Manipulativ und voll von ätzenden Klischees!
2021 und 2022 (jeweils ein Jahr später in Deutschland) erschien bei Netflix eine Adaption des Romans „Firefly Lane“ (im Deutschen „Für immer für dich da“) von Kristin Hannah. Mich interessierte jedoch in erster Linie das weibliche Schauspielduo: Katherine Heigl, die auch als Produzentin tätig war, kennen viele sicherlich aus der kitschigen Arztserie „Grey´s Anatomy“, während Sarah Chalke vor allem durch „Scrubs“ (ebenfalls eine Arztserie und in meinen Augen eine der besten Sitcoms aller Zeiten!) Bekanntheit erlangte. Dass diese beiden Darstellerinnen aus zwei konkurrierenden Serien mit ähnlicher Thematik nun zusammen beste Freundinnen verkörpern würden, war schon irgendwie interessant. Das Endergebnis jedoch ist leider ein Sumpf auf Klischees und nervigem Kitsch.
Tully Hart und Kate Mularkey sind seit ihrer Kindheit die besten Freundinnen. Nach vielen Aufs und Abs wollen beide Journalistinnen werden und ergattern sich sogar einen Job bei einem bekannten Nachrichtensender. Über die Jahrzehnte bleibt die Freundschaft solide, doch die Wege der beiden gehen in unterschiedliche Richtungen: Während Tully als Moderatorin weltberühmt wird, genießt Kate das Familienleben…
Ich rezensiere hier direkt beide Staffeln, da ich finde, dass die Serie am besten im Ganzen bewertet werden sollte. Beide Seasons sind sehr ähnlich, außer dass Staffel 2 fast doppelt so viele Folgen hat (Staffel 1 - 9 Folgen, Staffel 2 - 16 Folgen).
Der größte Pluspunkt der Show ist die Unterteilung in verschiedene Jahrzehnte: Wir sehen Tully und Kate in den 70ern als Teenager (gespielt von jüngeren Schauspielerinnen), in den 80ern und 90ern als junge Frauen und schließlich Anfang der 2000er, wo beide mit großen und teils tragischen Ereignissen zu kämpfen haben. So bietet die Serie gute Abwechslung und wird zum Glück nie zu langatmig. Mich hat die Serie allerdings auf eine andere Art unterhalten, die sicherlich nicht so vorgesehen war: „Firefly Lane“ ist unfassbar kitschig und voll mit Klischees. Und zwar stellenweise so plump und einfallslos, dass die einzelnen Episoden wie ein Autounfall wirken: Man möchte nicht hinsehen, aber wegschauen kann man auch nicht. Schlussendlich sind viele Momente so unfreiwillig komisch und fernab jeglicher Realität, dass ich erstaunlich viel lachen musste, selbst in den dramatischeren Momenten.
Ich muss zugeben, dass die Serie dennoch positive, feministische Botschaften vermittelt und einige wirklich schöne und aufrichtige Szenen hat, gerade wenn man sich mal traut auf kitschige Musik und unnötiges Drama zu verzichten. Denn die meisten Momente müssen immer in irgendeinem skandalösen Blödsinn enden, damit die beiden Protagonistinnen stets mit neuen „Herausforderungen“ zu kämpfen haben. Dafür sind die Drehbuchautoren zu allem bereit, aber wie gesagt, das macht es eben oftmals auch so unfreiwillig komisch. Jedoch ist diese Art von Entertainment sicherlich nichts für jeden und viele werden sicherlich vom schwachen Script und dem forcierten Drama schnell genervt sein. Auch mich hat die Show ab und zu in den Wahnsinn getrieben, nicht zuletzt durch Tullys Mum Cloud, die mit Abstand schrecklichste Figur in der Serie! Die überzeichnete und völlig realitätsferne Darstellung dieser Hippiemutter ist einfach nur frustrierend. Auch Tully selbst ist als Figur stellenweise extrem schwierig zu ertragen, besonders am Ende von Staffel 1. Ihre Probleme und Gelüste lassen sich manchmal nur schwer erahnen, weshalb sie als Charakter oftmals nervig und langweilig bleibt. Das trifft leider auf die meisten Figuren zu, nur Kate wirkt trotz ihrer überzogenen Tollpatschigkeit charmant und echt.
Das liegt sicherlich auch an der Performance von Sarah Chalke, die zwar wieder eine Art Elliott von „Scrubs“ gibt, aber dadurch auch als Figur nicht zu gekünstelt rüber kommt. Katherine Heigl als Tully macht ihre Sache zwar ok, aber ich glaube ihr einfach nicht immer, dass sie die berühmte, große Berühmtheit ist, die sie vorgibt zu sein. Liegt aber wahrscheinlich eher an dem Drehbuch als an ihr… Der restliche Cast ist ok. Niemand fällt wirklich schlecht auf, bis auf Ali Skovbye als junge Tully, die stellenweise überfordert scheint mit ihrer Rolle…
Optisch und und musikalisch bietet die Serie leider ebenfalls nichts Besonderes. Die Show ist erschreckend langweilig gefilmt mit teils überbelichteten Bildern und aufdringlichen Filtern für die Flashbacks… Und der anstrengende Score wird nur von einigen guten Songs unterbrochen.
Fazit: Die wenigen guten Aspekte können die groben Schwächen von „Firefly Lane“ nicht retten. Eine klischeeverseuchte und leider manipulative Serie mit langweiligen Figuren.