The Curse
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Sebastian Schlicht7
Sebastian Schlicht7

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Staffel 1 Kritik
4,5
Veröffentlicht am 28. Januar 2026
"You think you can just do whatever you want, there’s not gonna be consequences?“

Nathan Fielder ist für mich einer der interessantesten Künstler der letzten Jahre geworden. Alles begann mit seiner Show „Nathan for You“ und gipfelte in zwei Staffeln der atemberaubenden Serie „The Rehearsal“ von 2022 und 2025. Fielder ist vor allem bekannt für seine eigen Art des Fremdscham-Humors (oder auch Cringe Comedy), die er wie kaum ein anderer perfektioniert hat. Und bisher trat er immer als er selbst auf, zwar in einer Art Kunstfigur (denn wer weiß, wie echt er in diesen Shows tatsächlich ist), aber er spielte nie eine schauspielerische Rolle. Bis 2023, als er zusammen mit Benny Safdie die Show „The Curse“ drehte. Safdie erlangte Bekanntheit als Schauspieler, aber auch als Regisseur mit seinem Bruder Josh für Filme wie „Uncut Gems“ („Der schwarze Diamant“). Safdies pulsierende Energie und Fielders Humor, gepaart mit seinen wilden Ambitionen, ergaben eine Serie, die leider bisher nicht für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat, aber qualitativ eine einzigartige Erfahrung bietet!

Die Serie dreht sich um das Ehepaar Whitney und Asher Siegel: Beide wollen eine Show ins Fernsehen bringen, in der sie klimafreundliche Wohnungen (sogenannte Passivhäuser) an interessierte Käufer*innen bringen. Doch beide sind dabei sehr rücksichtslos in ihren Zielen und verstecken ihre Gier für Geld und Popularität hinter scheinheiligen, grinsenden Fassaden. Alles ändert sich jedoch, als Asher eines Tages von einem kleinen Mädchen verflucht wird…

„The Curse“ ist allein vom Genre kaum einzuordnen: Der Titel lässt eine Art Horor vermuten und ja, auch diese Elemente sind vorhanden. In vielen Teilen ist die Show auch ein klassischer Fall von Cringe Comedy, in der man den Fremdscham genießt, den die Figuren mit ihren Aktionen konstant kreieren. Aber in einigen Momenten ist „The Curse“ auch wirklich berührend und emotional. Das Erlebnis kann man schlecht beschreiben und ich selbst war bis zur letzten Sekunde nie sicher, in welche Richtung die Serie gehen würde. Dabei war ich anfangs noch etwas skeptisch, da ich das ganze Konzept nicht richtig einordnen konnte. Doch spätestens ab der Hälfte war ich gefesselt von den Figuren und der absurden, beklemmenden Atmosphäre.

„The Curse“ greift dabei so viele faszinierende Themen auf wie Gentrifizierung, Grenzen der Kunst, Partnerschaften und Abhängigkeit. Auch die Tatsache, dass es eine Show in einer Show ist, hat mich fasziniert. Immerhin sind Nathan Fielder und Benny Safdie als Regisseure und Autoren selbst als Schauspieler mit beteiligt. Und Emma Watson ist neben ihrer Performance als Produzentin mit an Bord. Und genau diese drei sind die Protagonist*innen in der Serie. Stone ist wie immer grandios, besonders ihr aufgesetztes Lächeln und ihre anstrengende Art mit den Menschen in ihrer Umgebung zu agieren, ist beeindruckend umgesetzt. Safdie zeigt ebenfalls eine tolle Leistung als Regisseur Dougie und besonders beeindruckt war ich von Nathan selbst, der eine wirklich mitreißende Leistung zeigt. Ich war sehr gespannt ihn in einer schauspielerischen Rolle zu sehen und er hat wirklich abgeliefert!

Auch optisch besticht die Serie durch eine wohl überlegte und absichtlich distanzierte Kameraführung (Maceo Bishop). Wir sehen nie die klassischen Kameraeinstellungen, die man aus Film und Fernsehen so kennt, stattdessen werden die Figuren immer aus einer gewissen Distanz gefilmt, so als ob sie heimlich von einem Kamerateam verfolgt werden, was thematisch perfekt zur Show passt. Und auch der beklemmende Score von Daniel Lopatin und John Medeski gibt den Bildern eine passend düstere Note.

Fazit: Auch wenn ich mit „The Curse“ erst mal warm werden musste, so hat mich das Ganze im Nachhinein doch sehr bewegt und zum Nachdenken angeregt. Wie so oft sind Fielders Projekte mehr als nur kuriose Comedy-Shows, sondern zutiefst faszinierende Kunstwerke. Und gerade „The Curse“ ist ein Projekt über Kunst und wie weit Menschen gehen, um diese Kunst zu präsentieren. Diese Serie wird nicht jeden gefallen, dafür ist sie wahrscheinlich ein zu großes Nischenprojekt. Mich jedoch hat „The Curse“ wirklich begeistert und ich freue mich darauf die Show irgendwann noch einmal zu erleben und alles in einem anderen Licht zu sehen.