes, komplexes Faszinosum, dass diese Anspannung genüssliche Freude bereitet.

    Universal Pictures

    Fabelhaft ausgeschmückte Dialoge

    Doch nicht nur Waltz glänzt – die Balance aus großer Anspannung, rassiermesserscharfen Dialogen voller Amusement, diebischer Freude an Gewaltexzessen und dramatischer Tiefe ließe sich nicht bewerkstelligen, wäre nicht der gesamte Cast außerordentlich. Brad Pitt versinkt in der Rolle des beständig grinsenden Südstaatlers mit morbidem Spaß am Töten. Daniel Brühl balanciert als Frederick Zoller, seines Zeichens Scharfschütze und Liebling der Nazi-Propagandamaschine, mühelos zwischen schmieriger Selbstverliebtheit und gespielter Bubenhaftigkeit. Diane Kruger und Michael Fassbender sorgen mit makelhafter Mehrsprachigkeit für Dramatik und Mélanie Laurent ist als kinoliebende, eingeschüchterte, doch überaus clevere und kämpferische Rächerin die Seele des Films.

    Tarantinos legendäres Händchen für unvergessliche Dialoge wächst in „Inglourious Basterds“ zu neuen Höhen heran – denn dieses Mal begeistern sie in Englisch, Deutsch und Französisch (und ganz kurz auch in Italienisch). Also Finger weg von der Synchronfassung, die das Englisch einfach wegbügelt, denn die Frage, wie gut oder schlecht sich Figuren in anderen Sprachen schlagen, verleiht dem Film nicht nur Flair, sondern ist essentiell für einige der spannendsten Stellen. Zusammengeschnürt wird all das durch eine audiovisuell rundum gelungene Verpackung:

    Der Soundtrack, der von Klassik über deutsche Evergreens bis hin zu Kleinoden der Filmmusik reicht, trifft punktgenau die ungewöhnliche Stimmung des Films, Robert Richardsons Kameraarbeit ist wiederum galant-stilvoll und findet doch immer wieder angemessene Momente, um sich in tarantinoesker Exzentrik zu üben. Der Soundmix derweil ist richtig schön kräftig, mit deftig-heftigen Akzenten in den Actionszenen und klaren Dialogen, bei denen man jede noch so subtile, charakteristische Einfärbung der Figuren mitbekommt, als wäre man wirklich mit ihnen in einem Raum. Nicht, dass man mit den meisten dieser Figuren wirklich zusammensitzen und Promiraten spielen wollte – aber rund zweieinhalb hoch spannende Filmstunden sind sehr wohl drin.

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