„Extraordinary Attorney Woo“ begleitet eine autistische Anwältin in ihrer Anfangszeit bei einer renommierten Anwaltskanzlei.
Vorneweg: Park Eun-bin liefert eine Weltklasseleistung als Woo Young-woo. Sie trägt die Serie und schafft es, beim Zuschauer tiefe Zuneigung für die Figur zu erzeugen. Dabei gibt sie Woo Young-woo sehr viel Würde und spielt sie mit dem notwendigen Respekt. Ihre Darstellung kommt ohne plakative Effekte aus und wirkt vollkommen vorurteilsfrei.
Die Serie begleitet die erste Zeit von Woo Young-woo in der Kanzlei Hanbada. Woo Young-woo ist eine autistische Frau, die als erster autistischer Mensch an ihrer Universität das Jura-Examen mit Bestnoten abgelegt hat. Im Verlauf werden verschiedene Aspekte dieser Anfangszeit beleuchtet: einerseits ihre Entwicklung außerhalb ihrer bisherigen Komfortzone, andererseits die Frage, wie ihre Umgebung auf sie reagiert.
Im Unterschied zum Film „Rain Man“, der als Pionierwerk zum Thema Autismus gilt, geht die Serie deutlich vorsichtiger und alltäglicher mit der Thematik um. Immer wieder wird angerissen, dass viele Menschen in ihrem Umfeld ein Akzeptanz- und Respektsproblem haben – gerade weil Woo Young-woo so ist, wie sie ist. Medizinisch wird Autismus hier sicher nicht in allen Facetten korrekt dargestellt, dennoch geht die Serie respektvoll mit dem Thema um und zieht es nie ins Lächerliche.
Stattdessen rückt sie in den Vordergrund, wie das Umfeld lernt, dass die Dinge so sind, wie sie sind, und dass diese Tatsache akzeptiert werden muss – und dass man an genau dieser Realität wachsen kann.
Woo Young-woo muss sich im Arbeitsleben einer Kanzlei beweisen, in der Konformität Programm ist. Man dient dem Mandanten, verdient dabei Geld – und alles, was davon abweicht, stört den reibungslosen Ablauf. Hierzu bildet Woo Young-woo einen Kontrast, weil sie Recht anders interpretiert, mehr im Sinne der Gerechtigkeit. Dieser Widerspruch der Auffassungen wird in der Serie häufig in Szene gesetzt. In der Arbeitsumgebung einer Premium-Kanzlei sind Neid und Missgunst dauerhafte Gäste und gerade eine Person, die nicht der gelebten Konformität entspricht, wird schnell zum Opfer. Auch dies widerfährt Woo Young-woo und sie muss lernen damit umzugehen.
Von Anfang an stellt ihr die Serie mit Lee Joon-ho eine Figur zur Seite, die grandios von Kang Tae-oh verkörpert wird. Lee Joon-ho begegnet ihr von Beginn an vorurteilsfrei und arbeitet schlicht mit der neuen Anwältin zusammen, ohne sie zu exotisieren oder zu bemitleiden. Beide Schauspieler harmonieren wunderbar miteinander und geben der Serie jene Leichtigkeit, die sie vor allzu schwerem Betroffenheitskino bewahrt.
Die Serie verzichtet ganz explizit auf den Mitleidseffekt, sondern stellt die Entwicklung der Personen in den Vordergrund, die an der Situation „Dinge sind so wie sie sind“ wachsen.
Hervorheben möchte ich die Entwicklung von Jung Myeong-seok, (Hervorragend von Kang Ki-young) der eine glaubhafte Entwicklung mitmacht und wirklich lernt „Dinge sind so wie sie sind“.
Die sich entwickelnde Romanze zwischen Lee Joon-ho und Woo Young-woo wird nicht vordergründig erzählt sondern ist ein wunderbarers begleitendes Element. Einige Szenen der Verliebtheit sind einfach grandios.
„Extraordinary Attorney Woo“ ist ein kleines Meisterwerk der Erzählkunst, das weitgehend auf Wertungen verzichtet und seine Figuren ernst nimmt. Ein Muss für Fans von Dramen mit komödiantischen Aspekten, die einfach begeistern.