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    Pirates Of The Caribbean 5: Salazars Rache
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Pirates Of The Caribbean 5: Salazars Rache
    Von Christoph Petersen
    Zumindest das mit dem Budget hat schon mal nicht so richtig hingehauen: Nach dem Johnny-Depp-Megaflop „Lone Ranger“ (der dem Studio bis zu 200 Millionen Dollar Miese eingebracht haben soll) und der Absage von „Pirates Of The Caribbean: Fremde Gezeiten“-Regisseur Rob Marshall haben sich die Disney-Verantwortlichen schließlich auch deshalb für das norwegische Regie-Duo Joachim Rønning und Espen Sandberg entschieden, weil diese bei ihrem oscarnominierten Floß-Drama „Kon-Tiki“ selbst aus einem vergleichsweise schmalen Budget von nur 15 Millionen Dollar atemberaubende Auf-dem-Wasser-Schauwerte herausgeholt haben. Aber Pustekuchen: Mit einem kolportierten Budget von 320 Millionen Dollar ist „Pirates Of The Caribbean 5: Salazars Rache“ nun trotzdem die teuerste Produktion 2017 und der zweitteuerste Film aller Zeiten (nach Teil 4, der sogar um die 380 Millionen verschlungen hat)! Für den Zuschauer spielt die Höhe der Rechnung aber natürlich keine Rolle, letztendlich zählt nur, was über die Leinwand flimmert – und dem sieht man vor allem in der ersten Hälfte tatsächlich sofort an, was für ein unglaublicher Aufwand in die zu Beginn noch überwiegend handgemachten Actionszenen geflossen ist, bevor die Macher dann Richtung Finale doch wieder zunehmend auf die üblichen CGI-Exzesse setzen.

    Henry Turner (Brenton Thwaites) studiert schon seit seiner Kindheit alle Mythen und Seekarten, die er in die Finger bekommen kann, um endlich seinen Vater Will Turner (Orlando Bloom) von einem Fluch zu erlösen, der ihn als Kapitän an das Geisterschiff Flying Dutchman bindet. Seine einzige Chance scheint der mächtige Dreizack des Poseidon zu sein, aber um an diesen heranzukommen, benötigt Henry unbedingt die Hilfe des verschollenen Piratenkapitäns Jack Sparrow (Johnny Depp) und seines magischen Kompasses. Deshalb hat Henry auch an Bord eines Piratenjägerschiffs angeheuert, aber statt mit Sparrow bekommt es die britische Crew mit dem spanischen Geisterkapitän Salazar (Javier Bardem) zu tun, der alle Soldaten ermordet und nur Henry mit dem Auftrag am Leben lässt, Sparrow zu finden und ihm zu verkünden, dass sich Salazar an ihm als nächstes rächen wird…



    Ganz ehrlich – die Story von Jack Sparrow ist längst auserzählt! Egal ob Münzen, Kompasse, Karten oder Dreizacke - inzwischen wird die Handlung gefühlt nur noch vorangetrieben, indem man noch einen magischen Gegenstand oder noch einen Geisterkapitän aus dem Hut zaubert. (Es ist ja beeindruckend genug, wie viel die Autoren gerade im starken ersten Teil überhaupt aus einer einzelnen Freizeitattraktion an Plot herausgezogen haben.) Aber was soll‘s? Einen „Pirates Of The Caribbean“-Film schaut sich eh keiner wegen der Story an, sondern wegen der Action, dem Humor und Johnny Depp („Black Mass“, „Mord im Orient-Express“) in seiner Paraderolle als dauerwankender Trunkenbold-Kapitän (2004 hat er bei den Oscars gegen Sean Penn in „Mystic River“ knapp den Kürzeren gezogen)! Und zumindest was die Action angeht, hat „Salazars Rache“ gleich zu Beginn einige echte Höhepunkte zu bieten:

    Wenn Sparrows Crew eine ganze Bank (statt nur den Tresor) hinter sich her an Pferden durch die Stadt zieht, ist nicht nur das komödiantische Timing absolut perfekt, man sieht der Sequenz auch an, dass ein Großteil der Action tatsächlich handgemacht ist, was ihr ein ganz anderes Gewicht verleiht. Erst als das mitgeschleifte Haus am Stadttor zerschellt, sind die Computeranimationen klar als solche zu erkennen – und der Szene entweicht mit einem Mal ihre komplette Energie. In der stärksten Sequenz des ganzen Films soll wenig später neben der als Hexe angeklagten Astronomin Carina Smyth (Kaya Scodelario) auch Sparrow selbst exekutiert werden, aber nach einer halbgeglückten Befreiungsaktion rotiert er plötzlich an eine Guillotine gefesselt um eine Holzachse, während das blitzende Fallbeil seinem Hals immer wieder gefährlich nahe kommt. Das ist nicht nur ein verschmitzter Rückverweis auf die Karussell-Wurzeln des Franchises, sondern vereint in sich auch zwei der großen Stärken der Reihe: kreativ-rasante Action und staubtrockenen schwarzen Humor.

