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    Heimkino-Tipp: Dieser Sci-Fi-Blockbuster für Fans von "Inception" und "Blade Runner" ist im Kino leider gefloppt!
    Sidney Schering
    Sidney Schering
    -Freier Autor und Kritiker
    Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

    Trotz Stars wie Hugh Jackman und Rebecca Ferguson ging „Reminiscence“ an den weltweiten Kinokassen unter. Ab dieser Woche kann der stylische Mix aus Sci-Fi und Film noir nun im Heimkino neu entdeckt werden - und das hat er auch verdient!

    Ben Rothstein / Warner Bros.

    +++ Meinung +++

    Man sollte denken, dass ein durchaus stolz budgetierter Science-Fiction-Film mit Hugh JackmanRebecca Ferguson und Thandiwe Newton in den Hauptrollen wenigstens etwas Aufmerksamkeit generieren sollte. Noch dazu, wenn er von den „Westworld“-Machern Jonathan Nolan und Lisa Joy stammt. Aber das Gegenteil war der Fall: „Reminiscence“ nahm bei einem Budget von (je nach Quelle) 54 bis 68 Millionen Dollar weltweit bloß etwas mehr als 15 Millionen ein und wurde somit ein katastrophaler Flop. In den USA wartete sogar der Rekord für das bis dahin schlechteste Startwochenende eines Films mit mehr als 3.000 Kopien.

    Allerdings muss das natürlich überhaupt nichts über die Qualität oder Langlebigkeit dieses atmosphärischen Sci-Fi-Films aussagen. Auch Genreklassiker wie „Blade Runner“, „Children Of Men“ oder „Brazil“ waren schließlich zunächst finanzielle Misserfolge. Ob auch „Reminiscence“ in Zukunft eine solche Wiederentdeckung vergönnt sein wird, muss sich erst noch zeigen. Jetzt erscheint der futuristische Film noir erst einmal im Heimkino: Und wer weiß, vielleicht beginnt damit ja sein verspäteter Siegeszug als atmosphärischer Geheimtipp?

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    "Reminiscence": Darum geht's

    In einer nahen Zukunft hat das Meer weite Teile Miamis überschwemmt. Am Rande der Stadt führt Privatdetektiv Nick Bannister (Hugh Jackman) ein Unternehmen, das seiner Kundschaft erlaubt, in ihren Erinnerungen zu kramen, zu schwelgen oder in ihnen aufzugehen. Als eines Tages die Barsängerin Mae (Rebecca Ferguson) bei ihm aufläuft, um ihre verlorenen Schlüssel in ihrer Erinnerung zu suchen, entsteht eine intensive Bindung zwischen ihnen – doch eine komplexe Verschwörung bringt Nicks unverhofftes Liebesglück in Gefahr…

    Regisseurin und Autorin Lisa Joy entwirft in ihrem Kino-Regiedebüt eine Zukunftsvision, die wie einst „Blade Runner“ sowohl von futuristischen Technologien wie ästhetischen Rückstürzen in vergangene Zeiten geprägt ist. Das heruntergekommene, teils überflutete Miami in „Reminiscence“ erinnert an die Film-noir-Schauplätze aus „Chinatown“, „Die Spur des Falken“ oder „Tote schlafen fest“. Zugleich machen vereinzelte technologische Gadgets klar, dass wir uns in einer durchnässten Zukunft und nicht etwa in vergangenen Tagen befinden.

    Die von Jackmans Figur angebotene Technologie, die Erinnerungen täuschend echt visualisiert, ist dabei das plottechnisch wichtigste Element – und weckt wiederum vage Erinnerungen an „Inception“. Während Leonardo DiCaprio in Christopher Nolans Blockbuster in fremden Träumen wildert, um Antworten zu finden und hinterlistige Aufträge zu erfüllen, spioniert Nick Bannister die hintersten Winkel fremder Erinnerungen aus und wühlt ruhelos in seinen eigenen, um einen Fall zu lösen, der ihn auch nach vielen Jahren kaum schlafen lässt.

    Warner Bros Entertainment

    Eine feuchte Zukunft

    In der offiziellen FILMSTARTS-Kritik werden die Bilder, die Lisa Joy und „Collateral“-Kameramann Paul Cameron erschaffen, als „spektakuläre Schauwerte“ bezeichnet: „Vom eröffnenden Kameraflug durch die fast untergegangene Stadt über einen Unterwasser-Fight in einem gefluteten Konzertsaal bis hin zu einer Bahnfahrt von Miami nach New Orleans einmal quer durch die versunkenen USA.“ Zwar heißt es weiter, dass diese Schauwerte „enttäuschend wenig zum Gesamtwerk“ beitragen würden – doch auch wenn man das so sehen kann, muss man es nicht so sehen.

    Ähnlich wie schon in anderen Mischungen aus Sci-Fi und Film noir, wie eben „Blade Runner“, trägt das ausgefallene Produktionsdesign nämlich durchaus zur atmosphärischen Verdichtung der Geschichte bei und verhilft den Schauplätzen zu einem verlebten, komplexeren Feeling: „Reminiscence“ spielt nicht einfach in irgendeiner austauschbaren Zukunft, in der eine bestimmte, für den Plot relevante Technologie verfügbar ist. Die Welt, in der der Film spielt, definiert sich durch wesentlich mehr: Die Bilder von den halb untergegangenen Städten sowie den Hochhäusern, deren aus den Fluten ragenden oberen Stockwerke weiterhin der Natur trotzen, spiegeln quasi den aussichtlosen Kampf des Protagonisten.

    Feuchte Zukunft

    Zumal die Ästhetik des Films den Plot auch sonst immer wieder kommentiert. Zwischen den Zeilen geht es in „Reminiscence“ auch um Klassenkampf, Verzweiflung und das erfolglose Davonlaufen vor Erkenntnissen und Konsequenzen, die ähnlich unaufhaltsam auf Nick Bannister zurollen wie zuvor das Hochwasser auf die Metropolen der USA. Wenn man „Reminiscence“ eine mangelnde Bindung zwischen Plot und Setting vorwirft, müsste man dies eigentlich auch bei „Blade Runner“ oder „Dark City“ tun.

    „Reminiscence“ hat durchaus Schwächen wie manch einen hölzernen Erklärmonolog, aber Atmosphäre, Prämisse und der Stil zählen nicht dazu – und daher hat es der Film meiner Meinung nach absolut verdient, im Heimkino neu entdeckt zu werden. Am besten überzeugt ihr euch einfach selbst, wenn ihr mit dem Sci-Fi-Genre grundsätzlich etwas anfangen könnt.

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