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The Lady - Ein geteiltes Herz
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
The Lady - Ein geteiltes Herz
Von Ulf Lepelmeier
„The Lady" ist der ehrfurchtsvolle Titel, den die Burmesen der unerschütterlichen Bürgerrechtlerin und Menschenrechtsaktivistin Aung San Suu Kyi verliehen haben, deren insgesamt 15 Jahre währender Hausarrest erst am 13. November 2010 von der Militärregierung in Myanmar aufgehoben wurde. Der französische Actionveteran Luc Besson („Leon - Der Profi", „Das fünfte Element") wagt sich nun an ein biographisches Drama über die burmesische Friedensnobelpreisträgerin und legt den Fokus auf die unerschütterliche Liebe zwischen Aung San Suu Kyi und ihrem Ehemann Michael Aris. Dabei beeindruckt Michelle Yeoh in dem äußerst konventionell und überraschend unpolitisch geratenen Biopic in der Rolle der charakterstarken Lady, die ihr familiäres Glück für den friedlichen Kampf um die Einhaltung der Menschenrechte in ihrem Land opfert.

Im Jahre 1947 wird Aung San Suu Kyis Vater Kommandeur Aung San, der sich für die Unabhängigkeit und Demokratisierung Burmas stark machte, in einem Sitzungssaal in Rangun erschossen. 40 Jahre später lebt die 43-jährige Aung San Suu Kyi (Michelle Yeoh) mit ihrem Ehemann, dem Professor für Tibetologie, Michael Aris (David Thewlis), und ihren zwei Söhnen in Oxford. Als ihre Mutter einen Schlaganfall erleidet, beschließt Aung San Suu Kyi, nach Burma zurückzukehren. In Rangun bekommt sie die Niederschlagung der Studentenunruhen durch das Terror-Regime von General Ne Win (Hzun Lin) hautnah mit. Als Regimegegner Suu Kyi bitten, sich für die Demokratisierung Burmas einzusetzen, willigt sie ein, in Rangun zu bleiben. Als Tochter des zum Volkshelden ernannten Kommandeurs Aung San ist sie in der Bevölkerung sehr populär und findet Gehör. Doch als sie mit der National League for Democracy einen erdrutschartigen Wahlsieg bei den Parlamentswahlen erringt, erklärt die Militärregierung die Wahl für ungültig, sperrt viele Parteiangehörige in Gefangenenlager und verhängt einen Hausarrest gegen Suu Kyi. Die Inhaftierung in ihrem Anwesen in Rangun soll über 15 Jahre andauern. Während sich Suu Kyi in Burma von ihrer Umwelt isoliert sieht, setzt sich ihr Ehemann in Oxford dafür ein, dass die Welt auf den friedlichen Kampf seiner Frau für Demokratie und die Einhaltung von Menschenrechten aufmerksam wird.

Als Michelle Yeoh („Tiger & Dragon", „Sunshine") dem Regisseur Luc Besson das Drehbuch zu „The Lady" vorlegte und ihn fragte, ob er für ihr Herzensprojekt der Verfilmung der Lebensgeschichte Aung San Suu Kyis als Produzent fungieren könnte, war der französische Filmemacher so ergriffen von der Geschichte der Friedensnobelpreisträgerin, dass er sogleich auch Interesse am Regieposten bekundete. Er findet für das Epos gewohnt starke Bilder und stellt das familiäre Drama der Ehefrau und Mutter Suu Kyi, die durch den politisch motivierten Hausarrest jahrelang von ihren Lieben getrennt ist, in den Mittelpunkt. Er streift dabei zwar pflichtbewusst die wichtigsten Ereignisse im Leben der friedlichen Freiheitskämpferin im Zeitraum von 1988 bis 2007, zeigt dabei aber kein großes Interesse an den brisanten politischen Vorkommnissen in Burma (mittlerweile offiziell: Myanmar), die sich hier stets nur im Hintergrund der rührenden Liebesgeschichte abspielen.

Natürlich ist im Rahmen eines Spielfilms eine Vereinfachung und Raffung der Ereignisse notwendig, doch in „The Lady" verkommt der politische Kampf zur reinen Nebensache und Aung San Suu Kyis Gegenspieler werden in zweifelhafter Vergröberung zu comichaften Schreckgestalten. So findet sich General Ne Win als rachsüchtiger und launischer Despot dargestellt, der seine Entscheidungen auf der Grundlage von Tarotkarten fällt. Das bedauerliche Desinteresse für die politischen Zusammenhänge färbt auch auf die private Ebene der Erzählung ab, denn auch die Vorgeschichte der Eheleute wird ausgespart. Gerade hier hätte der Film wesentlich an Tiefe gewinnen können, so entsteht dagegen der Eindruck, dass eine politisch bisher wenig engagierte Hausfrau aus Oxford urplötzlich das Erbe ihres in Burma zum Volkshelden stilisierten Vaters antritt.

Doch während Besson die burmesische Zeitgeschichte nur unzureichend berücksichtigt, ist die Liebesgeschichte zwischen der über ein Jahrzehnt in ihrem Anwesen inhaftierten Freiheitskämpferin und ihrem beständig für sie eintretenden Ehemann dank der überzeugenden Darstellerleistungen äußerst ergreifend geraten. Nicht nur ist die äußere Ähnlichkeit von Aung San Suu Kyi und ihrer Darstellerin Michelle Yeoh frappierend, auch die ungemein würdevolle Ausstrahlung der Friedensnobelpreisträgerin bringt das frühere Bondgirl („James Bond 007 - Der Morgen stirbt nie") auf beeindruckende Weise zum Ausdruck. Leider bekommt die malaysische Schauspielerin von ihrem Regisseur nur wenig Möglichkeiten, den inneren Kampf hinter der Fassade von Anmut und Gelassenheit, den die jahrzehntelange Isolation für Suu Kyi bedeutet haben muss, nach außen zu tragen. Aber dafür verkörpert Yeoh die stoische Ruhe, die Eleganz und auch den Schatten der Traurigkeit, die Aung San Suu Kyi bei ihren öffentlichen Auftritten umgaben, hervorragend. David Thewlis („Gefährten", „Sieben Jahre in Tibet") steht seiner Partnerin in nichts nach und begeistert als aufopferungsvoller Ehemann, der von Oxford aus versucht, seine Frau zu unterstützen. Yeoh und Thewlis ist es zu verdanken, dass die besondere Verbindung des über ein Jahrzehnt lang durch die Umstände getrennten Paares auf ergreifende Weise spürbar wird.

Fazit: „The Lady" ist ein überaus konventionelles Biopic, das der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi in seiner einseitigen und naiven Inszenierung leider nicht gerecht wird. Michelle Yeoh und David Thewlis verkörpern das beständig voneinander getrennte Bürgerrechtlerpaar mit Feingefühl, doch liegt der Fokus des Films so stark auf der aufopferungsvollen Liebesgeschichte, dass die brisanten politischen Vorkommnisse in Burma zu Randnotizen verkommen.
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