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    Mega-Mindfuck vom Meisterregisseur: Ab heute gibt es bei Netflix eine der besten Serien des Jahres - sowas habt ihr garantiert noch nie gesehen!
    Christoph Petersen
    Christoph Petersen
    -Chefredakteur
    Hat im letzten Jahr mehr als 900 Filme gesehen - und jede Minute davon genossen, selbst wenn der Film gerade nicht so gut war.

    Mit „Drive“ hat Nicolas Winding Refn einen DER Kultfilme schlechthin abgeliefert! Ab heute ist seine Serie „Copenhagen Cowboy“ auf Netflix verfügbar – und die ist eine Mindfuck-Erfahrung, die ihr garantiert so schnell nicht wieder vergessen werdet...

    Wie zum Teufel soll man erklären, was „Copenhagen Cowboy“ überhaupt ist? Auf jeden Fall schon mal ein LSD-getränkter Mindfuck sondergleichen!

    Als wir die sechs Folgen der ersten Staffel bei der Weltpremiere in Venedig im Kino sehen durften, empfahl der anwesende „Drive“-Regisseur Nicolas Winding Refn dem Publikum, sich gemütlich hinzufläzen, die Füße über die Lehnen der Vorderreihe zu legen und während der Vorstellung ruhig laut zu sein. „Fuck The Establishment!“ Der anwesende Festival-Organisator neben ihm wurde da plötzlich ganz leise (und auch ein bisschen bleich).

    Gesagt getan: In den folgenden fünf Stunden brandete immer wieder Szenenapplaus auf – und der kam wohl vor allem daher, dass wir alle einfach nicht fassen konnten, was zum Henker wir da auf der Leinwand eigentlich gerade zu sehen bekommen…

    Ein menschlicher Glücksbringer

    Die ersten zwei bis drei Episoden von „Copenhagen Cowboy“, die größtenteils in einem von einem albanischen Bodybuilder-Schläger und Möchtegern-Schlagersänger betriebenen Bordell spielen, sind zwar auch schon skurril und makaber bis zum Gehtnichtmehr, aber zumindest kann man noch einigermaßen nachvollziehbar erfassen, was da gerade eigentlich abgeht:

    Die abergläubische Halbschwester des Betreibers hat sich die junge Miu (Angela Bundalovic) gekauft – und zwar nicht wie die anderen Mädchen als Zwangsprostituierte, sondern als Talisman. Miu ist eine Art menschlicher Glückspfennig, der ihrer neuen Besitzerin u. a. dabei helfen soll, trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch schwanger zu werden.

    Netflix
    Schweine spielen in "Copenhagen Cowboy" generell eine zentrale Rolle.

    Und so muss Miu wohl oder übel danebensitzen, wenn ihre Herrin mit ihrem übergewichtigen Bierbauch-Ehemann Sven kopuliert. Ansonsten vergewaltigt Sven am liebsten die Prostituierten eine Etage tiefer, wofür er als Strafe regelmäßig zusammengeschlagen wird. Dann grunzt und quiekt er wie ein Schwein (und wir meinen kein nachgemachtes menschliches Grunzen, sondern wirklich exakt wie ein gerade geschlachtetes Tier).

    Sowieso spielen Schweine in „Copenhagen Cowboy“ eine große Rolle. Der große blonde Serienmörder mit den schwarzen Handschuhen erwürgt seine Opfer auch am liebsten in den Hallen einer Schweinefarm – und die Besitzerin eines Chinarestaurants hält sich schon alleine deshalb ein paar Hausschweine, weil sie bei den grunzenden Allesfressern die Leichen verschwinden lassen kann, die die Mitglieder einer asiatischen Gang regelmäßig bei ihr abladen.

    Das sieht verdammt geil aus

    Nicolas Winding Refn setzt das Ganze wie gewohnt hochgradig artifiziell in Szene – alles ist überhöht und in seine geliebten Rottöne getaucht. Was die Erzählgeschwindigkeit angeht, gibt der „Too Old To Die Young“-Schöpfer in den ersten drei Episoden allerdings viel mehr Gas als bei seiner Amazon-Prime-Serie, die ja fast schon provokant-entschleunigt daherkam.

    Weil das mit der Schwangerschaft aber doch nicht wie geplant klappt, werden schließlich andere Pläne für Miu geschmiedet: Sie hätte da mal in einer TV-Show gesehen, wie Menschen im Mittelalter in einem Fass gekocht wurden, bis selbst das Gehirn zu sieden beginnt, erzählt die rachsüchtige Besitzerin, die ihren Menscheneinkauf bereits schwer bereut. Aber da hat sie die Rechnung ohne Miu gemacht …

    Der abgefahrenste Scheiß des Jahres!

    … denn zur Hälfte der ersten Staffel wird einmal alles über den Haufen geworfen: Nachdem die ersten drei Folgen zwar schon eine mythische Dimension angedeutet haben, am Ende aber auf eine unendlich abgefuckte Weise doch „bodenständig“ blieben, geht der nicht nur auf die Sehnerven abzielende, sondern auch die Ohren malträtierende Mindfuck-Wahnsinn in den Episoden 4 – 6 erst so richtig los!

    Während der Plot zu einem quietschenden Halt kommt, entwirft Nicolas Winding Refn in den zweiten zweieinhalb Stunden seines Fantasy-Noirs ein mythologisch bis zum Bersten aufgeladenes Kopenhagen, in dem sich die stets einen blauen Jogginganzug tragende Miu nicht nur als metaphysische Martial-Arts-Expertin entpuppt, sondern plötzlich auch noch Vampire mit einem ganz gewaltigen Peniskomplex eine zentrale Rolle einnehmen.

    Netflix
    Selbst der große blonde Serienmörder ist aufs Schwein gekommen.

    Drei Episoden lang schaukelt Nicolas Winding Refn das augenzwinkernd-absurde, aber zugleich mit einem absolut ernsthaften Pathos vorgetragene Mythologie-Bullshit-Bingo immer weiter hoch, während er sich bei seiner die halbe Filmgeschichte zitierenden Stil-pfeift-auf-Substanz-Inszenierung so richtig austobt. Selbst „hyperstilisiert“ wäre da als Beschreibung noch eine gnadenlose Untertreibung.

    Wie in Trance

    Das Erzähltempo tendiert dabei zunehmend gen Null. Man sollte sein Handy und andere mögliche Ablenkungen also möglichst weit weglegen. Es ist eine vogelwilde Stilübung, die Fans gnadenlos abfeiern werden, während sich Zufalls-Zuschauer*innen, die zumindest die ersten drei Folgen noch verstört-amüsiert angesehen haben, wohl ab Folge 4 langsam von „Copenhagen Cowboy“ verabschieden werden.

    Und gerade wenn man glaubt, dass da jetzt selbst ein Nicolas Winding Refn keinen auf den neon-nebeligen Wahnsinn mehr draufsetzen kann, schlägt ein gewisser Spieleentwickler-Superstar in einem Mini-Cameo vor, dass man doch nun unbedingt mal die Riesen besuchen sollte. Aber das ist dann eine Geschichte fürs nächste Jahr – wenn der mythische Krieg in der zweiten Staffel von „Copenhagen Cowboy“ erst so richtig vom Zaun bricht.

    Alles klar?

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    Dies ist eine Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

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