Vorab: „The Madison“ ist eine oberflächliche Serie, die versucht, an den Erfolg von „Yellowstone“ anzuknüpfen, aber in keiner der sechs Folgen der "ersten" Staffel Spannung oder emotionale Gefühle aufbauen kann. Die Geschichte einer versnobten, reichen New Yorker Familie, deren Oberhaupt Preston Clayburn (Kurt Russell) mit seinem Bruder Paul (Matthew Fox) bei einem Gewitter in den Bergen Montanas tödlich verunglückt, ist dafür einfach zu ereignisarm. Stacy Clayburn (Michelle Pfeiffer), die Frau von Preston, reist mit ihren zwei Töchtern, zwei Enkelinnen und einem Schwiegersohn nach Montana, um das Familienoberhaupt zu bestatten. Dabei geht es, anders als propagiert, nicht darum, dass die gesamte Familie von heute auf morgen nach Montana umzieht.
Den malerischen Fluss Madison, an dem Preston drei Häuser für sich und seine Familie gebaut hatte und die Hoffnung hegte, eines Tages seine ganze Familie an seinem Sehnsuchtsort zu vereinen, sieht die Familie erstmals. Weder seine Ehefrau noch seine zwei verwöhnten Töchter hatten Interesse, mit ihm in der unberührten Natur Montanas Urlaub zu machen. Sie sind typische wohlhabende New Yorker, die in ihrer oberflächlichen Blase leben. In Montana verbrachte der Geschäftsmann Preston mit seinem jüngeren Bruder viel Zeit beim Fliegenfischen. Bei den Szenen am Fluss und in der Natur legen die Macher der Serie viel Wert darauf, nicht nur eine Verbindung zu Yellowstone, sondern auch zur Romanverfilmung „Aus der Mitte entspringt ein Fluss” von Robert Redford aus dem Jahr 1992 aufzubauen.
Dazu passt, dass Preston und Paul Clayburn ähnlich wie die Protagonisten des Dramas nicht nur das Fliegenfischen lieben, sondern auch Probleme damit haben, sich zu öffnen.
Was für ein Glück für Preston Clayburns Ehefrau, dass er 20 Jahre lang Tagebücher in Madison geschrieben hat. Sie sind zugleich ein Handbuch fürs Überleben vor Ort ohne die Annehmlichkeiten New Yorks. Beim Lesen muss seine Frau erkennen, dass sie die naturverbundene, tiefsinnige und fast naturphilosophische Seite ihres Mannes gar nicht kannte. Neben ihrer Trauer erleidet sie einen Nervenzusammenbruch nach dem anderen, da sie erkennt, dass sie es zwei Dekaden lang vermieden hatte, mit ihrem Mann diesen für ihn magischen Ort zu besuchen. Die Zeit bis zur Beerdigung ist für die gesamte Familie eine Bewährungsprobe, in der einige Konflikte bewältigt werden – oder auch nicht. Zudem verliebt sich die älteste Tochter Abigail Preston (Beau Garrett) in den örtlichen Sheriff Van Davis (Ben Schnetzer), der nicht nur blendend aussieht, sondern auch ein junger Witwer ist. Hinter seiner hinterwäldlerisch anmutenden Uniform verbirgt sich ein Mann, den sich anscheinend jede Frau wünscht: ein Beschützer und Verwöhner, der auch weiß, was reiche New Yorkerinnen benötigen – Prosciutto, Melone und Wein. Der attraktive Witwer hat zwei Söhne, während Abigail aus ihrer gescheiterten Ehe mit einem Musiker zwei Töchter mitbringt.
Die erste Staffel spitzt die Ereignisse zu, die noch in der längst abgedrehten zweiten Staffel stattfinden sollen. Dann wird sich die Familie wohl in Montana niederlassen und versuchen, in einer Robinsonade im Hinterland anzukommen.
Ehrlich gesagt hätte mir eine Miniserie vollkommen ausgereicht. Ich finde es zudem lächerlich, sechs Folgen als erste Staffel zu bezeichnen und die Zuschauer mit der längst abgedrehten Möchtegern-Staffel 2 bis 2027 auf die Folter zu spannen. Wie unnötig von Paramount, die mit ihrem armseligen und langweiligen Programmangebot sowieso nicht sonderlich sexy rüberkommen.
Vor dem Zeitalter der Streamingdienste trumpften erste Staffeln von angesagten Serien oft mit 25 bis 30 Folgen auf. Allerdings spielten damals selten große Hollywood-Ikonen in den Serien mit, sondern solche, die sich über das lineare Fernsehen für die Traumfabrik erst empfehlen mussten. Dadurch waren die Produktionskosten damals günstiger als heute. Legenden wie Kurt Russell, Michelle Pfeiffer in The Madison oder Kevin Costner und Harrison Ford in der Welt von Yellowstone, die heute vor der Kamera stehen, bekommen Millionen für ihre Präsenz und oft Garanten dafür, dass Zuschauer überhaupt Interesse haben, reinzuschnuppern.
Für mich, der sich durch die erste Staffel gequält hat – immer in der Hoffnung, dass die Serie irgendwann Feuer fängt –, ist „The Madison“ damit Geschichte. Vielleicht hätte ich mir die zweite Staffel (also den zweiten Teil der ersten Staffel) noch angesehen, aber ich habe letztendlich jegliches Interesse an der Serie verloren. Die Story ist zu dünn, viel zu vorhersehbar und versteht es nicht, eine Geschichte für den Großteil der Menschheit zu erzählen. Stattdessen geht es um eine nervige Gesellschaft von Menschen, die nicht nur unsere Denkmuster und unsere Sprache verändern wollen, sondern Dramen durchleben, die für uns, die Generation X, das normale Leben bedeuten: Das Leben verläuft halt nicht nur linear, sondern es gibt Ausschläge nach oben und unten. Damit will ich nicht sagen, dass die Generation X trotz ihrer vielen Innovationen keine Probleme hatte. Sie hat jedoch erreicht, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind, Homosexualität zu unserer Welt gehört, Rassismus dumm ist und der Erhalt unserer Erde oberstes Ziel ist. Wir waren auch die letzte Generation, die eine Kindheit und Jugend ohne Smartphones erlebte, weniger anfällig für Manipulationen war und sich auf ihre Sinne verlassen konnte.
Natürlich wird es Fans für die Serie geben, aber für mich ist „The Madison” hier beendet.