Mainstream-Horror mit anstrengenden Figuren
Eine Horrorserie, die das klassische Haunted House-Genre frisch präsentiert? Das versprach „Spuk in Hill House“ (oder auch „The Haunting of Hill House“). Eine Horror-Drama-Serie von 2018, basierend auf dem Roman von Shirley Jackson. Das Buch kam 1959 heraus und wurde seitdem mehrmals bereits verfilmt, unter anderem in dem trashigen Film „Das Geisterschloss“ von 1999. Dieses Mal aber war der kreative Kopf hinter dem Ganzen Mike Flanagan, der bereits einige Horrorfilme gedreht hatte („Oculus“ und später auch „Doctor Sleep“) und den Stoff etwas auffrischte mit einer traumatisierten Familie, deren Geschichte wir über zehn Folgen erleben. Seitdem hat die Serien-Adaption viel Lob bekommen und sicherte sich starke Kritiken durch die Bank. Mein Interesse an der Serie war also sehr groß und nun konnte ich sie endlich sehen. Leider war ich doch recht enttäuscht von dem Ganzen, trotz einiger guter Aspekte.
Die 80er: Die siebenköpfige Crain-Familie will das große Hill-Anwesen sanieren und wieder verkaufen. Dafür ziehen sie in das gigantische Haus und sind voller Vorfreude auf die Zukunft. Doch schnell wird der euphorische Frieden gestört als immer wieder kuriose und düstere Erscheinungen auftreten. Besonders die fünf Kinder sehen immer wieder grausame Bilder und Mutter Olivia wird immer mehr in den Bann des Hauses gezogen. Es kommt zu einem blutigen Vorfall, der die Familie auch noch 20 Jahre später heimsucht…
„Hill House“ präsentiert uns eine Horrorserie mit Dramaelementen in zehn Folgen. Genug Zeit, um die Figuren auszubauen, zu etablieren und eine mitreißende Story zu schaffen. Und in der Theorie gelingt das auch. Wir lernen alle Figuren kennen, viele Folgen zentrieren jedes Familienmitglied einzeln und so kommt am Ende alles zu einem emotionalen Höhepunkt zusammen. Dabei behandelt die Show düstere und blutige Themen, gemischt mit unheimlichen Schockmomenten und einer gruseligen Atmosphäre, die perfekt in die Halloween-Zeit passt. Auch die Grundidee der Serie, die ich jetzt nicht spoilern will, hat spannende Ideen und einige gute Pay-Offs.
Leider hat mich das Ganze aber nicht wirklich gekriegt. Warum? Dafür gibt es einige Gründe. Mein größtes Problem ist wahrscheinlich das Drehbuch und die Dialoge. Diese sind nur selten wirklich kraftvoll und bewegen sich sonst auf einer sehr klischeehaften Schiene. Das Drama ist oftmals sehr einseitig erzählt, forciert und nur selten gibt es Momente, die mich wirklich berührt haben. Das liegt auch an den Darsteller*innen. Während die Älteren einen ganz okayen Job machen, sind die Kids leider fast durchweg schlecht. Nicht nur die Art wie sie ihre Texte sprechen, auch ihre Reaktionen. Da passieren wirklich traumatisierende Dinge in dem Haus, und zwar am laufenden Band. Und was machen diese Kids? Sie schauen überrascht, geschockt, aber weinen oder panisch durchdrehen, das passiert fast nie. Und jeder, der Kinder in seinem Leben hat (egal ob familiär oder arbeitsbedingt), weiß, dass diese sich schon bei Kleinigkeiten in Angst und Panik versetzen können. Aber das ist ein generelles Problem in Hollywood und besonders im Horrorgenre. Da vermisse ich Kinderdarsteller wie Henry Thomas („.“), der hier selbst den Vater spielt, was ich sehr schön finde.
Während die älteren Schauspieler*innen deutlich besser (aber nicht großartig) agieren, sind es vor allem ihre Charaktere, die ich am Ende einfach nicht wirklich mag. Ja, in der Familie ist viel passiert über die Jahre, aber warum müssen alle so gemein zueinander sein? Besonders in der einen Folge, in der alles in wenigen One-Shots gefilmt wurde (technisch sehr cool gemacht), sind die Figuren sehr anstrengend und nervig. Dazu das forcierte Drama, welches man aus hundert Meter gegen den Wind riechen kann und schon gehen mir die Protagonist*innen allesamt auf den Senkel.
Die letzte Folge löst alles zugegeben ganz hübsch auf, aber das ist eben nur eine Folge.
Was ist mit dem Horror? Immerhin ist „Hill House“ als Horror gekennzeichnet. Ja, einige Momente sind wirklich gruselig und können sensiblere Leute bestimmt erschrecken. Viele Horror-Szenen jedoch verlieren schnell ihren Reiz, da sie nicht nur manchmal sehr plump inszeniert sind (Jump Scares mit lauten Sounds!), sondern weil die Figuren oftmals auch zu dumm sind, um sich aus diesen Alpträumen zu retten. Es dauert viel zu lange, bis die Familie endlich beschließt das Haus zu verlassen. Ich denke die meisten Leute hätten schon nach den ersten paranormalen Begegnungen beschlossen die Koffer zu packen. Aber sonst gäbe es halt keine Serie. Doch wenn dann die Mutter anfängt psychisch extrem labil zu agieren, beschließt der Vater dann zu handeln und etwas zu unternehmen? Nope. Da kommen dann abgedroschene Floskeln wie „Du musst dich ausruhen! Du bist müde.“ Da kommt dann das schwache Drehbuch wieder hervor. In solchen Momenten verlieren nicht nur die Figuren an Glaubwürdigkeit, auch die Horrormomente können keine wirkliche Gefahr mehr versprühen, weil die Charaktere einem egal sind (zumindest mir).
Technisch ist das Ganze aber ganz hübsch gemacht mit guten Effekten und einigen schicken Kameraeinstellungen!
Fazit: „Spuk in Hill House“ hat das Potential für eine wirklich mitreißende Horrorserie, die vor allem tragische Elemente mit einfließen lässt. Doch die klischeehafte, abgedroschene Art wie das Ganze hier präsentiert wurde, ließ mich leider kalt. Stattdessen konnte ich über viele Momente eher lachen, weil sie unfreiwillig komisch waren, aber das zähle ich auch als Unterhaltung. Doch am Ende ist es sehr schade, dass die Figuren alles andere als charmant sind und der Horror auf zu viele billige Tricks vertraut.