Rentierbaby
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Sebastian Schlicht7
Sebastian Schlicht7

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Serienkritik
4,5
Veröffentlicht am 20. März 2025
„If you aren't living a life worth living, then can someone ruin it at all?“

2024 machte die Miniserie „Rentierbaby“ auf Netflix auf sich aufmerksam. Es geht um eine Stalkerin, die einen jungen Mann verfolgt. Nichts Besonderes auf den ersten Blick, doch Richard Gadd, auf dessen Idee und Leben das Ganze basiert, spielt hier selbst die Hauptrolle. Das allein ist schon sehr beindruckend. Noch beeindruckender als das, ist jedoch der Twist der ganzen Show. Statt eine einseitige Sichtweise auf diese Ereignisse zu zeigen, beleuchtet „Rentierbaby“ die Figuren in seiner Geschichte und gibt uns extrem facettenreiche und nachvollziehbare Charaktere. Und über all dem schwebt eine dunkle Story über das Stalken, Missbrauch und die traumatischen Erlebnisse, die daraus resultieren. Nicht zu Unrecht hat die Show sechs Emmys gewonnen!

Die Handlung spielt 2015 als ein junger Comedian, Donny Dunn, sein Glück in London probiert. Doch er hat nur wenig Erfolg mit seinen Shows. Nebenbei arbeitet er in einem Pub. Als eines Tages die einsame Martha Scott an seiner Bar sitzt, gibt Donny der angeblichen Anwältin einen Tee aus. Von da an beginnt eine endlose Spirale der Abhängigkeit bei Martha…

Gleich vorweg: Wer Probleme mit sexuellen Übergriffen hat, sei hier gewarnt. Die Show ist nicht umsonst ab 18 freigegeben, da sie sehr düstere und traumatisierende Ereignisse behandelt. Des Weiteren ist es natürlich auch wichtig zu wissen, dass die Story größtenteils auf den echten Ereignissen von Richard Gadd basiert. Dennoch ist dies hier ein fiktives Werk mit teils fiktiven Figuren und Ereignissen. Die wahre Geschichte von Gadd ist daher aber nicht weniger spannend, besonders nachdem man die Serie gesehen hat.

Doch kommen wir zur eigentlichen Show: „Rentierbaby“ kann man auch problemlos an einem Stück schauen. Nicht nur weil die einzelnen Folgen meist nur etwa eine halbe Stunde dauern (also insgesamt sind es etwa dreieinhalb Stunden für die ganze Serie), sondern weil die Story so mitreißend und schockierend erzählt wird. Wir erleben das Ganze aus der Perspektive von Donny, der wie in einer Art Therapiestunde von seinen Erlebnissen erzählt. Dabei lernen wir auch seine Mitmenschen kennen, aber vor allem ihn selbst. Die Serie wirkt generell wie eine Art Selbsttherapie für Richard Gadd, aber im guten Sinne. Wir kriegen tiefe Einblicke in die Fantasien und die Schwächen des neurotischen Comedians. Wir erleben seine düstersten Momente und natürlich den psychopathischen Druck, der von seiner Stalkerin Martha ausgeht.

Martha ist die zweite große Figur in der Story und wird (anders als vielleicht erwartet) nicht als seelenloses Monster gezeigt. Man merkt schnell, dass diese Frau psychisch krank und deswegen gefährlich ist. Aber wir kriegen auch einige Einblicke in ihre Vergangenheit und man kann schon erahnen, was Martha vielleicht durchgemacht hat.

Die Show ist dabei äußerst sensibel und wird nie herablassend, selbst gegenüber Martha, die einige grauenvolle Dinge tut und sagt. „Rentierbaby“ ist äußerst respektvoll und doch schonungslos zugleich. Es zeigt einen ehrlichen Blick in die Abgründe zweier Menschen. Und das alles ist so authentisch dargestellt, dass man jede Aktion von Donny irgendwie nachvollziehen kann. Denn er selbst handelt nicht immer moralisch und logisch richtig. Aber betrachtet man seine Umstände und seine Vergangenheit, wird schnell klar, warum er so ist wie er ist. Und das sieht man selten in Film und Fernsehen. Objektiv dumme Entscheidungen von Figuren sind oftmals absolut unverständlich und forciert. Hier jedoch baut alles wunderbar aufeinander auf!

Trotz vieler traumatischer Themen, gibt es auch einige humorvolle Momente, die der Serie auch extrem gut tun. Seien es die teils fremdschammäßigen Comedy-Shows von Donny oder die humorvollen Dialoge zwischen ihm und und seinem Date Teresa.

Darstellerisch wird hier wirklich viel geboten: Richard Gadd selbst ist fantastisch als neurotischer und gepeinigter Donny, sicherlich auch, weil er selbst diese Dinge erlebt hat. Jessica Gunning als Martha ist ebenfalls beeindruckend und spielt ihre psychisch, labile Rolle unfassbar realistisch.

Die Show ist auch technisch schick gefilmt und bietet einen soliden Soundtrack mit einigen tollen Songs, die manchen Szenen einen schwarz humorigen Touch verleihen.

Fazit: „Rentierbaby“ ist ohen Zweifel eine der besten Serien der letzten Jahre. Netflix hat mit seinen Miniserien nicht selten die besten qualitativen Ergebnisse („Queen´s Gambit“ oder auch „Godless“) und diese gehört absolut verdient dazu. Eine düstere, aber auch erfrischend positive Geschichte über Abhängigkeit, Selbsthass und Missbrauch. Keine Serie für schwache Nerven, die aber am Ende sehr heilend wirken kann!
Bluemoon
Bluemoon

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Serienkritik
4,0
Veröffentlicht am 28. April 2024
Facetten

Realitätsnah - Ehrlich - Traurig - Schockierend - Psychologie - Psychiatrie - Krimi - Straftat - Stalking - Intelligent - Beziehungen - Traumata - Liebe - Wahrheit - Mitgefühl - Phasen - Zeiten - Leben - Tod
Julia Schmied
Julia Schmied

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Serienkritik
3,0
Veröffentlicht am 18. April 2024
Eine gute, aber für mich schwer auszuhaltende Miniserie. Extremes Stalking, sexuelle Übergriffe, Missbrauch, Vergewaltigung (im Zusammenhang mit Betäubung durch:) und Drogen sind die entscheidendsten Trigger.
Dass das Ganze auf wahrem Erleben des
Comedians beruht, macht es natürlich nicht besser.
Die Absicht, Stalking als Krankheit aufzuzeigen - und mit dieser die gefühlte Ohnmacht und Verzweiflung, auf beiden Seiten - ist definitiv gelungen.
Repräsentation von Transidentität und Bisexualität geben zusätzliche Pluspunkte.