Mein Konto
    "House Of The Dragon" Folge 4: Darum sind die Sex-Szenen besser als in "Game Of Thrones"
    Annemarie Havran
    Annemarie Havran
    -Mitglied der Chefredaktion
    An „Game Of Thrones“ zu denken, löst bei Annemarie richtiges „Heimweh“ aus, so verbunden fühlt sie sich mit der Serie. Wie gut, dass es Spin-offs gibt!

    Über Rhaenyras Besuch im Bordell in Folge 4 von „House Of The Dragon“ herrscht im Internet viel Aufregung – warum? Nicht nur die Targaryen-Prinzessin hatte hier ihren Spaß, auch deren Darstellerin Milly Alcock fühlte sich wohl.

    HBO

    In „House Of The Dragon“ Folge 4 geschieht etwas, das wir nicht häufig in Serien und Filmen zu sehen bekommen: Eine Sex-Szene wird aus dem weiblichen Blickwinkel erzählt, nicht aus dem männlichen, und es ist die Frau, deren Lust hier im Vordergrund steht, nicht die des Mannes. Rhaenyra Targaryen (Milly Alcock) läuft mit neugierigen Blicken durch das Bordell, spürt die wachsende Erregung, möchte Sex – und als sie diesen von Daemon (Matt Smith) nicht bekommen kann, weil er keine Erektion bekommt, holt sie sich ihre Befriedigung bei Criston Cole (Fabien Frankel).

    Im Video „Inside The Episode“ zu Folge 4 von „House Of The Dragon” spricht Regisseurin Clare Kilner, wie wichtig ihr der sogenannte „female gaze“ gewesen sei – und das merkt man der Episode auch an. Kilner spricht darüber, wie schwierig es sei, solche Szenen zu inszenieren, und welche Verantwortung sie dabei fühle.

    Sie habe in der Szene zeigen wollen, dass Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht Spaß an ihren Körpern und an Sex haben. Und sie habe auch den weiblichen Blickwinkel zeigen wollen – etwas, was sie beim Aufwachsen selbst viel zu selten in von Männern inszenierten Filmen und Serien gesehen habe. Die Szenen sollten zeigen, dass „junge Frauen Sex genauso sehr wollen wie junge Männer“, so Kilner.

    Lust bei Rhaenyra, Frust bei Daemon

    Der erste Schock von Rhaenyra über das Gesehene (Milly Alcock und Matt Smith durften das Set vor dem Dreh nicht sehen, um ihre Reaktionen und ihr Verhalten so authentisch wie möglich einzufangen) verwandele sich in Aufregung und Eigeninitiative, wodurch Daemon die Kontrolle über die Situation und über Rhaenyra verliere – laut Kilner einer der Gründe für seine Impotenz, während die Showrunner hier als Grund auch Daemons schlechtes Gewissen anführen, da er möglicherweise beabsichtigte, seine Nichte auszunutzen, um dem Thron näherzukommen.

    Während in „Game Of Thrones“ vor allem in den ersten Staffeln Sex häufig in Verbindung mit Gewalt oder Exposition und mit männlicher Lust im Vordergrund gezeigt wurde, ist in „House Of The Dragon“ – zumindest in Folge 4, das war in Episode 1 noch anders und wird vielleicht in kommenden Folgen nicht immer so sein – der Blick auf Sex ein anderer, ein gleichberechtigter. Und auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag: Die Sex-Szenen in Folge 4 sind nicht nur reine Fleischbeschau, wie es bei „Game Of Thrones“ häufig der Fall war, sie erzählen auch eine Geschichte.

    Rhaenyra genießt ihr sexuelles Erwachen, das sie in die eigene Hand nimmt, offensichtlich. Doch parallel wird in einer Montage gezeigt, wie Alicent (Emily Carey), die in eine Ehe mit dem wesentlich älteren König Viserys (Paddy Considine) hineinmanipuliert wurde, den Geschlechtsakt mit ihrem Ehemann freudlos über sich ergehen lässt – sie mag die Königin sein, aber als Frau hat sie in dieser Gesellschaft kein Mitspracherecht, schon gar nicht bei ihrem eigenen Körper.

    Für Männer und Frauen gelten unterschiedliche Standards

    Wie heuchlerisch der Umgang mit Sex je nach Geschlecht in der Welt von „House Of The Dragon“ gehandhabt wird, spricht Rhaenyra dann sogar ganz deutlich aus: Wäre sie ein Mann, würde es niemanden kümmern, dass sie vor der Ehe Sex gehabt hat – aber als Frau ist es skandalös. Sie, die über ihren eigenen Körper bestimmt, tut also etwas Verwerfliches, während Königin Alicent, die nicht selbst entscheiden kann, wann sie Lust auf Sex hat, sondern dem Ruf ihres Ehemannes in dessen Schlafzimmer folgen muss, „tugendhaft“ ist.

    Das ist natürlich nur eine weitere Komponente der Geschlechterdiskriminierung: Zum Niedergang des Hauses Targaryen wird es schließlich kommen, weil Rhaenyra als Frau nicht als Thronerbin akzeptiert wird.

    Doch nicht nur vor der Kamera wurde in Folge 4 von „House Of The Dragon“ sehr viel besser mit einer Sex-Szene umgegangen als in vielen Episoden von „Game Of Thrones“. Auch hinter der Kamera hat sich etwas geändert: Am Set von „House Of The Dragon“ war ein sogenannter „Intimacy Coordinator“ anwesend – eine Person, die den Schauspieler*innen hilft, intime Szenen so zu drehen, dass sie sich dabei wohl und sicher fühlen.

    Kein Intimacy Coordinator bei "Game Of Thrones"

    Zu Zeiten von „Game Of Thrones“ hatte HBO diese Stelle noch nicht besetzt, und so gab es auch viele Beschwerden seitens der Stars, dass es beim Dreh von Sex- und Nacktszenen Probleme und Unsicherheiten gab, sie auch zu Dingen gedrängt wurden – unter anderem Jason Momoa (sollte seinen Intimbereich-Schutz abnehmen), Gemma Wheelan (bezeichnete die Sex-Szenen als wahnsinniges Chaos) und Emilia Clarke (weinte nach dem Dreh solcher Szenen auf der Toilette).

    Im Interview mit der New York Post erzählte Milly Alcock, dass Matt Smith und sie schon Monate vor dem Dreh mit der Planung der intimen Szenen begonnen hatten. Zwischen Smith und ihr habe sich auch ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt, sodass sie sich in der Interaktion mit ihm wohlgefühlt habe.

    Und auch Emily Carey lobt im Interview mit Newsweek die Zusammenarbeit mit einem Intimacy Coordinator und mit Regisseurin Clare Kilner. Sie habe sich sicher und gewertschätzt gefühlt, alle Details seien ausführlich besprochen worden – für sie als erst 17-Jährige beim Casting und der Vorbereitung, und dann 18-Jährige bei den Dreharbeiten sei dies enorm wichtig gewesen.

    Nicht nur Sex-Szenen seien als „intime“ Szenen behandelt und besprochen worden, auch Szenen, in denen zum Beispiel Alicent den König badet. Ihre Ängste und Bedenken wegen dieser Szenen seien sehr ernstgenommen worden, es habe immer einen offenen Dialog gegeben.

    Folge 5 von „House Of The Dragon” kommt am 19. September 2022 zu Sky und WOW (ehemals Sky Ticket).

    facebook Tweet
    Ähnliche Nachrichten
    Das könnte dich auch interessieren
    Back to Top