Wozu braucht man noch gute Drehbuchautoren, wenn man coole Roboter und schicke Overalls hat?
Die „Fallout“-Spiele erfreuen sich seit 1997 großer Beliebtheit. Es gibt insgesamt vier Teile und einige Spin-offs. Und seit einigen Jahren haben Videospielverfilmungen deutlich an Qualität zugenommen, weswegen es nicht verwunderlich war, dass auch dieses Franchise eine eigene TV-Adaption bekommen würde. Besonders nach dem Erfolg von „The Last of Us“ in 2023, standen die Tore offen für Videospiel-Adaptionen im Serienbereich. 2024 kam dann also die erste Staffel von „Fallout“ bei Amazon. Gleich vorweg: Ich habe nie irgendein Spiel der „Fallout“-Reihe gezockt, kann also nicht bewerten, in wie weit die Serie der Vorlage treu bleibt. Die Show etabliert aber offenbar eigenständige Figuren und orientiert sich nicht direkt an einem Spiel, sondern viel mehr an der Welt von „Fallout“.
Und nach „The Last of Us“ (auch hier kenne ich die populären Spiele nicht), hatte ich mich schon sehr auf „Fallout“ gefreut, immerhin spielt in „Fallout“ Walton Goggins („The Hateful Eight“) mit. Doch schon nach den ersten Folgen war ich sehr skeptisch und nach dem Finale kann ich nun sagen, dass diese TV-Adaption ein absoluter Reinfall geworden ist!
Irgendwo zwischen den 50ern und 60ern wird Amerika und auch der Rest der Welt von nuklearen Bomben zerstört. Die Menschen sind gezwungen in Bunkern weiter zu leben. Knapp 200 Jahre später haben sich in den sogenannten Vault-Bunkern verschiedene, zivilisierte Gruppen etabliert. Einer dieser belebten Bereiche, heißt Vault 33. Hier lebt Lucy mit ihrem Dad und ihrem Bruder in friedlicher Gesellschaft. Das Ziel ist es bald die Oberfläche wieder zu besiedeln. Doch als Lucys Vater von einer mysteriösen, brutalen Gruppe entführt wird, will die junge und naive Frau selbst an die Oberfläche und nach ihm suchen...
Die Serie geht auf das Konto von Jnoathan Nolan und Lisa Joy, die zusammen mit Bethesda Game Studios (das Studio, welches seit 2008 die „Fallout“-Reihe entwickelt) seit 2020 an der Idee arbeiten. Und Amazon & Co haben wirklich viel Geld in die Serie gepumpt. Hier kann „Fallout“ noch am ehesten punkten: Die Show sieht schick aus und das Design der Welt hat nicht ohne Grund die Popkultur der letzten Jahrzehnte geprägt. Die knalligen Farben und der Mix aus dem Vintage-50´s-Look und einer apokalyptischen Nuklear-Zukunft hat seinen Charme und Reiz. Zudem ist die Serie schön blutig und stellenweise ganz lustig mit ihrem schwarzen Humor.
Doch das alles bedeutet recht wenig, wenn die Figuren anfangen zu sprechen. Die Drehbücher zu den einzelnen Episoden sind teils furchtbar! Nicht nur, dass es unzählige ausgelutschte Klischee-Dialoge gibt, die Charaktere sind größtenteils auch unfassbar dämlich. So dämlich, dass man sich stellenweise wünscht, es würde einen von ihnen erwischen. Das gilt besonders für die beiden Protagonist*innen Lucy und Maximus. Beide überleben nur mit unverschämt viel Glück und selbst gegen Ende der Staffel treffen beide unsagbar dämliche und forcierte Entscheidungen. Infolgedessen gibt es hier auch kaum wirklich dreidimensionale Figuren. Wenn überhaupt kann Walton Goggins´ Figur Cooper noch etwas Substanz in die Geschichte bringen. Tatsächlich sind seine Flashbacks interessanter als der Großteil der Serie.
Ansonsten verliert sich die Story in unnötigen Exposition-Dialogen, die mich oftmals eher verwirrt haben, statt die Handlung sinnvoll weiter zu bringen. Andere Dinge werden einfach katastrophal kommuniziert, wie zum Beispiel die Ghouls und was sie eigentlich genau sind.
Die Serie versucht all diese Schwachpunkte mit ihrem „coolen“ Worldbuilding zu übertünchen, aber auch das ist am Ende eher eine Lachnummer. So cool die Grundidee der Welt von „Fallout“ auch ist, so künstlich wirkt sie in dieser Show. Im Gegensatz zu „The Last of Us“ wirkt hier alles sehr unecht. Weder die Welt noch die Figuren haben wirklich Authentizität und auch der Humor ist oftmals sehr peinlich.
Auch in anderen Bereichen versagt die Serie: Schauspielerisch kann Ella Purnell als Lucy die Serie mit ihrem hölzernen Spiel überhaupt nicht tragen. Aaron Moten als Maximus ist da deutlich besser und auch Walton Goggins kann seiner Figur Leben einhauchen. Da hört es dann aber schon auf und der Rest des Casts ist erschreckend schwach und teils peinlich.
Hinzu kommt ein stellenweise schrecklicher Schnitt und ein nervender Score von Ramin Djawadi. Auch der manipulative Einsatz der Classic-Songs der 50er und 60er war oftmals eher aufgesetzt...
Fazit: „Fallout“ ist selbst eine fehlgezündete Bombe. Bis auf ein paar unterhaltsame Momente, ist die Umsetzung ein kompletter Reinfall. Ob jemand, der die Spiele gespielt hat, mehr Spaß mit der Staffel hat, kann ich nicht sagen. Aber diese Serie ist ja wohl auch dazu da, um Neulinge wie mich in die Welt von „Fallout“ zu bringen, ohne je ein Teil der Reihe gezockt zu haben. Geschafft hat sie es nicht und die folgenden Staffeln werde ich mir definitiv nicht ansehen!
Wirklich schade, dass Amazon mit einigen seiner Serien (siehe „Carnival Row“, „Gen V“ und besonders „Die Ringe der Macht“) vollkommen ins Klo greift. „Fallout“ ist keine vollkommene Katastrophe, aber eine absolute Enttäuschung und größtenteils reine Zeitverschwendung!