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    Neu auf Netflix: Dieser meisterhafte Sci-Fi-Thriller sagte die Zukunft voraus – und zwar sehr treffend
    Von Tobias Mayer — 02.07.2022 um 14:00

    Steven Spielberg hat 2002 eine spannende Sci-Fi-Jagd mit Tom Cruise inszeniert. Besonders faszinierend an „Minority Report“: Der Thriller sagte eine Zukunft voraus, die heute teilweise schon eingetreten ist. Jetzt gibt's den Film auch auf Netflix.

    Manche ältere Sci-Fi-Filme spielen in einem imaginierten Jahr der Zukunft, das heute längst vorbei ist – und haben mit ihrer Vision danebengehauen. „The Running Man“ mit Arnold Schwarzenegger zum Beispiel kam Ende der 80er in die Kinos und spielt 2017, wo die Menschen aber nach wie vor Röhrenfernseher haben, in denen sie echte Gladiatorenkämpfe anschauen. Man mag den einen oder anderen Aspekt in „The Running Man“ zwar dennoch für durchaus prophetisch halten, sonderlich treffend aber ist die Zukunftsvision insgesamt nicht – im Unterschied zu dem Szenario, das in Steven Spielbergs meisterhaftem „Minority Report“ von 2002 für das Jahr 2054 gezeigt wird und das bereits jetzt teilweise eingetreten ist. Zu sehen ist der brillante Sci-Fi-Thriller seit diesem Wochenende auch auf Netflix.

    Verbrechen vorhersagen? Wird bereits gemacht!

    In „Minority Report“ arbeitet der Polizist John Anderton (Tom Cruise) in der Abteilung Precrime der Washingtoner Polizei. Seit sechs Jahren hat es in der Stadt keinen Mord mehr gegeben, da die Polizisten von drei Hellseher*innen vorgewarnt werden und die künftigen Verbrechen damit verhindern, bevor sie geschehen (diese Idee stammt schon aus der Kurzgeschichte von 1956, die als Vorlage für den Film diente). Soweit wir wissen, setzt die Polizei unserer Gegenwart zwar keine Menschen mit hellseherischen Fähigkeiten ein, dafür aber eine Methode namens Predictive Policing, um Polizist*innen vorausschauend an Orte zu schicken, wo mit Straftaten gerechnet wird.

    Bereits 2015 begann in Karlsruhe der erste deutsche Testbetrieb mit einem Predictive-Policing-System. Computer analysieren vergangene Vergehen und berechnen auf Basis der Daten bzw. Erkenntnisse eine Wahrscheinlichkeit, mit der es an einem bestimmten Ort erneut zu Verbrechen kommen wird. Die Polizei wird von Algorithmen vorgewarnt. Die Polizist*innen können dann an die entsprechenden Orte fahren und z. B. einen Einbruch verhindern oder die Täter festnehmen, die andernfalls erst später oder gar nicht festgenommen werden können.

    Es geht dabei nicht um Mord und diese vorhersagende Polizeiarbeit mag nicht so spektakulär ausfallen wie in „Minority Report“, wo Tom Cruise und sein Team in letzter Sekunde in ein Haus stürmen, um einen zukünftigen Mörder dingfest zu machen. Außerdem soll in unserer Gegenwart niemand wegen eines Verbrechens verurteilt werden, das er nicht begangen hat...

    … doch das Prinzip einer Polizeiarbeit, die auf Basis von Vorhersagen getroffen wird, ist das gleiche wie in „Minority Report“. Und wie im Film wird auch das Predictive Policing u. a. wegen der Kollateralschäden kritisiert, die verursacht werden können. 2016 etwa sah der Generalsekretär von Amnesty International, Salil Shetty, die Unschuldsvermutung durch Predictive Policing bedroht.

    Selbstfahrende Autos? Gibt’s schon!

    Tom Cruise fährt in „Minority Report“ mit Autos durch die Stadt, die keinen Fahrer brauchen. Sie kommen selbst ans Ziel. Die Autoindustrie unserer Gegenwart arbeitet am automatisierten Fahren, Firmen wie Tesla und Google testen selbstfahrende Modelle bereits. Außerdem ist zumindest das automatische Einparken heute längst auch außerhalb von Teststrecken Realität.  2002 dagegen, als „Minority Report“ in die Kinos kam, war allein schon die Vorstellung, dass Autos mal selbstständig einparken werden können, für viele Zuschauer*innen pure – und vielleicht utopische – Zukunftsmusik (in den Autos wurde Musik damals auch noch viel über Kassetten gehört und nicht über das per Bluetooth verbundene Smartphone).

    Personalisierte Werbung? Sehen wir täglich!

    In der Vorbereitung auf „Minority Report“ heuerte Steven Spielberg eine Gruppe von Zukunftsforschern an, die Szenarien für das Jahr 2054 ausarbeiten sollten. Dass dieser wissenschaftliche Ansatz gefruchtet hat, zeigt sich auch in der Szene, in der Tom Cruise in einem Kaufhaus mit Werbung bombardiert wird, die auf ihn persönlich zugeschnitten wurde. Kameras erkennen ihn an seinen Augen und in der Werbung für Bier oder eine Kreditkarte wird er direkt mit seinem Namen angesprochen.

    Internet und Smartphones mögen in „Minority Report“ keine große Rolle spielen, doch wiederum besteht die Treffsicherheit der Prognosen vor allem ein zugrundeliegendes Prinzip: Wer sich heute im Internet bewegt und dabei keinen anonymisierten Zugang benutzt, der wird über mehrere Geräte hinweg verfolgt und bekommt die Werbung angezeigt, die basierend auf Suchanfragen oder Chatverläufe von Interesse ist – wer am Laptop nach Sportschuhen googelt, der sieht später auf dem Smartphone Schuhwerbung, wenn er oder sie auf FILMSTARTS zum Beispiel einen Artikel über „Minority Report“ liest oder sich den Film auf Netflix ansieht.

    Dies ist eine Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

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