    Das eigentliche Finale, in dem die Macher „Die zehn Gebote“-mäßig das Meer teilen, kann da jedenfalls nicht mithalten – ganz im Gegensatz übrigens zu den Designs von Salazar und seinem Geisterschiff: Die stammen zwar ebenfalls aus dem Computer, sind aber trotzdem angenehm originell – während Salazar selbst an Bord eines Schiffes mit seinem in der Luft fließenden Haar stets aussieht, als würde er sich gerade schwerfällig unter Wasser fortbewegen, entpuppt sich seine aus nur noch vereinzelten Planken bestehende Silent Mary als wahres Seemonster, das andere Schiffe einfach auffrisst. Weniger gelungen als zum Beispiel in „The First Avenger: Civil War“ oder gerade erst in „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“, wo der junge Kurt Russell die Mutter von Star-Lord verführt, ist hier allerdings die digitale Verjüngungskur des inzwischen auch schon 53-jährigen Johnny Depp, wenn sich der jugendliche Jack Sparrow in einer Rückblende mit dem noch menschlichen Salazar anlegt (in einer weiteren Rückblende ist übrigens auch der deutsche Schauspieler Alexander Scheer kurz als junger Vater von Jack Sparrow zu sehen).

    Der angestrebte (aber dann eben nicht umgesetzte) Sparkurs war übrigens nicht der einzige Grund für die Verpflichtung von Rønning und Sandberg – die Regisseure sollten der Reihe auch unbedingt wieder mehr Herz verleihen. Das ist mit der Einführung der zwei neuen Hauptfiguren Henry Turner und Carina Smyth allerdings nur so semioptimal gelungen: Henry hat mit der Befreiung seines verfluchten Vaters zwar ein starkes persönliches Ziel, aber der britische Shootingstar Brenton Thwaites („Hüter der Erinnerung“, „Gods Of Egypt“) gibt sich dann doch recht widerstandslos mit der Rolle des geerdeten Schönlings zufrieden. Da bekommt Kaya Scodelario („Skins“, „Maze Runner“-Trilogie) als wandelnde Marie-Curie-Hommage schon mehr zu tun, wenn sie sich als zukunftsgewandte Wissenschaftlerin schlagfertig gegen ihre rückständigen männlichen Kollegen, die jede Forschung einer Frau unweigerlich als Hexerei abtun, zur Wehr setzt (an einem Labor hängt sogar das Schild: „Keine Hunde. Keine Frauen“). Bei Carina offenbart sich zudem später ebenfalls eine verwandtschaftliche Verbindung zu einer schon bekannten Figur, die wir aber hier selbstverständlich nicht verraten. Nur wenn die Neuzugänge doch eigentlich das emotionale Zentrum bilden sollten, dann fragt man sich natürlich schon, warum das finale emotionale Highlight des Films dann ausgerechnet eine Szene ist, in der sich zwei Figuren in die Arme fallen, von denen die eine in „Salazars Rache“ vorher noch gar nicht und die andere noch keine fünf Minuten lang zu sehen war.

    Fazit: „Pirates Of The Caribbean: Salazars Rache“ hat dem Franchise zwar absolut nichts Neues mehr hinzuzufügen, aber einige der augenzwinkernden Actionszenen sind verdammt gut und Johnny Depp wankt so cool wie eh und je.

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    Kommentare

    • Ronald Schubert
      Der am wenigsten gelungene, ach was, der schlechteste Teil der Piratensaga!Man hätte es beim ersten Teil belassen sollen.Wenn schon Johnny Depp und selbst Oscarpreisträger Javier Bardem nichts nützen, ist der Film einfach Schrott!Selbst der Stones Gitarrist Keith Richards als Jack Sparrows Vater, früher einer der Höhepunkte, hat diesmal nichts retten können.
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