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    Heute TV-Premiere nach über 50 (!) Jahren: Ein Skandalfilm, der wegen eines Kondoms Kinogeschichte geschrieben hat!
    14.08.2022 um 10:00
    Oliver Kube
    Oliver Kube
    Oliver Kubes weibliche Lieblings-Stars sind derzeit Jodie Foster, Renate Reinsve und Emily Blunt. Bei den Männern sind es Michael Shannon, Domhnall Gleeson und, äh, Dwayne Johnson.

    Sogenannte Skandalfilme gibt es viele. Doch brechen sie alle wirklich Tabus? „Die Kunst zu lieben“ tat es, brachte gar einen Kinobetreiber hinter Gitter und kam dennoch zu Awards-Ehren. Heute Abend läuft die Tragikomödie von 1971 erstmals im Free-TV.

    Über ein halbes Jahrhundert hat es gedauert, bis sich nun endlich ein deutscher TV-Sender traut, eines der einst am kontroversesten diskutierten Leinwandwerke im frei empfangbaren Programm zu bringen. Die Rede ist vom starbesetzten „Die Kunst zu lieben“ von Meisterregisseur Mike Nichols („Die Reifeprüfung“, „Closer“). Arte zeigt den Film am heutigen Sonntag, den 14. August 2022, um 22:45 Uhr.

    Als „Die Kunst zu lieben“ 1971 herauskam, sorgte das Comedy-Drama für jede Menge Aufruhr in seinem Produktionsland USA. Selbsternannte Sittenwächter*innen liefen geradezu Sturm. Verklemmte Puritaner*innen ereiferten sich über die nicht nur mittels provokanter Dialoge, sondern auch mit nackter Haut propagierte Lust am Sex der Figuren und der lockeren Moral.

    Das erste Kondom der Kinogeschichte

    Schon der englischsprachige Originaltitel „Carnal Knowledge“ – ein geläufiger Euphemismus für das Wort Sex – wurde von Konservativen als Affront gewertet. Die Krönung war allerdings, dass Mike Nichols es wagte, zum ersten Mal in der Geschichte des Kinos ein Kondom auf der Leinwand zu zeigen, das von einem der Protagonisten mit klaren Absichten aus seiner Verpackung befreit wurde.

    Das, sowie Ann-Margrets unbedeckte Brüste, Jack Nicholsons nackter Hintern, eine (vollständig bekleidete!) Darstellung des Geschlechtsakts zwischen Nicholsons und Candice Bergens Charakteren plus die laufenden verbalen Anspielungen bis hin zu expliziten Schilderungen sorgten dafür, dass „Die Kunst zu lieben“ in diversen Gegenden der USA, wie etwa in den Südstaaten, kaum gezeigt wurde.

    Und falls es doch mal ein Lichtspielhaus wagte, den Film dort auf die Leinwand zu bringen, gab es Ärger. So geschehen im Januar 1972 in Albany, Georgia, wo Polizisten das Kino stürmten, die Filmrollen beschlagnahmten und den Betreiber verhafteten. Wenig später wurde er vom örtlichen Gericht sogar wegen „Verbreitung obszönen Materials“ verurteilt. Erst zweieinhalb Jahre später hob der U.S. Supreme Court dieses Urteil endlich auf und rehabilitierte den Mann.

    Falls ihr nun selbst sehen wollt, ob und wie obszön „Die Kunst zu lieben“ wirklich ist, heute Abend aber keine Zeit habt, gibt es einige Alternativen. So könnt ihr euch den Film, für den Ann-Margret einen Golden Globe gewann und eine Oscarnominierung erhielt, auch gratis in der Arte-Mediathek anschauen. Oder ihr bestellt ihn euch als DVD beziehungsweise Blu-ray:

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    Das sind Story und Cast von "Die Kunst zu lieben"

    Der großmäulige, im Umgang mit Frauen grobschlächtige sowie allein auf den eigenen Lustgewinn bedachte Jonathan (Jack Nicholson) und der schüchterne, deutlich sensiblere Sandy (Art Garfunkel) könnten unterschiedlicher kaum sein. Und doch sind die College-Zimmergenossen Anfang der 1950er beste Kumpels. Mädchen, Liebe und vor allem Sex sind die primären Gesprächsthemen des Duos, die sie auch im Laufe der nächsten 20 Jahre weiter beschäftigen.

    Währenddessen lernen Jonathan und Sandy eine Reihe interessanter Ladys kennen, die sie und ihr jeweils recht eingeschränktes Weltbild immer wieder vor neue Herausforderungen stellen. Frauen, die die zwei Männer begehren, lieben, verachten oder einfach nicht verstehen – oft alles zur gleichen Zeit…

    Die Hauptrollen spielen Jack Nicholson und Art Garfunkel. Nicholson, der zwei Jahre zuvor mit seinem Auftritt in „Easy Rider“ den großen Durchbruch feierte, war hier bereits auf dem besten Weg dazu, zu einer der größten Schauspiel-Legenden der Kino-Historie zu avancieren. Garfunkel hingegen war als eine Hälfte des Folk-Rock-Duos Simon & Garfunkel (über 100 Millionen verkaufte Alben weltweit) schon seit Jahren ein Superstar. Seinen bis dahin größten Darsteller-Job hatte der New Yorker in dem ebenfalls von Mike Nichols inszenierten Anti-Kriegsfilm „Catch 22“. Die schönste Geschichte hinter „Die Kunst zu lieben“ ist die, dass Nicholson und Garfunkel während des Drehs tatsächlich zu engen, lebenslangen Freunden wurden.

    Die Liste der Szenenpartnerinnen der beiden setzt sich aus kaum weniger hochkarätigen Miminnen zusammen. Neben Ann-Margret („Cincinnati Kid“) und „Murphy Brown“-Star Candice Bergen handelt es sich dabei um Carol Kane („Die Geister, die ich rief“), Rita Moreno aus „West Side Story“ und Cynthia O'Neal („Mit aller Macht“).

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