Jahrelang war der ZDF-Trödelhit mein absoluter Zufluchtsort am Feierabend. Doch nach über einem Jahrzehnt Dauerbeschallung ist die Luft einfach komplett raus. Stirbt „Bares für Rares“ gerade unbemerkt vor Millionen von Fans den schleichenden TV-Tod?
Der "Bares für Rares"-Effekt: Plötzlich war Flohmarkt cool
Ich habe „Bares für Rares“ über Jahre hinweg wirklich geliebt. Die Sendung war mein tägliches Feierabend-Programm, weil sie genau das bot, was ich im Fernsehen sonst oft vermisse: pure Wohlfühlatmosphäre ohne geskriptetes Reality-TV-Drama oder künstliches Geschrei. Wir durften dabei zusehen, wie sich Horst Lichter vom TV-Koch zum charmanten Trödelonkel der Nation wandelte, während kompetente Experten Kunstgeschichte wieder massentauglich machten.
Plötzlich lernte ganz Deutschland etwas über alte Dachbodenfunde – und das Stöbern auf dem Flohmarkt war auf einmal richtig cool. „Bares für Rares“ war lehrreich, gemütlich und lieferte dank der Bietergefechte nach jeder Expertise eine kleine Dosis Spannung.
ZDF/Frank Beer
Fließband statt TV-Magie
Doch nach gut 13 Jahren im Dauerbetrieb, kann mich die Show einfach nicht mehr begeistern. Das Problem ist nicht einmal, dass das Trödelformat handwerklich schlechter geworden wäre – Horst Lichter ist immer noch charmant wie eh und je, und das Wissen der Experten sitzt! Viel eher stört mich, dass die Show wie eine perfekt geölte Industriemaschine läuft; die Brötchen werden am Fließband gebacken, statt liebevoll per Hand geformt. Nach all den Jahren hat man das Gefühl, alles schon tausendmal gesehen zu haben. Wer freut sich denn wirklich noch darüber, zum gefühlt 500. Mal antiken Goldschmuck oder ein unbekanntes Ölgemälde vom Dachboden zu bestaunen?
Bei ca. 50 Minuten täglicher Sendezeit bleibt inzwischen nur noch ein einziges wirklich spannendes Objekt übrig, während der Rest einfach nur so dahinplätschert. Dadurch wirkt die Sendung auf mich belanglos, extrem routiniert und auf Quantität statt auf Qualität getrimmt. Sogar das XXL-Abendspezial, auf das ich mich früher wochenlang gefreut habe, läuft nur noch auf Sparflamme: Bis auf Lichters Smoking und die schicke Location unterscheidet sich die Primetime-Ausgabe kaum noch vom nachmittäglichen Einerlei.
Die Rettung: Weniger ist mehr
Klar, die Quoten stimmen immer noch und das ZDF dürfte nur wenig Grund zum Handeln sehen. Aber bei mir hat sich inzwischen eine so zermürbende Müdigkeit eingestellt, dass es mich als Fan einfach nur traurig stimmt. Statt täglich einzuschalten, erwische ich mich immer öfter dabei, dass ich mir die Highlightverkäufe nachträglich auf YouTube anschaue; so werde ich zumindest nicht tagtäglich daran erinnert, wie die Show im Schneckentempo auf ihr eigenes Verderben zukriecht.
Dabei gäbe es eine einfache Lösung: Nehmt die Sendung endlich vom täglichen Sendeplatz! Zwei gut kuratierte Folgen unter der Woche oder ein schönes Spezial am Wochenende würden reichen, um den Objekten ihren Seltenheitswert und dem Publikum die Vorfreude zurückzugeben. Denn auf ihren Social-Media-Kanälen beweist die Show mit absurden Aktionen immer wieder, wie spritzig, frech und selbstironisch sie sein kann. Warum traut sich das ZDF nicht, diese Frische und ein paar Backstage-Einblicke auch ins Hauptprogramm aufzunehmen? Denn so wie es aktuell läuft, dauert es nicht mehr lange, bis die Show endgültig unter Spinnenweben und Staub begraben wird.
Warum diese „Bares für Rares“-Ikone ihre eigene Sendung verdient hätte, könnt ihr hier nachlesen: